Banken liefern Gold  nicht aus: Wie sicher sind Edelmetall-Investments wirklich?





   Empfehlung der Redaktion:









Bestände werden ohne Wissen des Kunden verliehen

Banken liefern Gold nicht aus: Wie sicher sind Edelmetall-Investments wirklich?

Edelmetalle und allen voran Gold gelten als besonders krisensicher. Das könnte sich als großer Irrtum entpuppen, weil Banken ihren Kunden gelagertes Gold nicht ausliefern können. Das liegt daran, dass im Kundenbesitz befindliche Bestände verliehen und überzeichnet werden. Welches Risiko Anleger tragen, hängt auch vom Kleingedruckten ab.

Immer mehr Banken bieten Privatkunden die Lagerung von physischem Gold und anderen Edelmetallen an. Das Geschäft boomt, weil die Angst vor Inflation und Währungsreform die Investoren in einen vermeintlich sicheren Hafen treibt. Vermeintlich deshalb, weil im Zweifel oft gar kein Anspruch auf physische Lieferung besteht oder dieser wertlos ist.

Bei den meisten Angeboten zur physischen Lagerung von Edelmetallen handelt es sich um die so genannte Sammelverwahrung. Anleger haben dabei Anspruch auf die Lieferung einer bestimmten Menge des eingelagerten Edelmetalles. Banken begnügen sich aber in der Regel nicht mit den Gebühren, die für die Verwahrung anfallen.




Stattdessen versuchen sie, mit dem Gold in ihren Tresoren weitere Geschäfte zu machen. Eine Möglichkeit besteht darin, das Gold - zum Beispiel an andere Finanzmarktteilnehmer – zu verleihen. Zudem können die Kreditinstitute eine bestimmte Menge eines Edelmetalls mehrfach als „physisch gelagert“ verkaufen. So können zum Beispiel 5 Kunden jeweils ein Kilogramm Gold physisch lagern, obwohl in Wahrheit nur 1 Kilogramm im Tresor liegt. Die restlichen Ansprüche werden nicht physisch gedeckt.

Fordert ein Kunde dann sein Gold an, reichen die Vorräte im Ernstfall nicht aus. Im Kleingedruckten vieler Verträge zur Sammelverwahrung findet sich ein Hinweis darauf, dass die Bank bei Bedarf auch Geld statt Edelmetalle auszahlen kann. Besonders bei der Anforderung größerer Bestände kam es zuletzt mehrfach zu erheblichen Verzögerungen.

Die Sammelverwahrung birgt ein weiteres Problem: Wenn die vermeintlich gelagerten Stücke gar nicht existieren, verlieren Anleger im Insolvenzfall möglicherweise ihren Anspruch. Gold und andere Edelmetalle sind durch keine Einlagensicherung geschützt.

Eine Alternative zur Sammelverwahrung ist die Einzelverwahrung, die auch als Streifbandverwahrung bezeichnet wird. Dabei werden die vom Kunden eingelagerten Münzen und Barren (z.B. anhand der Seriennummer) eindeutig gekennzeichnet und verwahrt. Es besteht dann Anspruch auf die Aushändigung bestimmte Stücke und nicht auf eine bestimmte Menge. Die Einzelverwahrung bietet mehr Sicherheit, ist jedoch auch deutlich teurer.

Absolut sicher können sich Anleger aber auch bei der Streifbandverwahrung nicht sein. Schließlich müssen sie sich darauf verlassen, dass die Stücke auch tatsächlich pflichtgemäß eingelagert werden. Ist dies nicht der Fall, besteht bei einer Insolvenz der Bank zwar grundsätzlich ein Anspruch. Ob sich dieser durchsetzen lässt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Dass Banken pflichtwidrig eingelagerte Vermögensgegenstände nicht herausgeben können, ist kein Extremszenario. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken deckt unter bestimmten Umständen auch Forderungen aus Wertpapiergeschäften. Auf der Homepage der EdB ist jedenfalls zu lesen: "Eine Entschädigung aus einem Wertpapiergeschäft kommt insbesondere dann in Betracht, wenn das Institut pflichtwidrig nicht im Stande ist, im Eigentum des Kunden befindliche und für ihn verwahrte Wertpapiere zurückzugeben."

Für Edelmetalle gilt dieser Schutz nicht. Er greift ohnehin nur für Forderungen bis zu 20.000 Euro und deckt diese zu 90 Prozent ab. Anleger sollten sich deshalb überlegen, ob sie ihre Edelmetalle einer Bank anvertrauen oder ob die Lagerung zuhause nicht die bessere Alternative ist.


BankingPortal24.de
24.12.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: gold, banken, edelmetalle, lagerung

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hamster schrieb am 04.01.2011 01:13:42

Mal im Ernst, wo kann man sein Gold sicher verstecken? Ich habe schon überlegt ob ich es im Wald vergrabe. Bei mir zuhause können es Einbrecher oder der Staat stehlen, bei der Bank stiehlt es die Bank selbst. Ich bin leider technisch eher unbegabt. Ich kann ja nun schlecht einen Handwerker fragen ob er es mir in die Wand einmauert – dann weiß der schließlich wo es ist. Das Gold bei Banken nicht sicher ist, überrascht mich eigentlich nicht. Was glaubt ihr warum physische Lieferungen (auch von Wertpapieren) so teuer sind?

2future schrieb am 25.12.2010 13:41:19

wer sich auf andere verlässt, ist verlassen

JR aus Amerika schrieb am 25.12.2010 13:28:02

Das ist typisch für diese Bankster.
Die Kundschaft sollte endlich einsehen, dass gerade diese Ober-Gauner von den Banken die größten Halsabschneider sind.

Hier ist sozusagen der Bock zum Gärtner gemacht.

Lieber lasse ich mir mein Gold von einem anständigem Gauner klauen, als mich von diesen Weiße-Kragen-Gaunern bescheißen zu lassen!




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