Paternalismus bei Rente, Vorsorge und Geldanlage: Das entmündigte Volk





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Paternalismus bei Rente, Vorsorge und Geldanlage: Das entmündigte Volk

Mit dem geplanten Verbot offener Immobilienfonds hat der in der deutschen Politik tief verankerte Paternalismus einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Staat entmündigt die Bürger bei der Altersvorsorge, der Existenzsicherung und beim Vermögensaufbau. Der Vormund hat versagt und will es sich nun nicht eingestehen.

Beispiele für die paternalistischen Umtriebe des deutschen Staates beim Umgang mit seinen Bürgern finden sich – im Hinblick auf alle Fragen rund um Geldanlage, Vorsorge etc. - in großer Zahl. Beispiele: Riester- und Rürup-Rente, Unisex-Tarife, gesetzliche Sozialversicherung, (geplante) Pflichtvorsorge für Selbständige und (geplantes) Verbot offener Immobilienfonds.

Schäuble will offene Immobilienfonds verbieten

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will offene Immobilienfonds (und einige andere Geldanlagen) verbieten. Seiner Ansicht nach stellen diese Investments für Privatanleger ein zu großes Risiko dar. Schäuble will die Gründung neuer Fonds verbieten und argumentiert, damit würden besonders Kleinsparer vor dem Verlust ihres Geldes geschützt.

Noch ist das Verbot nicht beschlossene Sache. Allein der Versuch verdeutlicht aber die Überlegung, die in der Politik vorherrscht: Der gemeine deutsche Sparer ist nicht fähig dazu, die Risiken eines Fondsinvestments einzuschätzen. Dabei bieten offene Immobilienfonds durchaus attraktive Perspektiven, auch wenn die Branche im Zuge der Krise (an der der Staat nach einhelliger Auffassung eine wesentliche Mitschuld trägt) unter Druck geraten ist und einige Fonds sogar abgewickelt wurden.

Würde jedes Investment verboten, dass nicht die höchste am Markt existente Sicherheit bietet, müsste Schäuble seinen Bürgern rasch den Zugang zu spanischen und italienischen (und erst recht griechischen) Anleihen verwehren. Verboten werden müssten auch Aktien, Unternehmensanleihen, Genussrechte und Beteiligungen etc. Was bliebe am Ende noch? Richtig: Sparer dürfen ihr Geld nur noch dem deutschen Staat leihen – und zwar am besten über den Umweg einer deutschen Bank im Staatsbesitz.

Der Bürger soll mit Schein-Besitz zufrieden sein

Dieses Szenario ist weitaus weniger populistisch, als es auf den ersten Blick klingt. Tatsächlich gibt es seit langem Entwicklungen die in genau diese Richtung tendieren. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel dafür ist die Lebensversicherung. Wer einen solchen Vertrag abschließt, zahlt in den Deckungsstock des Versicherers ein. Dieser besteht bei fast allen Versicherungsunternehmen zu 90 Prozent plus X aus (vornehmlich deutschen) Staatsanleihen.
Seit dem Beginn des letzten Jahrzehnts fördert der Staat freigiebig die private Altersvorsorge. Die „Riester-Rente“ ist allerdings erstens kein Renditekracher und zweitens ganz und gar keine Privatveranstaltung. Wer sich auf das gesetzlich festgelegte Vertragskorsett (ohne das es die Förderung nicht gibt) einlässt, bezahlt das mit einem wesentlichen Teil der Besitzrechte an den Vertragsguthaben.

Riester-Verträge werden nur gefördert, wenn der Sparer bis nach dem 60. Lebensjahr keinen Zugriff mehr auf das eingezahlte Geld hat. Und selbst im Rentenalter ist eine Einmalauszahlung nur sehr eingeschränkt möglich: Zu groß ist die Sorge des Staates vor einem plötzlichen Konsumrausch, mit erst die Ersparnisse verpulvert und dann der Sozialhilfeanspruch begründet werden.

