Drachme nach Grexit: Griechenland-Urlaub und Euro-Austritt





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Reiseexperten raten Touristen zu mehr Bargeld

Drachme nach Grexit: Griechenland-Urlaub und Euro-Austritt

Die Euro-Krise wird in diesen Tagen für Urlauber sehr konkret. Ferien in den Krisen-Ländern sind nicht ganz unproblematisch. Der Touristikkonzern Tui rät Griechenland-Urlaubern bereits zu größeren Bargeldreserven. Was in den Tagen nach einem Euro-Austritt Griechenlands auf deutsche Touristen zukommt, ist ungewiss.

Am 17. Juni sind in Griechenland Wahlen. Auch wenn die Gegner der mit den Gläubigern vereinbarten Sparprogramme die Mehrheit erringen, wird es nicht bereits am 18. Juni zum Euro-Austritt Griechenlands (GREXIT) kommen. Wahrscheinlicher ist, dass die neu konstituierte Regierung (die Regierungsbildung dürfte etwa eine Woche dauern) zunächst mit EU, EZB und IWF zusammentritt und "verhandelt". Da die Forderungen (in etwa: Weitgehender Verzicht auf weitere Sparmaßnahmen, Ende der laufenden Programme etc.) mit den Vorstellungen der Troika nicht vereinbar sein werden, kann es zu einer Einstellung der Hilfszahlungen kommen.

Wie genau läuft der GREXIT ab?

Nicht ausgeschlossen ist auch eine Täuschung der Gläubiger durch die neue Regierung - sei es nun geplant oder als Folge einer mangelnden Umsetzungsfähigkeit. So könnte eine neu gewählte Regierung den Gläubigern entgegenkommen und die getroffenen Vereinbarungen anerkennen, die Umsetzung der Maßnahmen aber schleifen lassen. Dann könnte sich der Euro-Austritt noch länger hinziehen.

Bei einem offenen Bruch zwischen der noch zu wählenden griechischen Regierung und den Gläubigern ist das Ende der Hilfszahlungen wahrscheinlich. In den vergangenen Wochen hat sich abgezeichnet, dass Griechenland nicht mehr "systemrelevant" ist. Die Banken haben ihre Forderungen gegen das Land weitgehend abgeschrieben, die Exporte nach Griechenland sind bereits stark eingebrochen und die Finanzmärkte wurden auf den GREXIT lange genug vorbereitet.

Wenn der griechische Staat und die griechische Notenbank keine Euros mehr erhalten, werden diese irgendwann knapp. Dann müsste neues Geld gedruckt werden. Urlauber könnte dies an ganz verschiedenen Stellen treffen. Allen voran sind Engpässe bei der Bargeldversorgung zu erwarten, weil griechische Banken keine Euro mehr auszahlen können. Denkbar sind auch Lieferengpässe im Groß- und Einzelhandel, die auch Hotels und Restaurants betreffen könnten.

Notfall-Währung für den Übergang?

Staat und Notenbank müssten dann rasch handeln und neues Geld einführen - der Euro-Austritt wäre damit vollzogen. Da zunächst kein neues Bargeld in ausreichender Menge zur Verfügung stünde, müsste Notfall-Bargeld her. Dabei könnte es sich z. B. um gestempelte Euros von der EZB handeln.

Mit ins Urlaubsland eingeführte Euros würden nicht eingesammelt oder entwertet. Auch nach einer Wiedereinführung der Drachme (und sei diese auch nur provisorisch) könnte in Geschäften und Hotels weiter mit Euro bezahlt werden. Ob Urlauber unmittelbar nach einem solchen Szenario bereits von der Abwertung der neuen Drachme profitieren würden, ist ungewiss. Sehr rasch aber würden die Preise in Griechenland für Euro-Besitzer sinken. Kapitalausfuhrkontrollen sind zwar möglich. Die Kontingente für jede einzelne ausreisende Person werden wahrscheinlich aber für die meisten Urlauber ausreichen.

Der Reisekonzern TUI rät Urlaubern, mehr Euro-Bargeld mitzunehmen. TUI-Manager Markus Bruchmüller wurde kürzlich mit der Empfehlung zitiert: "Urlauber, die sich selbst versorgen und etwas auf eigene Faust unternehmen, sollten etwas mehr Euro-Bargeld mitnehmen". Damit soll Pauschaltouristen die Sorge vor einem Urlaub in Griechenland genommen werden. Vor allem Engpässe bei der Versorgung der Volkswirtschaft mit Treibstoff könnten aber auch in Hotels und auf Inseln All-Inklusive-Touristen vor Probleme stellen.

Buchungen gegen stark zurück

Diese Sorge scheint bei vielen Deutschen bereits in die Urlaubsplanung eingeflossen zu sein. Die Buchungen in Griechenland sind verglichen mit dem Niveau des Vorjahres deutlich zurückgegangen – je nach Quelle um bis zu 40 Prozent. Viele Deutsche fürchten sich offenbar auch vor politisch motivierten Übergriffen speziell auf deutsche Staatsbürger. Bislang ist es zu solchen Ereignissen allerdings nicht gekommen.

Ob ein Euro-Austritt die vor allem in Athen nicht immer stabile Sicherheitslage verschärfen würde, ist unklar. Würde die neue Drachme an den Finanzmärkten sehr schlecht bewertet, müssten die Griechen ihren Konsum abermals deutlich einschränken., weil die Exporte sich drastisch verteuern würden und die inländische Produktion dies kurzfristig nicht ausgleichen könnte. Dies könnte den Unmut vieler Griechen verstärken und im schlimmsten Fall Chaos und innere Unruhen nach sich ziehen.

BankingPortal24.de
06.06.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Euro-Austritt, Griechenland-Urlaub, Bargeldreserven

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Kommentare:
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bankingportal24.de schrieb am 27.06.2012 19:09:58

Ich hatte ja gedacht dass die Politik die EM kauft und Griechenland Europameister werden lässt und dann im Siegestaumel das Geld umgetauscht wird. War wohl nichts...Dennoch bin ich weiterhin davon überzeugt, dass Griechenland aus dem Euro austreten wird und dass dies für alle (!) Beteiligten die bessere Lösung ist. Ich würde in den Sommermonaten nicht nur nach Griechenland, sondern auch nach Spanien und Italien etwas mehr Bargeld mitnehmen. Und zwar nicht nur Euro, sondern auch ein paar Schweizer Franken.




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