Versicherer unter Druck: Wie sicher ist die Lebensversicherung noch?





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Versicherer unter Druck: Wie sicher ist die Lebensversicherung noch?

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Die Lebensversicherer stehen unter Druck: Das anhaltend niedrige Zinsniveau führt zu sinkenden Portfolioerträgen. Den Assekuranzen fällt es zunehmend schwerer, die vertraglich vereinbarten Garantien einzuhalten. Womöglich drohen in den nächsten Jahren sogar Pleiten.

"Japanische Verhältnisse" sind das Gespenst, das in der Versicherungswirtschaft umgeht. Gemeint ist eine lang anhaltende Phase niedriger Zinsen am Kapitalmarkt. Dieses Szenario ist eingetreten und wird nach derzeitigem Stand der Dinge auch noch einige Zeit anhalten. Die Versicherer können das Geld in ihren Portfolios nur noch zu sehr niedrigen Zinsen anlegen: Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt derzeit 1,50 Prozent im Jahr.

Gleichzeitig müssen die Assekuranzen vertragliche Verpflichtungen erfüllen und ihren Kunden die zugesagte Mindestverzinsung gutschreiben. Selbst der aktuelle Garantiezins von 1,75 Prozent ist gemessen an der Ertragslage viel zu hoch. Noch problematischer sind allerdings Altverträge mit Garantiezinsen bis hin zu 4,00 Prozent (so hoch lag der eigentlich als Höchstrechnungszins bezeichnete Garantiezins in der zweiten Hälfte der 90er Jahre).

Sinkt der Garantiezins 2013?

Ob der Garantiezins zum Jahreswechsel ein weiteres Mal gesenkt wird, ist noch unklar. Der Zinssatz soll laut Versicherungsaufsichtsgesetz nicht mehr als 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite am Anleihemarkt (Staatsanleihen) betragen. Gemeint ist aber nicht die deutsche, sondern die europäische Umlaufrendite. Da die Renditen der Staatsanleihen anderer Euro-Länder um ein Vielfaches höher liegen als die in Deutschland, besteht aufgrund dieses Wertes allein kein Grund zu einer Absenkung, die das Bundesfinanzministerium vornehmen könnte.

Die Portfolios der meisten deutschen Lebensversicherer bestehen aber zum überwiegenden Teil aus deutschen Staatsanleihen. In risikobehaftete Papiere dürfen die Unternehmen nicht bzw. nur in sehr geringem Umfang investieren. Die meisten Euro-Staatsanleihen sind mittlerweile mit einem beträchtlichen Risiko verbunden.

Kann ein Versicherer den zugesagten Garantiezins nicht mehr erwirtschaften, kann er ihn auf Antrag bei der Bafin zeitweise aussetzen. Dann erwirtschaften Kunden keine (garantierten) Erträge mehr und liefern ihr Vertragsguthaben vollkommen ungeschützt der Inflation aus. Beantragt ein Versicherer die Aussetzung, muss er mit einer Kündigungswelle rechnen. Dann ziehen Kunden Mittel ab und zahlen weniger neue Gelder ein.

Bundesregierung sieht keinen Kollaps

Die Bundesregierung rechnet nicht damit, dass bis zum Jahr 2018 deutsche Lebensversicherer allein aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase in größere Schwierigkeiten kommen. Allerdings rechnet Berlin mit zusätzlichen Aufwendungen in einer Größenordnung von gut 60 Mrd. Euro. Diese resultieren aus der gesetzlich vorgeschriebenen Zinszusatzreserve, die die Unternehmen im vergangenen Jahr erstmals bilden mussten.

Diese Pflicht besteht, wenn ein Referenzzinssatz für die Renditen langfristiger Euro-Staatsanleihen unter einen bestimmten Wert fällt. Im letzten Jahr sank der Referenzzinssatz auf 3,92 Prozent und damit unter die Garantieversprechen aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Im letzten Jahr mussten die Versicherer 1,5 Mrd. Euro dafür aufwenden, in diesem Jahr werden es vier bis sechs Mrd. Euro sein.

Fazit: Akut gefährdet sind Lebensversicherungen wahrscheinlich nicht. Auch bei Altverträgen könnte die Gesamtverzinsung in den kommenden Jahren jedoch unter die Inflationsrate sinken.

BankingPortal24.de
21.11.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Lebensversicherung, Kapitallebensversicherung, anhaltend niedriges Zinsniveau, Inflationsrate

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