Euro-Schuldenkrise: Die Zeit läuft ab





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Moody´s stuft den Bund, die Länder und den ESM runter

Euro-Schuldenkrise: Die Zeit läuft ab

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Die Euro-Schuldenkrise nimmt wieder Fahrt auf und setzzt auch Deutschland immer stärker unter Druck. Die US-Ratingagentur Moody´s hat den Ausblick für den Bund, einige Bundesländer und den Rettungsschirm EFSF gesenkt.

Die Gemeinschaftswährung kommt am Devisenmarkt unter Druck. Die Renditen spanischer Anleihen erreichen neue Höchststände. Und die deutsche Konjunktur droht einzubrechen.

Nachdem Moody´s am Montag den Ausblick für das Rating des Bundes von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hatte, traf es am Dienstag sechs deutsche Bundesländer. Die Bonitätseinstufung von Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der nächsten Zeit schlechter. Auch der Ausblick für den Euro-Rettungsfonds EFSF wurde herabgesetzt. Einst war die bestmögliche Bonitätseinstufung ein wesentliches Konstruktionsmerkmal des Rettungsschirms. Sollte es langfristig zu einer deutlichen Verschlechterung der Refinanzierungskonditionen der Fazilität kommen, wäre der von der Politik erhoffte Nutzen äußerst fragwürdig.

Was bedeutet die Herabstufung für Deutschland?

Am Anleihemarkt hat die Herabstufung zu einem leichten Anstieg der Renditen deutscher Anleihen geführt. Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe lag am Mittwoch bei 1,30 Prozent und damit weiter auf einem historisch niedrigen Niveau. Für kurzfristige Anleihen zahlt der Bund weiterhin praktisch gar keine Zinsen – jüngst gab es sogar erneut eine Auktion mit negativer Rendite.

Bislang betrachten die Bondmärkte Deutschland als sicheren Hafen. Die Herabstufung durch Moody´s ändert daran schon allein deshalb nichts, weil die Bedeutung der Ratingagenturen im Verlauf der Krise stark abgenommen hat. Dennoch ist der Schritt ein Fingerzeig auf das im Raum stehende Gefahrenpotenzial, das auch die Zahlungsfähigkeit der Bundesrepublik bedrohen könnte: Werden im Zuge der Euro-Rettung immer größere Haftungsrisiken in Kauf genommen, könnte auch Deutschland früher oder später überfordert sein.

Muss der Rettungsschirm bald selbst gerettet werden?

Diese triviale Erkenntnis wirkt angesichts der auf politischer Ebene verfolgten Strategie bedrohlich: Neue Antworten auf die seit langem bekannte Problematik gibt es nicht. Die Politik setzt ihre Hoffnungen auf den ESM bzw. dessen Zulassung durch das Bundesverfassungsgericht.

Der ESM ist aber letztlich nichts anderes als eine Weiterentwicklung des EFSF. Diese ist gerade im Begriff, zu einer der vielen angeschlagenen Instanzen der Schuldenkrise zu werden. Was passiert, wenn die Märkte das Vertrauen in den Rettungsschirm verlieren und dieser auslaufende Anleihen refinanzieren muss? Der Fonds müsste selbst gerettet werden und stellte damit ein zusätzliches Problemfeld statt eines Beitrags zur Lösung dar.
Griechenland mit einem Bein draußen, Spanien dem Kollaps nahe

Brandherde gibt es in der Eurozone genug. Spanien, immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, steht mit dem Rücken zur Wand, Am Montag stiegen die Renditen zehnjähriger iberischer Anleihen auf bis zu 7,60 Prozent. Lange Zeit hatten Ökonomen die Marke von sechs Prozent als kritisch eingestuft. Wann Spanien über die bereits bewilligte 100-Milliarden-Hilfe für den Bankensektor hinaus Geld benötigt, ist nur noch eine Frage der Zeit. Kurz nach der Verabschiedung der Bankenhilfe wurde deutlich, dass die Finanzsituation diverser spanischer Regionen außer Kontrolle geraten ist.

