Wertpapierhandel, Orderzusätze und Orderarten








Wertpapierhandel, Orderzusätze und Orderarten

Eine Wertpapierorder kann unter ganz bestimmten Bedingungen oder Auflagen aufgegeben werden. Solche Bedingungen und Auflagen beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren sind Orderzusätze. Darüber hinaus gibt es verschiedene Orderarten.

Billigst und Bestens

Wer ein Wertpapier erwerben möchte, erteilt seinem Broker eine Kauforder. Ist diese mit keinerlei Bedingungen seitens des Anlegers verbunden, handelt es sich um eine "Billigst"-Order. Der Hintergrund für diese Bezeichnung erklärt sich wie folgt: Spricht der Käufer keine gesonderten Wünsche aus, wird der Auftrag an die Börse weitergeleitet und zum nächstbesten Kurs ausgeführt - aus Sicht des Käufers ist dies der niedrigste (billigste) Kurs, zu dem sich der Auftrag abwickeln lässt.

Die Ausführung kann somit prinzipiell zu jedem Preis erfolgen. Auch Teilausführungen sind möglich. Die Order ist in der Regel einen Monat lang gültig. Billigst-Orders sind in Märkten, in denen die Liquidität begrenzt ist, nicht zu empfehlen, weil das Risiko eines überhöhten Kurses groß ist. Besonders in kleinen Nischenmärkten kann auch die Order eines Kleinanlegers zu signifikanten Kursverzerrungen führen.

Anleger, die ein Wertpapier verkaufen möchten, erteilen ihrem Broker eine "Bestens"-Order. Analog zur Billigst-Order wird der Auftrag ohne weitere Restriktionen an die Börse weitergeleitet und zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt. Da aus Sicht des Verkäufers ein hoher Kurs besser ist als ein niedriger, hat sich die Bezeichnung "Bestens" durchgesetzt: Stehen zwei Kurse zum Verkauf zur Verfügung, wird gemäß der Matching-Regeln (maximaler Umsatz) der höhere genommen.

Bestens-Verkaufsorders sind in illiquiden Märkten problematisch, weil der Kurs, zu dem der Auftrag ausgeführt wird, signifikant von der Kursstellung bei Auftragserteilung abweichen kann. Wer sich möglichst rasch von seinen Beständen trennen will, hat jedoch oft keine andere Wahl, so dass eine Bestens-Order zumindest in liquiden Märkten unter bestimmten Voraussetzungen Sinn machen kann.

Limit-Orders

Mit einer Limitorder lassen sich Wertpapieraufträge genauer spezifizieren und es ist möglich, bestimmte Risiken zu eliminieren. Die beiden bekanntesten Limitorders sind die Stopp-Loss- und die Stopp-Buy-Order, die ausführlich in einem eigenen Menüpunkt behandelt werden. Eine gewöhnliche Limitorder versieht einen Wertpapierauftrag mit einer Restriktion, die sich auf den Ausführungskurs bezieht. Bei einer Kauforder kann der Anleger einen Kurs festsetzen, über dem keine Käufe getätigt werden. Dies ist insbesondere in illiquiden Märkten von Bedeutung, da hier auch kleine Kaufaufträge zur signifikanten Veränderungen des Kurses führen können.

Mit dem Limit wird sichergestellt, dass der Einstieg zu einem adäquaten und marktgerechten Preis erfolgt. Umgekehrt kann bei einer Verkaufsorder ein Kursniveau festgelegt werden, unter dem keine Verkäufe stattfinden. Der Verkäufer eines Wertpapiers kann so einen minimalen Erlös bestimmen, unter dem er nicht bereit ist, sich von seinen Beständen zu trennen. Limits werden mit den anderen Informationen eines Auftrags (also WKN, Stückzahl etc.) an die Börse übermittelt und sind im Orderbuch einsehbar.

Stopp-Loss und Stopp-Buy

Bei einer Stopp-Loss-Order setzt der Anleger einen bestimmten Marktkurs fest, zu dem er ein im Bestand befindliches Wertpapier verkaufen will. Dieser Kurs liegt bei Aufgabe des Stopp-Loss-Auftrages unterhalb des Marktkurses. Wird das Stopp-Loss-Niveau erreicht, ergeht automatisch eine Verkaufsorder des Brokers an die Börse und die Wertpapiere werden zum nächstbesten Preis veräußert.

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine ausgelöste Stopp-Loss-Order eine unlimitierte Verkaufsorder ist. Die Ausführung erfolgt zu dem Kurs, den die Marktbedingungen ermöglichen. Diese kann unterhalb des ursprünglichen Stopp-Loss-Limits liegen oder darüber. Auch sind mitunter große Abweichungen möglich. Das Stopp-Loss gehört zu den wichtigsten Instrumenten der Verlustbegrenzung im aktiven Trading wie auch bei der verwalteten Kapitalanlage.

Eine Stopp-Buy-Order ist das Analogon zu einer Stopp-Loss-Order. Der Anleger definiert einen Kurs oberhalb des aktuellen Marktniveaus, bei dem automatisch eine Kauforder ausgelöst wird. Wie auch bei der Stopp-Loss-Order handelt es sich dabei um einen unlimitierten Auftrag, der zum nächstbesten Kurs ausgeführt wird. Dieser kann oberhalb oder unterhalb des Stopp-Buy-Limits liegen und mitunter deutlich davon abweichen.

