Niedrigzinsphase: Lebensversicherer hoffen auf Staatshilfe





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Kundenschwund bei der Lebensversicherung

Niedrigzinsphase: Lebensversicherer hoffen auf Staatshilfe

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Die Versicherungsbranche hofft auf staatliche Unterstützung. Weil die Garantieversprechen für Lebensversicherungen in der Niedrigzinsphase stark belasten und die Kunden sich von dem einstigen Erfolgsprodukt abwenden, soll der Gesetzgeber nach dem Willen der Assekuranzen die Lebensversicherung fördern.

In ihrer derzeitigen Verfassung ist die Lebensversicherung kein Verkaufsschlager. Mit einer Garantieverzinsung von 1,75 Prozent und einer Gesamtverzinsung von 3,90 Prozent im Branchendurchschnitt bieten die Verträge nicht mehr als Festgeldanlagen. Gleichzeitig sind die Vertragskosten höher und die Laufzeiten länger. Wer heute eine Lebensversicherung abschließt, kauft die künftigen Nachwirkungen der Niedrigzinsphase zudem gleich mit.

Niedrigzinsphase macht Lebensversicherungen unattraktiv

Den Lebensversicherern sind die Hände gebunden: Da sie keine großen Risiken eingehen können, besteht ihr Kapitalstock im Wesentlichen aus Bundesanleihen. Das Zinsniveau ist seit mittlerweile zehn Jahren niedrig und hat im Zuge der Euro-Krise und dem Run auf sichere Häfen einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Mit den mageren Erträgen müssen die Versicherer zu allem Überfluss auch noch die Garantieverzinsung von Verträgen aus den 1990er Jahren abdecken. Schlagende Verkaufsargumente im Neukundengeschäft gibt es deshalb praktisch keine mehr – die wachsende Sorge vor Inflation, die Kunden von Lebensversicherern besonders hart treffen würde, verschärft die Situation zusätzlich.

Es verwundert kaum, dass die Assekuranzen auf eine simple Idee gekommen sind: Der Staat sollte ihrer Ansicht nach die Lebensversicherung im Rahmen der privaten Altersvorsorge stärker fördern. In einer Umfrage des Leipziger Instituts für Versicherungswissenschaft gaben 93 Prozent der befragten Branchenvertreter an, auf eine stärkere staatliche Förderung der Lebensversicherung zu hoffen, In der Umfrage wurden 23 Anbieter mit einem Marktanteil von 84 Prozent befragt. Als dieselbe Umfrage vor zwei Jahren durchgeführt wurde, äußerten erst 68 Prozent diese Ansicht - die Lage hat sich gemessen daran also verschärft.

Zwangsvorsorge für Selbständige als Geschenk an die Branche?

Wie die staatliche Hilfe aussehen könnte, wurde bereits zum Anfang des Jahres gewahr: In der Koalition gibt es Pläne, rund 2,5 bis 3 Millionen Selbständige in Deutschland zum Abschluss eines Altersvorsorgevertrages zu verpflichten. Der Großteil der Verträge dürfte bei den Versicherungen landen. Das Argument der Politik: Rund jedem zehnten Selbständigen drohe im Alter Armut.

Die Lebensversicherer können sich über mangelnde staatliche Fürsorge eigentlich nicht beschweren. In den letzten zehn Jahren wurde ein Bestand von rund 15 Millionen staatlich alimentierten Riester-Verträgen aufgebaut, von denen ein erheblicher Teil auf Rentenversicherungen der klassischen Art entfällt.

Sparer werden bei vielen Verträgen übervorteilt und erhalten weniger ausbezahlt, als sie eingezahlt haben. Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein, Vorstand des Bundesverbands der Versicherten, kritisierte am Wochenende in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" die bei vielen Unternehmen und Verträgen zu hoch angesetzte statistische Lebenserwartung: "Nur bei wenigen Verträgen kommt am Ende wirklich mehr heraus, als in der Ansparphase hineingeflossen ist – bei einigen müssen die Menschen 100 oder sogar 110 Jahre alt werden, damit es sich lohnt."

Der nächste Vorsorge-Flop schon in Planung?

Anleger sollten die Entwicklung des Modells "Riester-Rente" im Hinterkopf behalten und das nächste staatlich geförderte Vorsorgeprojekt links liegen lassen. Es ist wahrscheinlich, dass Staat und Versicherungswirtschaft schon bald etwas neues auflegen. Es ist besser, auf staatliche Förderung zu verzichten und die eigentliche Ersparnis sinnvoll anzulegen als umgekehrt.

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
25.09.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Lebensversicherungen, Hoffen auf Staatshilfe, Garantierverzinsung

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Kommentare:
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Perryrodan schrieb am 25.09.2012 19:12:38

Das grenzt ja schon an Dreistigkeit. Die Versicherer nehmen erst die Versicherungsnehmer nach Strich und Faden aus und schreien dann nach dem Staat, wenn eine lange Niedrigzinsphase kommt. Gut. Die Versicherungen sind die grössten Gläubiger des Staates, jetz wird der Bogen aber überspannt. Für Missmanagement und dafür, dass man in der Vergangenheit sich zu Lasten seiner Kunden masssiv bereichert hat, soll es nun der Staat richten. Ich habe mehreren Vorständen von Versicherungsgesellschaften Lösungen für ihr Problem angeboten. Was geschah? In überheblicher Form wird man abgelehnt. Man hat Angst, denn, erst wurden die Versicherungen als langfristige Anlage zur Altersversorgun gepriesen und jetzt scheut man sich davor, seinen Kunden reinen Wein einzuschenken und zuzugeben, dass eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung heute kein vernünftiges Anlagemedium mehr ist. Der Versicherungsnehmer wird wieder einmal alleine gelassen, bessere, alternative Anlagen bekommt er nicht, weil er dann aus der Versicherung heraus müsste und hier sind die Vorstände der Versicherungsgesellschaften zu feige, das ihren Kunden zu sagen.Es lebe die freie Marktwirtschaft mit Lug und Trug an seinen Kunden.

Drückerplatte schrieb am 25.09.2012 12:37:18

versicherungskommunismus chinesischer prägung - da fällt einem nix mehr ein! über jahre aufs übelste abzocken, indem man die kundengelder einfach für aktionäre, spekulation, glaspaläste etc. verprasst und dem kunden am ende einen bruchteil des geldes auszahlt und jetzt nach steuergeldern schreiben? verpisst euch einfach nach angelsachsen!




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