Profiteure des Paternalismus: Banken, Versicherungen und Vermittler

Vom deutschen Finanz-Paternalismus profitieren Banken, Versicherungen und Vermittler. Die deutsche Finanz-Symbiose wird an einem neuen Vorhaben von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen deutlich. Die Ministerin will Selbständige per Gesetz verpflichten, privat für das Alter vorzusorgen.

Die fadenscheinige Begründung (dass 10 Prozent der Selbständigen im Alter nicht ausreichend versorgt seien) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Neugeschäft der Lebensversicherer unter der niedrigen Garantieverzinsung und den wachsenden Zweifeln am Nutzen des Produkts leidet. Wenn ab dem kommenden Jahr tatsächlich mehrere Millionen Selbständige monatlich 300 bis 400 Euro in einen oktroyierten Vertrag einzahlen müssen, kann sich die Versicherungswirtschaft auf bessere Zeiten freuen – und der Staat die Defizite der kommenden Jahre problemlos durch Kredite von den Versicherern finanzieren.

Von dem, was eine Krise überlebt, besitzt das Volk nichts

Begriffe wie "Kapitallebensversicherung" und "Kapitalgedeckte Altersvorsorge" täuschen Sparer über den Charakter dieser Produkte hinweg. In Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Verträgen etc. befindet sich in der Regel praktisch gar kein Kapital im eigentlichen Sinne, sondern im Wesentlichen Staatsschulden. Damit wird der gemeine Sparer so weit entfernt von der Quelle des Wohlstands gehalten, wie nur irgendwie möglich.

Der Finanz-Paternalismus macht den "Otto-Normalbürger" zum letzten Glied der Verteilungskette. Letztlich besitzt er nichts als Ansprüche gegen den Staat. In einem positiven Szenario werden diese "lediglich" um die Betriebskosten und Gewinnaufschläge von Banken, Versicherungen und Vermittlern sowie um fällige Steuern geschmälert. In einem negativen Szenario, das einen Staatsbankrott und / oder eine Währungsreform/Hyperinflation mit einschließt, werden diese Ansprüche ersatzlos entwertet.

Große Krisen mit Staatsbankrott und Inflation überleben nur Vermögenswerte mit Sachwertcharakter. Dass Finanzminister Schäuble und Arbeitsministerin von der Leyen in der aktuellen Situation ausgerechnet Immobilienfonds verbieten und Rürup-Verträge zur Pflicht machen wollen, steht sinnbildlich für den eingeschlagenen, falschen Weg.

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
28.08.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Rente, Vorsorge, Geldanlage, Verbot offener Immobilienfonds, Zwänge, entmündigtes Volk, Paternalismus

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Kommentare:
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Martin Hark schrieb am 09.09.2014 09:20:15

Die Art der Altersvorsorge, so wie wir diese derzeit kennen, wird sich in der Zukunft sehr stark verändern. Die Prioritäten werden sich weg vom staatlichen System hin zur privaten Vorsorge verschieben. Die Hauptproblematik liegt hierbei in der demographischen Entwicklung. Aufgrund des in den meisten europäischen Ländern vorherrschenden Umlageverfahren wird es zukünftig nicht mehr möglich sein, dass aktuelle staatliche Alterssystem aufrecht zu erhalten. Mit starken Kürzungen ist hierbei zu rechnen. Die private Altersvorsorge, welche grundsätzlich auf ein kapitalbasierendes System aufbaut, wird immer wichtiger werden. Je nach Risikotyp kann und sollte man unterschiedlich privat für das Alter vorsorgen. So kann je nach Typ kann ein Aktieninvestment, eine Versicherung, Edelmetalle oder bloß ein Sparbuch, dass ideale Vorsorgeprodukt sein. In Wirklichkeit ist nur eines wichtig, nämlich dass man bereits in jungen Zeiten an die Altersvorsorge denkt!

reiner tiroch schrieb am 30.08.2012 19:24:53

das ist ein Saustall hoch 5 und die verlogene politik erzählt uns was von mehr vertrauen in Banken und politik zu setzen. obendrein suggeriert man uns, dass mit dem ESM + EZB noch was zu retten sei. egal was die versager machen, bei den nächsten Wahlen müssen wir sie wieder wie seit jahrzehnten ertragen, weil sie doch wieder gewählt werden.




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