Euro-Krise und kein Ende: Kommt nach Portugal auch Spanien?





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Der deutsche Steuerzahler trägt immer größere Risiken

Euro-Krise und kein Ende: Kommt nach Portugal auch Spanien?

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Die Euro-Krise nimmt kein Ende. Mit Portugal benötigt bereits das dritte Euro-Mitgliedsland Hilfe von der Gemeinschaft. Rund 90 Mrd. Euro werden nach Lissabon fließen. Die bange Frage: Fällt nach Portugal mit Spanien der nächste und weitaus größere Domino-Stein?

Welche Dimensionen die Portugal-Hilfe annimmt, wird erst beim Blick hinter die Zahlen ersichtlich. 90 Mrd. Euro entspricht mehr als 50 Prozent der jährlichen portugiesischen Wirtschaftsleistung. Gemessen an deutschen Verhältnissen geht es damit um ca. 1400 Mrd. Euro.

Ähnliche Größenordnungen erreichte die Rettungsaktion für Griechenland im vergangenen Jahr. Das von EU und IWF geschnürte Paket erreichte ein Volumen von 110 Mrd. Euro, was ebenfalls rund 50 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung entspricht. Irland war vergleichsweise bescheiden und benötigte mit 85 Mrd. Euro gerade einmal 30 Prozent des BIP zur Abwendung des Staatsbankrotts.

Der deutsche Steuerzahler ist bislang mit 22,4 Mrd. Euro in Griechenland und 6,1 Mrd. Euro in Irland investiert. Etwa 19 Mrd. Euro in Form von Krediten, Bürgschaften oder Garantien werden für die Portugal-Rettung aus Deutschland kommen. Diese Summe ergibt sich aus der Annahme, dass der IWF wie auch bei Griechenland und Irland für 25 Prozent des Volumens einsteht und der Rest auf die Euro-Staaten entfällt.

Von diesem Rest trägt Deutschland vermutlich 28 Prozent, was der Beteiligung der Bundesbank am Grundkapital der EZB entspricht. In der Summe haftet der deutsche Steuerzahler damit bereits jetzt für fast 50 Mrd. Euro. Sollte es dabei bleiben, wäre das schon beinahe ein Glücksfall. Da die Politik die Euro-Krise nicht unter Kontrolle bekommt, könnte schon bald Spanien Hilfe benötigen. Dann gäbe es kein Halten mehr.

Spanien dementiert selbstredend jegliche Überlegung im Hinblick auf die Inanspruchnahme des Rettungsschirms. Derlei Diskussionen werden in Madrid als "absurd" bezeichnet. Diese Dementi-Politik ist von drei anderen Staaten hinlänglich bekannt. Erst Griechenland, dann Irland und nun Portugal verfuhren genauso.

Spanien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 1 Billion Euro ein anderes Kaliber als die bisherigen Rettungsschirm-Nutzer. Sollten die Kapitalmärkte Spanien das Vertrauen entziehen, wüchse der der von der Gemeinschaft aufzubringende Kapitalbedarf nicht nur schlagartig um bis zu 600 Mrd. Euro an. Die Last müsste zusätzlich auf weniger Schultern aufgeteilt werden, weil Spanien bislang als Geber an den Rettungsaktionen beteiligt ist.

Deutschland müsste bei einer Rettungsaktion für Spanien sicherlich 40 Prozent des Volumens tragen. Zusammen mit den bereits existierenden Hilfen stünde der deutsche Steuerzahler dann mit 250 Mrd. Euro oder auch 10 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung für die Schulden anderer Länder ein. Zur Erinnerung: Die Bundesrepublik hatte zum 31.12. des vergangenen Jahres per Saldo Verbindlichkeiten im Umfang von 2 Billionen Euro.

Experten halten eine Rettung Spaniens dennoch für möglich. Sie würde aber den Rahmen des Machbaren ausschöpfen und keinen Platz für weitere Hilfen lassen. Wenn aber Spanien fällt, ist auch Italien (die nächstgrößere Volkswirtschaft) nicht weit. Italien hat fast 1800 Mrd. Euro Schulden. Die müsste Deutschland dann praktisch allein tragen, weil nach Spanien auch Italien selbst im Fall einer eigenen Insolvenz nicht mehr zu den Geberländern zählen könnte.

Fazit: Wo und wann die Euro-Krise endet, ist noch nicht absehbar. Glaubwürdig sind die Aussagen der Politiker jedenfalls schon lange nicht mehr. Endet der Domino-Effekt nicht sehr bald, könnte der Traum vom "blauen Auge", mit dem Deutschland die Krise gemeistert hat, vorbei sein.

BankingPortal24.de
08.04.2011

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Euro-Krise, Portugal, Hilfe der Gemeinschaft, deutsche Steuerzahler

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Kommentare:
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dominik schrieb am 13.04.2011 14:12:45

Ob Spanien den Schirm nutzen wird, weiß doch gegenwärtig niemand. Dass Spanien sagt sie sind nicht mit Griechenland und Co. vergleichbar ist schon klar, dass kennen wir ja schon. Die Reaktionen der Märkte sind doch kaum vorherzusehen. Zwar sinken die Risikoaufschläge für Spanien seit einiger Zeit, was für eine Stabilisierung spricht. Es muss aber nur ein Ereignis oder eine Entwicklung dazukommen, damit wieder Panik ausbricht und Spanien das nächste Land ist. Und wer kommt dann? Italien, Belgien…Deutschland hat auch 2100 Mrd. Euro Schulden…retten wir uns doch alle gegenseitig..




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