Prognosen zu Konjunktur, Wachstum und Co. positiv überzeichnet?





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Konjunktur-Propaganda: "Stimmungsindikatoren" statt harter Wirtschaftsdaten

Prognosen zu Konjunktur, Wachstum und Co. positiv überzeichnet?

Hat die schlechte Wirtschaftslage die Regierung, Banken und Wirtschaftsforschungsinstitute dazu veranlasst Konjunkturdaten zu schönen? Möglich wäre es: Die so genannten "Stimmungsindikatoren" sprechen seit geraumer Zeit eine ganz andere Sprache als die harten Konjunkturdaten.

"ZEW-Index auf höchstem Stand seit dreieinhalb Jahren" - so titelte unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 15. Oktober. "Verbraucher in Kauflaune" hieß es unter Verweis auf den GfK-Konsumklimaindex am 31. Oktober beim Bayrischen Rundfunk. "Die Deutschen sind im Weihnachtskaufrausch", titelte das "Handelsblatt" am 05. November und verwies auf eine Umfrage von Ernst&Young.

Sind Umfragen und Prognosen geschönt?

"Brüssel verkündet Trendwende für Europa" titelt der "Spiegel" am 05. November. Immerhin: Der ifo-Index war fünf Monate in Folge angestiegen und erlebte im Oktober "überraschend einen leichten Rücksetzer" (Konsens der Berichterstattung). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat in einer hauseigenen Umfrage herausgefunden, dass seine Mitgliedsunternehmen "so zuversichtlich wie lange nicht mehr" sind.

Wer nur diese Umfrageergebnisse, Stimmungsindikatoren und Prognosen kennt könnte die deutsche Wirtschaft in einem Boom verorten. Die harten Konjunkturdaten sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr um lediglich 0,40 Prozent wachsen - auf dieses Niveau jedenfalls kürzten die Wirtschaftsweisen ihre Herbstprognose herunter. Die deutschen Exporteure erwarten für dieses Jahr eine „schwarze Null“, nachdem lange Zeit von Wachstum ausgegangen worden war. Der Einzelhandelsumsatz im September lag um gerade einmal 0,20 Prozent über dem des Vorjahres.

Kein Grund für Optimismus

Warum bei gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten von 0,70 Prozent im vergangenen Jahr und (prognostizierten) 0,40 Prozent in diesem Jahr allerorts Optimismus mitschwingt ist schwer verständlich. Bundesbank, Bundesregierung, EU und Wirtschaftsforschungsinstitute schieben den prognostizierten Konjunkturaufschwung seit geraumer Zeit vor sich her und hoffen, dass er endlich eintritt.

Woher Impulse kommen könnten ist dabei völlig unklar. Die Schwierigkeiten in vielen Schwellenländern dürften sich erst jetzt allmählich in den Produktionszahlen der Exporteure niederschlagen. Die Regierungen haben kein Geld für eine Erhöhung der Staatsausgaben und selbst der Konsum im von der Krise vergleichsweise wenig getroffenen Deutschland entwickelt sich kaum sichtbar über der Nulllinie. Dass ein Aufschwung in Deutschland und Europa ausschließlich durch inländische Investitionen ausgelöst wird ist angesichts der vielen Unsicherheiten unwahrscheinlich.

Neuverschuldung kaum gesunken

EU-Währungskommissar Oli Rehn zufolge haben die Regierungen der EU und diese selbst großen Anteil am prophezeiten Aufschwung: Ihm zufolge haben die Haushaltskonsolidierung und die Strukturreformen den Weg geebnet. Als "Strukturreform" mögen sinkende Löhne in Südeuropa gelten. Wo genau aber eine "Haushaltskonsolidierung" stattfindet, verrät auch Rehn nicht: Im ersten Quartal dieses Jahres lag die Staatsverschuldung der Euro-Mitglieder gemessen an der Wirtschaftsleistung um 4,00 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Spanien, Zyper, Griechenland, Italien und Portugal steigerten ihre Verschuldung überwiegend im zweistelligen Bereich.

Warum diese wirtschaftlichen Entwicklungen positiv überzeichnet werden lässt sich nur spekulieren. Den Akteuren könnte die gute Absicht unterstellt werden, Verbraucher nicht zu verunsichern und dadurch eine weitere Verschlechterung der Lage auf den Plan zu rufen. Die Darstellung der wirtschaftlichen Lage und die (oft sehr gleichförmige und unkritische) Berichterstattung darüber in vielen Medien können das Vertrauen in die beteiligten Institutionen jedoch nachhaltig schwächen.

Alle Angaben ohne Gewähr.

BankingPortal24.de
13.11.2013

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Prognosen zu Konjunktur, Konjunktur-Propaganda, Wirtschaftsdaten positiv überzeichnet

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