Dass der Austritt Griechenlands aus der Eurozone mittlerweile ganz offen diskutiert und auch von Mitgliedern der Bundesregierung nicht ausgeschlossen wird, scheint an den Märkten indes niemanden zu überraschen. Auch, dass Griechenland die vereinbarten Auflagen in weiten (wesentlichen?) Teilen nicht eingehalten hat, sorgt nicht mehr für Gesprächsstoff. Griechenland scheint die Eurozone bereits mit einem Bein verlassen zu haben. Das Münchner ifo-Institut hat ausgerechnet, dass ein Staatsbankrott Griechenlands Deutschland 82 Mrd. Euro kosten würde, sollte Griechenland zugleich aus der Währungsunion ausscheiden. Ein Bankrott mit gleichzeitigem Verbleib in der Eurozone würde dagegen 89 Mrd. Euro kosten.

Konjunkturschock auf Raten

Die Krise kommt auch in der deutschen Realwirtschaft immer stärker an. Im Juni hatte sich bereits der Arbeitsmarkt überraschend schwach gezeigt, weil die jahreszeitlich übliche Belebung weitgehend ausgeblieben war. Auch andere Indikatoren deuten mehr und mehr darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession schlittert.

Der ifo-Index sank im Juli zum dritten Mal ein Folge: Drei Bewegungen in eine Richtung werden als Signal für Aufschwung bzw. in diesem Fall Rezession interpretiert. Die Stimmung in den Unternehmen verschlechtert sich zusehends. Die aktuelle Geschäftslage in der Industrie wird offenbar deutlich schlechter eingeschätzt, Kapazitäten weniger ausgelastet. Viele Großunternehmen meldeten in der abgelaufenen Quartalsberichtssaison schwache Zahlen.

Bislang erwarten die meisten Volkswirte für das dritte und vierte Quartal ein minimales Wachstum im Bereich von 0,10 Prozent pro Quartal. Für Rückenwind könnte ausgerechnet der Euro sorgen: Die Gemeinschaftswähruing ist in den letzten Wochen am Devisenmarkt unter Druck geraten und notierte am Dienstag zeitweilig unter 1,21 U-Dollar. Das könnte die Exporte stützen.

BankingPortal24.de
25.07.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Moodys, Rating Deutschland, Euro-Schuldenkrise, ESM

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Anna Sommerfeld schrieb am 27.07.2012 09:04:13

Der Euro in der Krise?Das war schon bei der "Planung" Europäische Gemeinschaft vorauszusehen!Es ging nie!!! um eine Gemeinschaft?! unterschiedlicher nationalitäten,oder gar Solidarität.NEIN, NUR!!!um wirtschaftliche Interessen des Kapials und der banken.Was aus den Menschen wird ist denen doch völlig egal.profit,Profit,Profit um JEDEN Preis. Wir steuern auf eine Barberei in der westlichen Welt zu.Alle wissen es,aber keiner vermag es aufzuhalten,weil u.a. sämtliche berichterstattung zum EURO manipuliert ist und NUR!!! Machtinterssen des "Geldadels" im Mittelpunkt steht.Ein 3. Weltkrieg ist "in Sicht" China-USA.Er wurde und wird "angeschoben"durch den EURO noch viel Blut fließen, VIEL Blut.Blut, durch die,ach so "tollen",westliche gesellschaftsordnung erzeugt und GESTEUERT.Denn an Kriegen kann man ja wieder "wunderbar" verdienen.Der Mensch im Mittelpunkt?? lächerlich.In dieser gesellschaftsform geht es NUR!! um Gewinn und Kapital!!! Wir sollten von China lernen und es nicht journalistisch verteufeln.Chinas Gemeinschaftdenken ist die Zukunft, NICHT der anerzogene Individualismaus der Menschen in der westlichen Welt. Der mensch ist und bleibt!! ein soziales Wesen.
Sozialismus oder barbarei- die Menschheit hat die Wahl.Ich hoffe "wir" wählen das Leben!!! A.Sommerfeld

reiner tiroch schrieb am 25.07.2012 15:43:06

es will halt keiner wahrhaben dass der Euro am Ende ist. die sinnlose dauerretterei dient nur den Banken, und krise verschärft sich von Tag zu Tag. statt Farbe zu bekennen, sieht diese verlogene regierung keinerlei gefahr und will mit dem ESM mit unbegrentzen Billionen weiterhin die verursacher auf Kosten der Bürger füttern. die tatsächlichen Gesamtschulden werden geheimgehalten, Banken manipulieren ohne Ende, und Konkursverschleppung ist in.




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