Banken stellen den Kredit: Wird Social Lending zur reinen Kreditvermittlung?





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Banken stellen den Kredit: Wird Social Lending zur reinen Kreditvermittlung?

Der deutsche Social Lending Marktführer Smava vermittelt Kredite neuerdings nicht mehr nur zwischen Privatpersonen. Auch Banken können auf Kreditgesuche bieten – Smava betreibt damit ein klassisches Vermittlungsgeschäft. Anlegern könnten so zusätzliche Laufzeiten und günstigere Konditionen geboten werden, heißt es. Kritiker sehen in der Kehrtwende Verrat an der Idee des Peer2Peer-Konzepts.

Die Idee von Peer2Peer-Plattformen hat in den vergangenen Jahren viele Phantasien beflügelt. Verbraucher leihen ihr Geld anderen Verbrauchern und Kleinunternehmen und erhalten dafür Zinsen. Durch den Wegfall der Gewinnmarge der Bank könnten - so die Theorie – Anleger höhere Zinsen erhalten als bei Festzinsanlagen und Kreditnehmer gleichzeitig zu günstigeren Konditionen finanzieren.

Kehrtwende im Konzept trotz guter Presse

Wer bei der seit 2007 in Deutschland aktiven Kreditplattform Smava ein Kreditgesuch einstellt, erhält seit kurzem nicht mehr nur Angebote von Privatpersonen. Auch Banken – bislang vier an der Zahl – bieten jetzt mit. Damit agiert Smava als klassischer Kreditvermittler, auch wenn das Prozedere rund um den Kreditantrag weiter als Marktplatz inszeniert wird.

Ein Grund für die Kehrtwende im Konzept könnte das nach anfänglichen Erfolgen zu langsame Wachstum des Peer2Peer-Segments sein. Die Summe der über Smava seit dem Markteintritt ausgereichten Kredite lag zuletzt bei 60 Millionen Euro. Das entspricht einem Marktanteil von 0,06 % - Peer2Peer-Kredite sind eine Randerscheinung geblieben.

An schlechter Publicity und Vorurteilen gegenüber Privatkrediten aus dem Internet lag es nicht. Eine Studie des renommierten Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kam zu dem Schluss, dass u.a. Selbständige und Senioren von dem Modell des Social Lending profitieren könnten. Zahlreiche Vergleichsportale im Internet haben Smava in ihr Angebot integriert, große Tageszeitungen und Rundfunkanstalten darüber berichtet. Auch die Stiftung Warentest äußerte sich positiv zu Smava.

Social Lending enttäuscht mit lahmem Wachstum

Einen möglichen Grund für das lahme Wachstum nennt Smava bei der Begründung für die Kooperation mit Banken selbst. Über die Plattform waren bislang nur Kredite mit 36 oder 60 Monaten Laufzeit erhältlich. Wer bei Banken nach einem Kredit sucht, kann zwischen 12 und 84 Monaten wählen, Kreditvermittler ermöglichen sogar 6 bis 120 Monate Laufzeit.

Wer in einem umkämpften Markt nicht mit großer Auswahl punkten kann, kann dieses Manko über den Preis ausgleichen. Das ist Smava aber offenbar nicht gelungen. Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass Kreditwünsche über die Plattform zu günstigeren Konditionen realisiert worden sind als es bei Banken möglich gewesen wäre.

Das niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten ist nur auf den ersten Blick ein Rechtfertigungsgrund. Zwar können Banken Kredite derzeit zu besonders günstigen Konditionen anbieten, weil auch die Refinanzierung günstig ist. Das gilt aber auch für Smava, weil Anleger ihre Zinsansprüche abhängig vom Zinsniveau im Einlagengeschäft machen (sollten).

Dass der Marktführer das Peer2Peer-Konzept in weiten Teilen aufgibt, ist ein schwerer Schlag für das lange Zeit hoffnungsvoll gefeierte Konzept. Smava muss sich Fragen gefallen lassen. Eine davon betrifft sicherlich den Mangel an Laufzeiten. Warum ist es nicht gelungen, auch kürzere und längere Laufzeiten anzubieten? Auch die Konditionen müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Beim bisherigen Konzept zahlten Kreditnehmer nach der erfolgreichen Auszahlung eine Gebühr an Smava. Dieses Kostenmodell wirkt sich für Kreditnehmer negativ aus, wenn der Kredit vorzeitig zurückbezahlt wird.

Verlangen Anleger zu viel Geld?

Eine mögliche(!) Ursache für die enttäuschende Entwicklung könnte sein, dass Angebot und Nachfrage auf Kreditmarktplätzen nicht so gut zueinander passen wie erhofft. Wer Geld bei Smava anlegt um eine hohe Rendite zu erhalten, verlangt womöglich einen zu hohen Zinssatz. Das könnte daran liegen, dass Nutzer eines innovativen Konzepts über einen hohen Informationsstand verfügen – und den Zinssatz auf der Plattform nicht mit einem durchschnittlichen, sondern mit dem besten erhältlichen Zinssatz für Festgeldanlagen vergleichen. Da bei Smava größere Risiken bestehen als bei einer Bank, wird auf diesen höchsten Zinssatz noch ein Aufschlag verlangt. Zusammen mit der Vermittlungsgebühr für Smava wird dann selbst bei Kreditanfragen mit bester Bonität kein günstiger Zinssatz mehr erreicht.

Dass die Integration von Banken in das Marktplatz-Konzept zu einem Preiskampf zwischen den Kreditinstituten und Privatanlegern führt, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Banken regelmäßig die günstigeren Konditionen anbieten und den Zuschlag erhalten. Denn auch in einem anderen Punkt konnte Smava bislang nicht restlos überzeugen: Der Zugang zu Krediten war über die Plattform nicht unbedingt einfacher als bei einer Bank. Einkommen und SCHUFA wurden ebenso streng geprüft.

Möglicherweise leitet die Entscheidung von Smava das Ende des Social Lendings in seiner bisherigen Form ein.

BankingPortal24.de
11.05.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Social Lending, Peer2Peer Kredite, smava, Kreditvermittlung

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Kommentare:
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hans observer schrieb am 16.05.2012 17:11:08

Es wäre ausgesprochen schade, wenn Social Lending ein Ende als Kreditvermittler nimmt. Ich denke die Plattformen müssen flexibler werden und Anlegern sowie Kreditnehmern mehr Laufzeiten anbieten. Bislang überzeugte das Konzept vorwiegend durch die Innovation an sich und weniger durch handfeste Vorteile. Daran ist es wahrscheinlich auch (vorerst) gescheitert. Und solange eine gewisse kritische Masse an laufenden Krediten in jeder einzelnen Bonitätskategorie nicht erreicht ist, bleibt das Sicherheitskonzept der Poolbildung anfällig. Aber vielleicht ist es ja wie mit so vielen Dingen im Internet: Viele Jahre nach der Geburt der Idee ist der zunächst fehlende/zu kleine Markt dann doch da.




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