PROKON-Insolvenz: Die grüne Pleitewelle rollt weiter





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Die Blase der ´Erneuerbaren´ ist geplatzt

PROKON-Insolvenz: Die grüne Pleitewelle rollt weiter

Der Windenergie-Finanzierer PROKON ist insolvent. Nach aktuellem Stand der Dinge können die rund 75.000 Kleinanleger auf eine Teilentschädigung für ihre Genussrechte zumindest hoffen. Die Pleite Insolvenz wirft weiteren Schatten auf die Branche der regenerativen Energieerzeugung.

Der Insolvenz ging ein chaotisches Hin und Her voraus. Beobachter werfen dem Unternehmen vor, seine Gläubiger unter Druck gesetzt zu haben. PROKON hatte eine Insolvenz für den Fall in Aussicht gestellt, dass nicht mindestens 95 Prozent der Gläubiger auf einen Abzug ihres Kapitals aus dem Unternehmen verzichten. Den Inhabern eines Teils PROKON Genussrechte steht ein monatliches Kündigungsrecht zu.

Renditen bis zu 8% überzeugten viele Kleinanleger

PROKON finanziert mit dem akquirierten Kapital Projekte in den Bereichen Windenergie, Biomasse und Biogene Kraftstoffe. Anleger wurden mit einer Grundverzinsung von 6% im Jahr zuzüglich einer erfolgsabhängigen Überschussbeteiligung gelockt. Der Einstieg in die Genussrechte war ab 100 Euro möglich. PROKON sammelte seit 2003 mit diesem Prinzip rund 1,40 Mrd. Euro von 75.000 Anlegern ein.

Viele der Anleger haben nicht nur aufgrund der im aktuellen Marktumfeld sehr hohen Rendite, sondern auch aus Überzeugung investiert. Rund um das Unternehmen existiert eine Art "Community" aus glühenden Anhängern der regenerativen Energieerzeugung. Diese könnten sich mit der alten Investment-Regel konfrontiert sehen, die da lautet: "Investiere niemals in Unternehmen mit denen Du emotional verbunden bist".

Das Unternehmen unterstützt diese enge Bindung zu seinen Gläubigern. Auf der Homepage wurde eine eigene Unterseite eingerichtet, auf der schriftliche Reaktionen von Anlegern auf die aktuellen Presseberichte veröffentlicht werden. Dort finden sich vornehmlich Stimmen, die PROKON unterstützen und nicht selten einer so wahrgenommenen "Medienhetze" die Verantwortung für die Insolvenz in die Schuhe schieben. In Internetforen finden sich Kommentare, deren Verfasser angeben ihr gesamtes Vermögen in die Genussrechte investiert zu haben.

Insolvenzverfahren: Wie geht es weiter?

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin will den laufenden Betrieb zunächst fortführen. Die Löhne und Gehälter der rund 1300 Angestellten sind demnach bis Ende April gesichert. Fraglich ist, was auf die Genussrechteinhaber zukommt: Rechtlich betrachtet handelt es sich bei diesen um Eigenkapitalgeber. Deren Forderungen werden nachrangig aus der Insolvenzmasse bedient. Ob eine teilweise Rückzahlung des Genussrechtskapitals möglich ist und wie hoch diese ausfällt hängt deshalb ganz maßgeblich davon ab welche weiteren Finanzierungsquellen das Unternehmen genutzt hat.

Eine Anlaufstelle für betroffene Anleger kann die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sein, die bereits zu der Insolvenz von PROKON Stellung bezogen und einen Informationsservice eingerichtet hat. Die DSW sieht den Ursprung der Insolvenz in der "handwerklich fehlerhaften Kombination von langfristigen Projekten, die das Kapital 10-20 Jahre binden, mit der Finanzierung durch höchst kurzfristig kündbares Genussscheinkapital".

Nach derzeitigem Stand scheint es keinen Unterschied zu machen, ob Genussrechte bereits gekündigt wurden oder nicht. Auch hier gibt es aber noch Unsicherheiten. Wie es scheint können Anleger nach derzeitigem Stand nicht viel mehr tun als sich über entsprechende Plattformen oder soziale Netzwerke zu organisieren und das weitere Verfahren abzuwarten. Es wird voraussichtlich Monate dauern bis feststeht ob die Bedingungen für ein Insolvenzverfahren überhaupt vorliegen.

DSW als Anlaufstelle für Investoren

DSW-Sprecher Marc Tüngler kündigte eine Intensivierung der bereits angelaufenen rechtlichen Prüfungen seines Verbands an. "Wir werden uns verstärkt mit den Möglichkeiten beschäftigen, die die Genussscheinzeichner im Rang besser stellen als dies bisher der Fall ist". Die Situation sei jedoch nicht einfach: "Die Tatsache, dass die rund 1,4 Milliarden Euro, die das Unternehmen bei Anlegern eingesammelt, als Genussscheine mit teilweise recht unterschiedlichen Bedingungen ausgestaltet sind, macht den Prokon-Fall nicht nur einzigartig, sondern auch juristisch äußerst komplex".

Ob die Ursachen für die Insolvenz tatsächlich nur in handwerklichen Fehlern bei der Refinanzierung zu suche sind bleibt umstritten. PROKON ist keineswegs das erste Unternehmen aus dem Bereich der "Erneuerbaren Energien", das in die Pleite geht. In den vergangenen Jahren setzte eine regelrechte Welle an Insolvenzen ein, die Unternehmen aus nahezu allen Segmenten der regenerativen Energieerzeugung erfasste, darunter nicht wenige einst als "grüne Hoffungsträger für die Zukunft" gepriesene Betriebe.

RENIXX verliert 65%

Die Pleitewelle wird hierzulande gerne mit der deutschen ("zu wenig") und der chinesischen ("zu viel") Subventionspolitik in Verbindung gebracht. Wie schlecht es weltweit um die Branche(n) steht, zeigt ein Blick auf den RENIXX-Aktienindex, der 30 Werte aus den Bereichen Windenergie, Solarenergie, Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft und Brennstoffzellen enthält und deren Aktienkursentwicklung abbilden soll.
Im Index sind Unternehmen aus der ganzen Welt vertreten. Ende April 2006 startete der Index mit 1.000 Punkten. Der Höchststand wurde zum Jahreswechsel 2007/2008 mit 1900 Punkten erreicht. Mittlerweile notiert der Performanceindex bei 365 Punkten. Wikipedia formuliert es so: "Im Jahr 2008 begann der Niedergang – hauptsächlich im Sog der internationalen Finanzkrise."

Link zum Prokon-Statement der DSW:
www.dsw-info.de/Prokon-muss-Insolvenz-anmelden

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
23.01.2014

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Prokon Insolvenz, Genussrechte, Anleger, DSW

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Kommentare:
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hans schrieb am 03.03.2014 15:34:19

Da rollt eine Pleitwelle über das Land, die gerade erst angefangen hat. Solar, Wind usw. wurden durch Subventionen nicht gefördert sondern geschädigt. Die EEG-Subventionen zielten immer nur auf mehr unsicheren Strom ab, der eine stark abnehmende Grenzproduktivität aufweist. Nie ging es um technologischen Fortschritt – dabei hätte man mit den bereits heute mehr als 100 Mrd. In diesem bereich vielleicht wirklich etwas bewegen können. Wenn den Leuten klar wird was da bis jetzt angerichtet wurde wird der Rückhalt für das Projekt Energiewende stark abnehmen. Es wurde eine Chance vertan.




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