Hier ist wichtig zu verstehen, dass eine einmal ausgelöste Stopp-Buy-Order nicht wieder gelöscht wird, nur weil der Kurs später unter das Kursniveau fällt, auf das sie gesetzt wurde. Stopp-Buy-Orders werden häufig kurz oberhalb charttechnisch wichtiger Marken gesetzt, bei denen davon ausgegangen wird, dass ein Überschreiten weiter steigende Notierungen indiziert.



Stopp-Buy- und Stopp-Loss-Order sind sich sehr ähnlich. Deutlich wird dies, wen berücksichtigt wird, dass an der Börse auf steigende wie auch auf fallende Kurse gesetzt werden kann. Ein Anleger, der Aktien leer verkauft, sieht in einer Stopp-Buy-Order ein Instrument zur Verlustbegrenzung. Umgekehrt kann die Stopp-Loss-Order genutzt werden, um Shortpositionen bei Erreichen eines bestimmen Marktkurses zu eröffnen - das Profil der Orders ist jedenfalls identisch.

Auf modernen Trading-Plattformen stehen Anlegern bei Stopp-Loss und Stopp-Buy noch weitere Funktionen zur Verfügung. So kann etwa eine maximale Abweichung vom Limitkurs definiert werden, bei deren Überschreiten die Aufträge nicht ausgeführt werden. Das Überschreiten löscht die Order dabei nicht, sondern stellt sie in die "Warteschleife" - liegt der Kurs wieder unter der maximalen Abweichung, wird weiter ausgeführt. Auch kann direkt mit der Stopp-Buy-Order ein Stopp-Loss in Auftrag gegeben werden, dass aktiviert wird, wenn die Kauforder zur Ausführung kommt. Identische Möglichkeiten bestehen beim Stopp-Loss selbst. Die Bezeichnungen der Orderarten auf CFD- und Forex-Plattformen kann jedoch abweichend sein.

Weitere wichtige Orderzusätze
Im Wertpapierhandel existieren noch einige weitere optionale Orderzusätze, deren Kenntnis effektiveres Handeln und damit bessere Ergebnisse ermöglicht. Die wichtigsten Orderspezifikationen samt ihrer Kürzel sind nachfolgend erklärt.

MOO - Market on Open. Dieser Zusatz wird vor der Eröffnung des Börsenhandels erteilt. Er ist nicht limitiert und hat Vorrang vor anderen Orders. Wer eine Order mit dem MOO-Zusatz aufgibt, hat gute Chancen, ein Wertpapier kurz nach der Eröffnung des Marktes zu bekommen bzw. es loszuwerden. Im Gegenzug ist aber auch das Risiko hoch, durch Kurslücken Verluste zu erleiden.

MOC - Market on Close. Market-On-Close-Orders werden in der Regel 30 bis 60 Minuten vor Handelsschluss akzeptiert. Sie verstehen sich als unlimitierte Aufträge, die Vorrang vor anderen Orders haben.

AON - All or Nothing. Mit dem AON-Zusatz können Anleger verfügen, dass eine Order nicht in Teilen, sondern nur komplett ausgeführt wird. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn entweder aus strategischen Gründen nur eine komplette Ausführung sinnvoll ist oder aber hohe Kosten für Teilausführungen erhoben werden. Der AON-Zusatz ist für den amerikanischen Wertpapierhandel von Bedeutung und wird in Europa nicht genutzt. Wichtig: Alle anderen Aufträge im Orderbuch - ganz gleich ob limitiert oder nicht - haben Vorrang vor AON-Orders.

IOC - Immediate or Cancel. Mit dem IOC-Zusatz verfügt der Anleger, dass nur eine sofortige Ausführung der Order in Frage kommt. Ist dies nicht möglich, wird der Auftrag gelöscht. Kann direkt nach Ordererteilung nur ein Teil des Auftrags ausgeführt werden, geschieht dies und der Rest verfällt.

FOK -Fill-or-Kill. Mit diesem Zusatz verfügt der Anleger, dass ein Auftrag ausschließlich vollständig ausgeführt wird und dass Teilausführungen nicht stattfinden. Kann der Auftrag nicht gänzlich gedeckt werden, wird die Order gelöscht. Der FOK-Zusatz ist das europäische Pendant zum AON.

GFD- Good for day. Der GFD-Zusatz bezieht sich auf die zeitliche Gültigkeit eines Auftrages und bestimmt, dass die Order am Ende des Handelstages, an dem sie erteilt wurde, automatisch gelöscht wird, wenn keine Ausführung erfolgen konnte.

GTC - Good till canceled. Der GTC-Zusatz definiert ein bestimmtes Datum, an dem die Order gelöscht wird, wenn keine Ausführung möglich ist. Bei den meisten Brokern ist eine Gültigkeit bis zum Monats-Ultimo in den Voreinstellungen vorgesehen. Diese kann vom Anleger aber geändert werden.





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