Aufgedeckt: Das Märchen von 2 Prozent Inflation





   Empfehlung der Redaktion:









Inflationsrate bildet Preissteigerungen nicht korrekt ab

Aufgedeckt: Das Märchen von 2 Prozent Inflation

Die Inflation ist in Wahrheit deutlich höher als die Politik und ihre Statistiker zugeben. Der amtliche Verbraucherpreisindex gewichtet viele der Preistreiber viel zu gering. Selbst das Statistische Bundesamt behauptet nicht, dass es den unterstellten Warenkorb in der Realität gibt.

Um zu verstehen, warum (nicht: dass) die Inflation viel höher ist als es der amtliche Verbraucherpreisindex anzeigt, ist ein zumindest grob umrissenes Verständnis für die Berechnung der Inflationsrate notwendig. Wichtiger als die Preise für einzelne Güter selbst ist für die Höhe der Inflationsrate die Gewichtung dieser Güter im fiktiven Warenkorb des Bundesamts für Statistik. Nachfolgend einige Auszüge aus dem „Wägungsschema“.

Weniger als 2,5% des Einkommens für Strom

Die Statistiker gehen davon aus, dass ein durchschnittlicher Haushalt weniger als 2,5% seines Einkommens für Strom ausgibt - exakt werden 24,61 Promille angesetzt. Bei einem jährlichen Stromverbrauch in Höhe von 2400 Kilowattstunden betragen die Kosten leicht 50,00 Euro im Monat – der durchschnittliche Strompreis belief sich im Jahr 2012 auf knapp 26 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet, dass bei einem Jahresverbrauch von 2400 Kilowattstunden (das entspricht dem Verbrauch eines Single-Haushaltes) ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von rund 2.000 Euro zur Verfügung stehen muss, damit die Annahme der Statistiker zutrifft. Wer weniger verdient, leitet unter steigenden Strompreisen stärker.

Das mittlere Nettoeinkommen (Einkommens-Median) für einen abhängig Beschäftigten lag im Jahr 2010 bei 1243 Euro monatlich. Das mittlere Einkommen darf nicht mit dem in der Statistik oft angegebenen durchschnittlichen Einkommen verwechselt werden. Werden alle Beschäftigten in eine obere und eine untere Einkommensgruppe eingestuft, findet sich das mittlere Einkommen dort, wo der "Strich" zwischen den beiden Gruppen gezogen wird.

Für die Posten "Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe" setzt die amtliche Statistik einen Anteil in Höhe von knapp 31 Prozent des Einkommens an. Die Kaltmiete (einschließlich des Mietwertes von Eigentumswohnungen) soll sich dabei auf 20,3 Prozent des Einkommens beschränken. Das erscheint selbst in ländlichen Regionen unrealistisch niedrig. In vielen Ballungsgebieten werden 40 oder sogar 50 Prozent des Einkommens für die Miete aufgewendet. Die Mietsteigerungen der letzten Jahre (bei Warm- und Kaltmiete!) schlagen sich deshalb in viel zu geringem Umfang in der Inflationsrate nieder.

3,5% für Benzin und Kraftstoffe

Für "Verpflegungsdienstleistungen in Restaurants, Cafes u.ä." geben die Bundesbürger dem amtlichen Wägungsschema zufolge knapp 2,90 Prozent ihres Einkommens aus. Der amtlichen Statistik zufolge hatte sich auch die Euro-Umstellung nicht signifikant auf die Preise in der Gastronomie ausgewirkt...wer mehr als einmal im Monat außer Haus Mahlzeiten oder Getränke zu sich nimmt, wird als Durchschnittsverdiener mit dem angesetzten Anteil nicht auskommen.

"Knapp kalkuliert" erscheint auch der Anteil des Einkommens, der für den Bereich "Verkehr" angesetzt wird: Rund 13,2 Prozent ihres Einkommens geben die Verbraucher nach Ansicht der Statistiker für ihre Mobilität aus. 3,6 Prozent sollen für Kraft- und Schmierstoffe ausreichen. Mit dem Median-Einkommen des Jahres 2010 ließen sich in diesem Jahr damit monatlich rund 28 Liter Treibstoff tanken.

Der Verbraucherpreisindex setzt die Teuerung zu niedrig an

Die Statistiker ermitteln den Warenkorb auf der Grundlage von Erhebungen zum Verbrauch. Der Preisindex wird als gewichteter Mittelwert der Preisänderungen veröffentlicht. Es spricht viel dafür, dass der Index die Teuerungsrate zu niedrig ansetzt und dass die Entwertung von Einkommen und Vermögen deshalb viel schneller abläuft als offiziell zugegeben wird.

Dazu trägt auch bei, dass die Gewichtung einzelner Ausgabenposten nicht jedes Jahr, sondern nur alle fünf Jahre angepasst wird. Steigen die Kosten für Kaltmiete, Strom und Benzin in einem Jahr stärker als das Einkommen, nehmen sie im Folgejahr auch einen größeren Anteil der Ausgaben in Anspruch. Das wird im Index aber nicht berücksichtigt.

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
07.12.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: 2 Prozent Inflation, Inflationsrate, Preissteigerungen nicht korrekt

Abrufe: 4109

RSS-Feed: RSS-Feed hier abonnierenabonnieren

Twitter: Folgen Sie bankingportal24 auf Twitterbankingportal24 folgen  |  Facebook: 

Kommentare:
Um selbst einen Kommentar zu schreiben klicken Sie hier

Es wurden bisher keine Kommentare abgegeben. Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem redaktionellen Beitrag. Klicken Sie hier




Schreiben Sie einen neuen Kommentar zu diesem redaktionellen Beitrag oder diskutieren Sie über dieses Thema oder andere Finanzthemen im Finanzforum. Tauschen Sie sich dort mit anderen Mitgliedern z.B. über Probleme mit Banken, Anbietern oder bestimmte Produkte aus und diskutieren Sie Ihre Meinung.

Name:
Kommentar:

Wenn Sie per eMail informiert werden möchten, wenn jemand auf Ihren Kommentar antwortet, geben Sie bitte Ihre eMail-Adresse an. Sie erhalten eine Nachricht, sobald ein neuer Kommentar geschrieben wird.

eMail-Adresse:   

Bitte tippen Sie nur die Zahlen in das folgende Feld ein:



Zurück zur Finanz Redaktion


Affiliate Software
Als StartseiteZu den FavoritenAktuelle Seite drucken Über bankingportal24
Newsletter
Hilfe / FAQ
Kontakt
AGB
Impressum