Jugendstudie: Euro-Skepsis ist nachwachsend





   Empfehlung der Redaktion:









Die Jugend traut dem Euro nicht

Jugendstudie: Euro-Skepsis ist nachwachsend

Die Jugend traut dem Euro nicht. Eine Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland glaubt nicht, dass der Euro in Zukunft eine erfolgreiche Währung sein wird. Junge Menschen können sich zudem mehrheitlich eine Zukunft ohne Euro vorstellen.

Die Jugendstudie 2012 des Bundesverbands deutscher Banken ist ein alarmierendes Signal: Deutschlands Nachwuchs hält nicht viel von der Gemeinschaftswährung. Für die Untersuchung wurden 758 junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt. Mit 51 Prozent glaubt nur eine knappe Mehrheit, dass sich der Euro bislang bewährt habe.

45 Prozent antworteten auf die entsprechende Frage mit "Nein". Nur 42 Prozent trauen dem Euro zu, in Zukunft eine erfolgreiche Währung zu sein. 56 Prozent glauben das nicht.

52 Prozent können sich zudem eine Zukunft ohne Euro gut oder sehr gut vorstellen. Die ältesten Teilnehmer der Untersuchung waren bei der Einführung der Währungsunion 1999 gerade einmal zehn Jahre alt, die jüngsten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eingeschult.

Keine europäische Identität

Dass Misstrauen gegenüber der Währungsunion wird flankiert von einer nicht existenten europäischen Identität – jedenfalls bei einer Mehrheit der Befragten. Bei der Frage nach dem Zugehörigkeitsgefühl gaben lediglich acht Prozent der Befragten an, sich als Europäer zu fühlen. 56 Prozent betrachteten sich als "deutsch", 35 Prozent als "beides".

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Interesse an wirtschaftlichen Themen ist unter jungen Leuten stark rückläufig. Im Jahr 2009 gab noch rund ein Drittel der Befragten an, starkes oder sehr starkes Interesse an Wirtschaft zu haben. In diesem Jahr sank dieser Anteil auf ein Fünftel. Dass ein Themenkomplex uninteressanter wird, wenn er in der Medien ständig behandelt wird, vermag zu überraschen. Eine mögliche Ursache könnte eine (auch bei der erwachsenen Bevölkerung feststellbare) dauerhafte Überforderung durch die Thematik sein.

Der Deutsche Lehrerverband reagierte erschreckt auf die Ergebnisse. Verbandspräsident Josef Kraus wird bei "Handelsblatt Online" zitiert: "Die Ergebnisse dieser Studie machen mir nicht zuletzt als Staatsbürger Sorge – zumal in einer Zeit welt- und europaweit angespannter Wirtschaftslagen". Auch der "mündige Wirtschaftsbürger" müsse ein Ziel der Erziehung in Schule, Berufsausbildung, Hochschule und zuhause sein. Auch die Politik sieht der Pädagoge in der Pflicht: Bundespräsident Joachim Gauck habe Recht, wenn er von der Kanzlerin mehr Erklärungen im Hinblick auf die Vorgehensweise in der Euro-Krise fordere.

Mangelhaftes Finanz- und Wirtschaftswissen

Kraus forderte Konsequenzen für den Schulunterricht: "Die allgemeinbildenden Schulen müssen ihren Schülern bis zu deren Schulabschluss wenigstens 200 Unterrichtsstunden wirtschaftliche Grundbildung zukommen lassen". Er kritisierte, dass es in vielen Fächern die Tendenz gebe, zugunsten "vager Kompetenzdefinitionen" auf die Vermittlung konkreten Wissens zu verzichten. Wirtschaftspolitisches Urteilsvermögen setze aber zunächst das Wissen und Fakten und Gesetzmäßigkeiten voraus.

Die Untersuchung des Bankenverbands beschäftigte sich auch mit dem Wissen jungen Menschen rund um Finanzen und Wirtschaft. Auch hier waren die Ergebnisse alarmierend. Nur 30 Prozent der Befragten konnten den Begriff "Rendite" einordnen. Gerade einmal 27 Prozent wussten um die Rolle der EZB bei der Wahrung der Preisstabilität. 60 Prozent gaben an, wenig oder gar nicht über das zu wissen, was an der Börse geschehe. Vor allem die sehr jungen Teilnehmer der Befragung dürften mit einigen Fragen allerdings zwangsläufig überfordert gewesen sein:

Dass ein 14jähriger aus eigenem Wissen und Verständnis und nicht aus reiner, unreflektierter Wiederholung heraus die die Rolle einer Notenbank einschätzen kann, erscheint unrealistisch.

BankingPortal24.de
17.07.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Jugendstudie, Mehrheit der Jugend traut dem Euro nicht

Abrufe: 2386

RSS-Feed: RSS-Feed hier abonnierenabonnieren

Twitter: Folgen Sie bankingportal24 auf Twitterbankingportal24 folgen  |  Facebook: 

Kommentare:
Um selbst einen Kommentar zu schreiben klicken Sie hier

alf schrieb am 20.07.2012 18:49:46

Solange wie die Krise schon andauert wächst langsam eine Generation an, die eigentlich gar keinen anderen Zustand kennt. Wenn ich mal mutmaße dass ein junger Mensch mit ungefähr 12 anfängt, halbwegs zu verstehen worum es sich bei einer Finanz- und Währungskrise handelt, sind die ersten dieser Generation mittlerweile 16 Jahre alt. Und wenn sich nicht sehr rasch etwas ändert, werden die auch mit 18 oder 20 noch in der Krise leben. So könnte langfristig eine Sehnsucht nach stabilem Geld entstehen.




Schreiben Sie einen neuen Kommentar zu diesem redaktionellen Beitrag oder diskutieren Sie über dieses Thema oder andere Finanzthemen im Finanzforum. Tauschen Sie sich dort mit anderen Mitgliedern z.B. über Probleme mit Banken, Anbietern oder bestimmte Produkte aus und diskutieren Sie Ihre Meinung.

Name:
Kommentar:

Wenn Sie per eMail informiert werden möchten, wenn jemand auf Ihren Kommentar antwortet, geben Sie bitte Ihre eMail-Adresse an. Sie erhalten eine Nachricht, sobald ein neuer Kommentar geschrieben wird.

eMail-Adresse:   

Bitte tippen Sie nur die Zahlen in das folgende Feld ein:



Zurück zur Finanz Redaktion


Affiliate Software
Als StartseiteZu den FavoritenAktuelle Seite drucken Über bankingportal24
Newsletter
Hilfe / FAQ
Kontakt
AGB
Impressum