Krise: Verlässt Spanien den Euro vor Griechenland?





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Multiple Krisensymptome in Spanien

Krise: Verlässt Spanien den Euro vor Griechenland?

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Das wäre ein echter Hammer: Wenn es ganz dick kommt, steigt Spanien noch vor Griechenland aus der Eurozone aus.

Die Probleme Spaniens sind nicht so viel kleiner als die Griechenlands, auch wenn lange anderes behauptet wurde. Ein All-Inklusive-Rettungspaket für die Iberer wäre aufgrund seines großen Volumens aber hochgradig riskant, weil die ganze Eurozone kollabieren könnte.

Mögliche Lösung: Der Soffin rettet deutsche Banken vor Spaniens Bankrott und Spanien tritt aus der Eurozone aus.

Lange Zeit hieß es, die Situation in Spanien können nicht mit der in Griechenland verglichen werden. Spanien habe eine viel robustere und wettbewerbsfähige Wirtschaft und sei längst nicht so hoch verschuldet wie Hellas, lautete unsisono das Urteil von Volkswirten, Analysten und Politikern.

Wie groß sind die Probleme Spaniens?

In den letzten sechs Monaten verdichten sich die Hinweise darauf, dass Spanien es ebenso wie Griechenland nicht mit einem (wie auch immer) beherrschbaren Konjunktureinbruch, sondern mit schwerwiegenden strukturellen Problemen zu tun hat. Die einstige Prosperität auf der iberischen Halbinsel ist Tristesse gewichen. Die Arbeitslosenquote liegt im Bereich von 25 Prozent. Das Haushaltsdefizit erreichte nach mehrfachen Korrekturen nach oben (Da war doch was?) im letzten Jahr 8,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Lange Zeit lag der Gesamtschuldenstand Spaniens im internationalen Vergleich niedrig. Schon dieses Jahr wird er 80 Prozent des BIP erreichen, in spätestens zwei bis drei Jahren 100 Prozent.

Industrieproduktion geht um 8,2 Prozent zurück

Das liegt auch daran, dass sich die Wirtschaft in einer hartnäckigen Rezession befindet, die kein Ende zu nehmen scheint. Wie am Mittwoch aus Madrid verlautete, ist die spanische Industrieproduktion im April um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat geschrumpft. Bereits im März war sie um 7,5 Prozent zurückgegangen. Die geschmälerten Budgets bei Haushalten und Unternehmen sowie die wachsende Unsicherheit führten vor allem bei Investitionsgütern und langlebigen Konsumgütern zu massiven Rückgängen.

Der größte Brandherd ist derzeit das spanische Finanzsystem. Mehrere Banken mussten bereits verstaatlicht werden. Zunächst hieß es aus Madrid, der Finanzsektor könnte mit 15 Mrd. Euro stabilisiert werden. Die Zahl stieg im Wochentakt. Der Internationale Bankenverband schätzt den Vorsorgebdarf spanischer Banken mittlerweile auf 260 Mrd. Euro.

Der Bankensektor leidet wie das ganze Land unter der geplatzten Immobilienblase. Das spanische Modell basierte zu ganz wesentlichen Teilen auf der Blase am Immobilienmarkt.

Die Immobilienblase hat kaum reversible Schäden angerichtet

Diese brachte Geld ins Land und schuf Arbeitsplätze, wodurch der Konsum wuchs. Wie hoch die Rechnung für diese einseitige Struktur am Ende sein wird, lässt sich nicht seriös berechnen, weil durch die Blase zahlreiche strukturelle und kaum lösbare Probleme entstanden sind. Beispiel I: Viele junge Spanier verließen in der Vergangeheit die Schule ohne Abschluss und arbeiteten stattdessen auf einer der vielen Baustellen. Beispiel II: Der Konsumhunger der spanischen Bevölkerung wurde vorwiegend durch Importe aus dem Ausland gestillt, die mit dem über den Immobilienmarkt ins Land geflossenen Geld bezahlt wurden.

350 Mrd. Euro bis 2014: Spanien ist zu groß für eine Rettung

Die Probleme deshalb nicht wesentlich kleiner als in Griechenland. Eine Rettung des Landes nach dem griechisch-portugiesisch-irischen Muster kommt allein aufgrund der Dimensionen der spanischen Wirtschaft kaum in Betracht. Die US-Investmentbank JP Morgan hat in einer Studie den Finanzbedarf Spaniens untersucht. Allein bis zum Jahr 2014 würde das Land demnach 350 Mrd. Euro benötigen. Wie das Beispiel Griechenland gezeigt hat, ist der Finanzbedarf zwei Jahre nach dem Beginn einer Rettungsaktion eher größer als kleiner.

