Kapitalflucht in den Schwellenländern: Die nächste Krise ist schon da





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Jetzt platzt die Blase

Kapitalflucht in den Schwellenländern: Die nächste Krise ist schon da

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Die großen Notenbanken fluten seit mehr als zehn Jahren die ganze Welt mit billigem Geld. Das hat das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern befeuert. Jetzt platzt die Blase: Massive Kapitalabflüsse setzen Staaten wie Indien, Türkei, Indonesien und Brasilien massiv unter Druck. Die nächste Krise ist schon da – und sie wird die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen.

Plötzlich ist die Party vorbei: Die meisten Schwellenländer sehen sich mit einer massiv abwertenden Währung, kollabierenden Aktien- und Anleihemärkten und einer Verknappung des Investitionskapitals konfrontiert. Die Ursache für den plötzlichen Kapitalschwund ist die US-Notenbank Federal Reserve. Die hatte lediglich angekündigt, irgendwann und schrittweise auf der Politik des billigen Geldes aussteigen zu wollen.

Kapital fließt in die USA

Daraufhin stiegen die Renditen von US-Anleihen, was viele Investoren dazu veranlasste, in den Schwellenländern angelegtes Geld abzuziehen in die USA zu transferieren. Länder wie die Türkei, Indonesien, Indien, Brasilien oder Bangladesch droht nun eine konjunkturelle Vollbremsung. Verlässliche, rückblickende makroökonomische Daten dazu sind noch nicht vorhanden.

Besonders hart dürfte es Länder mit hohem Leistungsbilanzdefizit treffen, weil diese zwingend auf Kapitalimporte angewiesen ist. Je größer das Leistungsbilanzdefizit, desto stärker müsste eine Wirtschaft schrumpfen, wenn Kapitalzuflüsse von außen ausbleiben. Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat die Türkei eines der höchsten Leistungsbilanzdefizite weltweit.

Die Schwellenländer kämpfen gegen die Symptome der Kapitalflucht an. Die nationalen Notenbanken haben bereits erhebliche Teile ihrer Währungsreserven eingesetzt um den Verfall ihrer eigenen Währungen zu stoppen – weitgehend erfolglos. Eine Möglichkeit den Kapitalabzug zu stoppen besteht in deutlichen Zinserhöhungen. Davor schrecken die Notenbanken aber zurück, weil die aufkeimenden Volkswirtschaften durch hohe Realzinsen massiv ausgebremst würden.

Deutliche Zinserhöhungen auf lange Sicht unmöglich?

In den letzten Monaten wurde viel Kapital nach Europa und in die USA umgeschichtet, obwohl die Realzinsen diesseits und jenseits des Atlantiks nahe null liegen. Die bange Frage, die längst IWF, Weltbank und alle Regierungen beschäftigen dürfte: Was passiert in den Schwellenländern, wenn in Europa und den USA die Zinsen irgendwann stark ansteigen und Realzinssätze von vier, fünf oder mehr Prozent Realität werden? Die Kapitalflucht könnte im schlimmsten Fall das Potenzial für die nächste Weltwirtschaftskrise in sich tragen.

Eine scharfe Rezession in den Emerging Markets würde die deutsche Wirtschaft schwer treffen, weil ein großer Teil der Wirtschaftsleistung und ein noch größerer Teil der Produktion in den deutschen Schlüsselindustrien auf den Export entfällt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Schwellenländer sogar ohne weitere Zinserhöhung in eine Krise rutschen und sich dieser Prozess schon längst nicht mehr aufhalten lässt. Noch im Laufe des vierten Quartals werden handfeste Daten zur Entwicklung in den Schwellenländern vorliegen, die über Marktbewertungen hinausgehen und eine Einschätzung darüber erlauben, wie stark sich der Kapitalabzug in der realen Wirtschaft niederschlägt.

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
18.09.2013

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Schwellenländern, Kapitalflucht, nächste Krise

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Kommentare:
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Friedbert schrieb am 26.09.2013 18:18:03

Das Problem haben Draghi und Bernanke längst erkannt: Nach zehn Jahren Krediten zum Nulltarif kann die Wirtschaft positive Realzinsen offenbar gar nicht mehr vertragen. Es sei immer daran erinnert: Mit jedem tag, den die Nullzinspolitik andauert verliert die reale Wirtschaft ein kleines Stück an Substanz, weil Ressourcen für Unternehmen aufgewandt werden, die bei normalen Zinssätzen nie profitabel wären. Noch weitere zehn Jahre Niedrigzinspolitik und Lebensversicherungen, betriebliche Vorsorge etc. sind nichts mehr wert, selbst wenn es nicht zu einer Währungsreform kommt.




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