EZB Leitzinssenkung: Sparer werden zur Krisen-Kasse gebeten





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Weniger Zinsen, höhere Inflation

EZB Leitzinssenkung: Sparer werden zur Krisen-Kasse gebeten

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Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins von 1,00 auf 0,75 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit Einführung der Währungsunion im Jahr 1999 gesenkt. Während positive Effekte im Zusammenhang mit der Euro-Krise nicht zu erwarten sind, müssen Sparer sich warm anziehen: Der Trend zur Entschuldung der Staaten und Banken durch negative Realzinsen setzt sich fort.

Dass Leitzinssenkungen eine Volkswirtschaft mit Verschuldungsproblemen nicht wieder in Schwung bringen, ist in Japan, den USA. Großbritannien und der Eurozone offensichtlich. Die beispiellos expansive Geldpolitik der EZB hat denn auch einen faden Beigeschmack: Durch die Inkaufnahme einer höheren Inflation wird die Entwertung des Sparvermögens ohne nennenswerte Vorteile an anderer Stelle vorangetrieben.

Sparer verlieren jedes Jahr Milliarden

Eine Entwertung des Sparvermögens findet überall dort statt, wo negative Realzinsen angewendet werden. Ein negativer Realzins liegt vor, wenn der Zinssatz unter der amtlich gemessenen Inflationsrate liegt. Strenggenommen ist die amtliche Teuerungsrate für jeden einzelnen Sparer der falsche Maßstab. Besser wäre der Vergleich des Zinssatzes mit dem Warenkorb des Anlegers. Das lässt sich in der Praxis aber kaum bewerkstelligen.

Negative Realzinsen sind gut für Schuldner. Sie helfen insbesondere Banken und Staaten. Am Beispiel Deutschlands lässt sich leicht vorrechnen, wie das funktioniert. Das nominale deutsche Bruttoinlandsprodukt erreichte im Jahr 2011 einen Wert von ca. 2625 Mrd. Euro. In diesem Jahr soll es real um 1,0 Prozent zulegen. Das entspräche einem Betrag von 26,25 Mrd. Euro. Bei dieser Zunahme handelt es sich aber um das inflationsbereinigte Wachstum. Da in diesem Jahr von einer Inflationsrate von 2,3 Prozent auszugehen ist, wächst das nominale BIP Deutschlands 2012 auf rund 2712 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg um 87 Mrd. Euro. Die verglichen mit dem realen Wachstum zusätzlichen knapp 61 Mrd. Euro sind ausschließlich auf gestiegene Preise zurückzuführen und damit "heiße Luft".

Das gilt nicht für den Fiskus. Bei einer Staatsquote von rund 50 Prozent führt eine um 60 Mrd. Euro aufgeblasene Wirtschaftsleistung zu Mehreinnahmen in einer rechnerischen Größenordnung von 30 Milliarden Euro für Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung. Diesen staatlichen Mehreinnahmen steht keine höhere Gesamtwertschöpfung gegenüber, so dass der nicht staatliche Teil der Gesellschaft ärmer wird. Das ist die Kehrseite der positiven Meldungen zu großen Überschüssen bei den Kranken- und Rentenversicherung, eine Entspannung der kommunalen Finanzen und das vorzeitige Erreichen der Kriterien der Schuldenbremse!

Wo billiges Geld Schaden anrichtet

Die Politik des billigen Geldes nahm in den USA unter US-Notenbankchef Alan Greenspan ihren Anfang. Billige Geld ist nach Ansicht vieler Fachleute für diverse Verwerfungen in der ganzen Welt verantwortlich. Die drastisch gestiegenen Preise für Rohöl etwa werden häufig mit einem globalen Trend zur Verknappung begründet.

Dieser Trend ist sehr wahrscheinlich nicht allein ursächlich für die Preisentwicklung. Wenn Spekulanten für Kredite nur sehr niedrige Zinsen zahlen müssen, investieren sie vermehrt in Rohstoffe. Die zugrundeliegende Rechnung ist einfach: Mit den Kreditzinsen sinken auch die Anlagezinsen. Diese wiederum sind für Spekulanten die Opportunitätskosten eines Investments in fossile Brennstoffe, Metalle oder Agrarprodukte, weil in diesen Anlageklassen weder Zins noch Dividende erwirtschaftet werden.

Je länger die Politik des billigen Geldes fortgesetzt wird, desto größer sind die aus ihr erwachsenen volkswirtschaftlichen Schäden. Billige Kredite führen dazu, dass sich mit ineffizienten Unternehmungen Geld verdienen lässt. Das wiederum führt zu einer Fehlallokation knapper Ressourcen.

Globalisierung bedeutet: Kein Ausweg für Sparer

Sparer können nichts anderes tun als die Entwicklung hinzunehmen und durch engagiertes Suchen nach passablen Angeboten Schadensbegrenzung zu betreiben. In einer globalisierten Welt gibt es keinen Fluchtweg. In allen verzinslichen Anlagen, die als sicher eingestuft werden können, sind die Erträge mickrig.

BankingPortal24.de
13.07.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: EZB Leitzinssenkung, weniger Zinsen, höhere Inflation, Geldanlage, Sparen

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Kommentare:
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waterloo schrieb am 16.07.2012 21:53:07

Das war zu erwarten – sei es nun als vollständige „Lösung“ der Schuldenproblematik oder als einer von vielen Wegen, das politische Missmanagement zu vertuschen. Der Sparer ist dem Staat und dem Finanzsystem naturgemäß schutzlos ausgeliefert. Zudem ist der Widerstand gegen eine Entschuldung durch Inflation geringer als bei Sparprogrammen oder Steuererhöhungen. Durch eine Entwertung der Sparguthaben um zum Beispiel 30 Prozent binnen fünf Jahren würden sich diverse Probleme verschärfen. Genannt seien das wachsende Risiko der Altersarmut, die wirtschaftliche Unfähigkeit wachsender Teile der Mittelschicht zum Erwerb von Immobilien etc. Mit einer Totalinflation wie in den 1920er Jahren rechne ich allerdings nicht.




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