Die Hilfspakete für Griechenland dienten zu einem großen Teil dem Ziel, Zeit zu gewinnen. Die Politik wollte einen Kollaps des Finanzssektors und damit ein zweites Lehman verhindern und zerlegte den Abschreibungsbedarf der Institute in viele kleinere, "bekömmlichere" Teile. Dass diese Strategie auch in Spanien aufgeht, ist unwahrscheinlich.

Der spanische Staat wird sehr rasch sehr große Summen benötigen. Erstens ist das laufende Haushaltsdefizit sehr groß. Es muss wahrscheinlich noch länger mit Nettoneuverschuldung finanziert werden, weil die Rezession die Sparbemühungen konterkariert. Zweitens müssen bestehende Anleihen bei Fälligkeit umgeschuldet werden. Und drittens könnte schon in den nächsten Wochen ein großer Milliarden-Betrag für die (erste) Sanierung des Finanzsektors erforderlich werden.

Nationale Bankenrettung und Spexit als Lösung?

Dass die bestehenden Rettungsmechanismen die Dimensionen Spaniens verkraften könnten, ist nicht sicher. Zugeben wird die Politik das nicht. Stattdessen ziert sich Spanien mit dem Antrag auf Hilfen und gibt vor, seine nationale Souveränität bewahren zu wollen. Da die Zeit drängt, müsste - sofern keine andere wie auch immer geartete Lösung gefunden wird – schnell gehandelt werden.

Denkbar ist ein dezentraler Rettungsschirm der Staaten, die in Spanien involviert sind in Kombination mit einem Austritt des Landes aus der Währungsunion. Nach dem Austritt würde die neue spanische Währung drastisch abwerten. Die in Euro notierten Schulden könnten dann nur noch zu einem Teil bedient werden. Den erforderlichen Abschreibungsbedarf der Banken könnten die einzelnen Staaten in Eigenregie auffangen. Deutsche Banken sind in Spanien mit ca. 112 Mrd. Euro investiert. Ein Schuldenschnitt im Bereich von 75 Prozent könnte über den Bankenrettungsfonds Soffin ausgeglichen werden. Die Kosten wären beträchtlich, anders als bei einer All-Inklusive-Rettung wären sie aber auch begrenzt.

Ein solches Vorgehen würde selbstverständlich das Risiko des viel beschworenen Dominoeffekts bergen. Die Frage der nächsten Wochen könnte lauten, ob dies bei einer Rettung nach dem bisherigen Muster anders wäre. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken oder Ende?

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
07.06.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Spanien, Bankenkrise, Eurokrise

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Kommentare:
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dm-nostalgiker schrieb am 27.06.2012 19:14:51

Irgendwie scheint sich abzuzeichnen dass Deutschland als erstes aus dem Euro austritt. Auf politischer Ebene gibt es doch eigentlich nur noch eine Forderung: Die, dass Deutschland und Kerneuropa für 8-9 Billionen Euro Schulden haftet. Wird diese Forderung nicht oder nur „halbherzig“ (ESM) umgesetzt, zerbricht der Euro zwangsläufig, weil die Volkswirtschaften der Eurozone zu unterschiedlich sind und die europäische Integration an der Basis längst nicht so weit fortgeschritten ist wie es sich Brüssel wünscht. Wird die Forderung nach einer Totalhaftung durch Deutschland erfüllt, zerbricht der Euro auch (und sogar noch schneller), weil Deutschland nicht für das drei- bis vierfache seiner jährlichen Wirtschaftsleistung haften kann.

dtw21212 schrieb am 21.06.2012 16:44:25

Quatsch, niemand verlässt die Eurozone. Das ist nicht gewollt und alternativlos :-)

Jeder wird gerettet bis nichts mehr zum Retten da ist.

wasgehthierab schrieb am 08.06.2012 23:44:55

wo bleibt eigentlich das ganze Geld? Wer hat bei wem Schulden??

Hans schrieb am 08.06.2012 14:30:51

Den wirtschaftlich schwachen Länder innerhalb der Euroländer sukressive die Hilfe streichen:
Wetten, daß die von selber wieder auf die Beine kommen?
Aber das ist ja nicht im Interesse der deutschen Industrie, die wollen ja schließlich auf Kosten des Deutschen Steuerzahlers exportieren!

Stadler schrieb am 08.06.2012 10:48:44

Völlig klar, dass in Spanien eine Überkapazität an Immobilien geschaffen wurde. Wo sollen die vielen Urlauber her kommen ?
Vor 5 Jahren waren wir den Spaniern um die Konjunktur neidisch. Ich wusste dass diese Blase kommt.
Wir haben weltweit Anlagenot. Nur eine technische Revolution könnte das Geld aufsaugen und rentabel wieder ausspucken, statt Scheinrenditen zu erwirtschaften, die keiner bezahlt am Ende.
Einzig die Schwellenländer die Wachstum aufweisen, aber auch dort expoldieren Immobilienpreise in irrationale Höhen.




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