Finanzagentur des Bundes will keine Privatkunden mehr





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Geringes Interesse

Finanzagentur des Bundes will keine Privatkunden mehr

Die Finanzagentur des Bundes stellt ihr Privatkundengeschäft aufgrund von mangelndem Interesse der Anlegerschaft und wegen zu hoher Kosten ein. Künftig soll der Fokus stärker auf institutionelle Anleger gerichtet werden. Mehrere Bundeswertpapiergattungen werden ganz eingestampft.

In einer Mitteilung auf ihrer Homepage teilte die Finanzagentur des Bundes am Mittwoch mit, dass der Vertrieb von Bundeswertpapieren im Privatkundengeschäft zum Jahresende 2012 eingestellt werden. Das zuständige Finanzministerium begründet den Schritt mit dem "Gebot einer möglichst kostengünstigen Gestaltung der Kreditaufnahme des Bundes", verweist aber ebenfalls auf die "aktuellen Rahmenbedingungen".

Privatanleger können über Schuldbuchkonten bei der Finanzagentur die meisten Bundeswertpapiere kostenlos erwerben, darunter z. B. Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und die erst 2008 neu eingeführte Tagesanleihe. Derzeit werden rund 335.000 Schuldbuchkonten geführt, in denen sich Bundeswertpapiere im Wert von 8-9 Mrd. Euro befinden. Und genau hier liegt das Problem: Zuletzt machte der über das Privatkundengeschäft der Finanzagentur akquirierte Anteil am Refinanzierungsbedarf des Bundes weniger als zwei Prozent aus.

Bestandsschutz für bestehende Konten

Vor diesem Hintergrund erschien der Betrieb des Privatkundengeschäfts dem Finanzministerium zu teuer. Medienberichten zufolge wurde zunächst geprüft, ob durch eine Ausweitung des Geschäfts ein profitabler Geschäftsbetrieb erreicht werden könnte. Derartige Pläne, in denen offenbar auch Sparpläne für Privatanleger eine Rolle spielten, wurden aber wieder verworfen.

Nach dem Jahreswechsel können keine neuen Schuldbuchkonten mehr eröffnet werden. Für bestehende Schuldbuchkonten gilt Bestandsschutz. Sie werden solange weitergeführt, bis alle gebuchten Bundeswertpapiere fällig sind. Die Übertragung börsennotierter Wertpapiere soll für neu emittierte Papiere nicht mehr möglich sein. Die Finanzagentur verweist darauf, dass Privatanleger Bundesschatzanweisungen, Bundesobligationen und Bundesanleihen künftig über Banken erwerben können.

Zudem werden die reinen Privatkundenprodukte abgeschafft. Damit sind Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und die Tagesanleihe gemeint. Die Tagesanleihe wurde im Jahr 2008 aufgelegt und sollte ein Substitut zu Tagesgeldkonten bei Banken darstellen. Dass dieses Ziel weit verfehlt wurde, ist auch auf die marktbedingt niedrigen Zinsen für Bundeswertpapiere zurückzuführen.

Ausstieg in der Talsohle?

Die Tagesanleihe bietet derzeit eine Verzinsung von 0,18 Prozent und damit nicht einmal ein Zehntel von dem, was mit Tagesgeld bei deutschen Banken möglich ist. Es handelt sich um ein unbefristetes Papier. Die Verzinsung wird tagesaktuell aus einem Referenzzinssatz abgeleitet und die Zinsen dem Kurs täglich zugeschlagen. Kursschwankungen gibt es nicht. Einmal pro Jahr werden die angelaufenen Zinsen im Zuge der steuerlichen Zinsausschüttung in Nennwert umgewandelt.

Ähnlich schwach sind die Konditionen für Bundesschatzbriefe. Für den Schatzbrief vom Typ B mit sieben Jahren Laufzeit und Thesaurierung der Erträge weist die Finanzagentur eine durchschnittliche jährliche Rendite von gerade einmal 0,69 Prozent aus. Festzinsanlagen bieten bei vergleichbaren Laufzeiten ein Vielfaches. Die Renditen der endfälligen Finanzierungsschätze sind auf ihre eigene Art und Weise spektakulär: Wer heute 9.999,99 Euro anlegt, erhält in einem Jahr 10.000 Euro zurück. Das Bundesfinanzministerium wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob die Bewertung des Privatkundengeschäfts nicht zu einem falschen Zeitpunkt stattgefunden hat.

BankingPortal24.de
10.07.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Bundesschatzbriefe, Finanzagentur des Bundes, keine Privatkunden mehr

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Kommentare:
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Goldmarie schrieb am 05.08.2012 20:15:21

Ganz klar einer der Punkte(Finanzkrise 2008), den Bürgern(wir Grosskapitalisten) Kosten (zw. 25 und 200 Euro pro Jahr) aufs Auge zu drücken.
Die Gebühren fließen dann an die Banken, können wieder an der Börse alles verspekulieren und dann wieder nach dem Steuerzahler schreien.
Die Erfindung des funktionierenden Perpetuum Mobile?
Hoffentlich sinken dann wenigstens die Steuern entsprechend.

geldgeber schrieb am 11.07.2012 17:20:21

Bundesschatzbriefe etc. waren zuletzt aufgrund der unterirdischen Verzinsung vollkommen uninteressant. Dennoch finde ich es zweifelhaft, dass die Produkte für Privatkunden ganz eingestellt wurden. Aus Kostengründen den Betrieb aufgeben ist ja meinetwegen nachvollziehbar. Aber warum begibt man nicht weiterhin Produkte für Privatkunden und lässt diese über Banken zeichnen? Die Finanzagentur könnte auch ein Agreement mit Banken zu den Orderkosten treffen und eine bestimmte Gebühr pro Transaktion zahlen. Je nach Kostensituation ließen sich dann die Sparziele und der kostenlose Handel für Privatkunden vielleicht beibehalten?? Wenn die Zinsen in der Zukunft mal wieder attraktiv sind: Warum kann man Schatzbriefe zumindest in überschaubarem Volumen dann nicht bei der Post oder im Supermarkt kaufen? So riecht alles nach einem getarnten Geschenk an die Banken.




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