Die Konjunktur boomt: Woher kommt der Aufschwung?






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Die Konjunktur in Deutschland brummt - Wirtschaftsforschungsinstitute und Bundesbank erwarten mehr als 3 Prozent Wachstum in diesem Jahr.

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich damit deutlich besser als die in vielen anderen Ländern. Der Aufschwung aber hat seine Schattenseiten: Zu großen Teilen wurde er durch Schulden erkauft.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte Deutschland die Krise fast unbeschadet hinter sich lassen. Das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr ist erfreulich hoch: Nach dem überraschend starken zweiten Quartal, in dem die deutsche Produktionsleistung um 2,2 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres zulegte, gehen Experten von 3 Prozent und mehr Wachstum im Gesamtjahr aus. Schon im nächsten Jahr könnte dann das Vorkrisen-Niveau erreicht und der Produktionsrückgang von 4,7 Prozent im Krisenjahr 2009 aufgeholt sein.

Auch der Arbeitsmarkt entwickelt sich erfreulich: Die Massenentlassungen, die in der Krise befürchtet worden waren, fanden nicht statt. Schon bald könnte die offizielle Zahl der Arbeitslosen erstmals seit dem Jahr 1992 unter die Marke von 3 Millionen fallen. Erste Experten fordern bereits Lohnerhöhungen, um die Angestellten am Boom teilhaben zu lassen.

Einer der Hauptgründe des starken Wachstums ist jedoch in den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung zu sehen, die im Jahr 2009 verabschiedet wurden. Typisch für Konjunkturprogramme ist ihre verzögerte Wirkung. Zwar wurden die in der Öffentlichkeit besonders präsenten Stützungen für die Wirtschaft (allen voran die Abwrackprämie) bereits im vergangenen Jahr ausbezahlt. Ein Großteil der Stimulierungsmaßnahmen entfaltet jedoch erst jetzt seine Wirkung.

Das betrifft z.B. die Ausgaben für Gebäudesanierung und Infrastruktur. Mehr als die Hälfte der Mittel aus den entsprechenden Programmen wurde erst im diesem Jahr abgerufen. Die Bauinvestitionen stiegen nach Angaben des statistischen Bundesamtes im zweiten Quartal mit 5,2 Prozent gemessen am Vorquartal denn auch besonders kräftig. Auch die (moderaten) Steuersenkungen, die Bestandteil des „Wirtschaftswachstumsbeschleunigungsgesetzes“ waren, wirken sich zum größten Teil erst in diesem Jahr aus.

Die deutschen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur wurden zudem später auf den Weg gebracht als in anderen Ländern wie z.B. den USA, deren Wirtschaft im vergangenen Jahr nur halb so stark schrumpfte wie die deutsche und dafür in diesem Jahr deutlich langsamer wächst. Daran erklärt sich der im Vergleich zum Ausland sehr positive Konjunkturverlauf in Deutschland in 2010.

Mindestens ein Drittel des deutschen Aufschwungs ist auf staatliche Maßnahmen zurückzuführen. Davon jedenfalls geht der Internationale Währungsfonds aus. Die Stimuli wurden allerdings mit einer sehr hohen Staatsverschuldung erkauft. Die Gesamtverbindlichkeiten der öffentlichen Hand werden sich am Ende dieses Jahres auf rund 76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. Bis der Haushalt ausgeglichen sein wird (so dies denn jemals der Fall ist), wird der Schuldenstand auf weit mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen
.
Diese Schulden müssen bezahlt werden. Die Kosten können auf den Steuerzahler entfallen, wenn die Zinsausgaben der öffentlichen Hand steigen. Besonders dramatisch würde sich der massive Anstieg der Staatsverschuldung auswirken, wenn das Zinsniveau wieder deutlich ansteigt. Dann müssten Ausgaben gekürzt und Steuern erhöht werden – was die zukünftige Konjunktur sicher belastet. Der "Aufschwung XL" ist zu großen Teilen deshalb ein Wechsel auf die Zukunft.



BankingPortal24.de
03.09.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Konjunktur, Aufschwung, Verbraucher, Steuern

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Kommentare:
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skeptiker schrieb am 09.09.2010 01:02:10

War doch alles nur ein Strohfeuer, das sieht man doch an den neusten Zahlen vom Export. Ich verstehe die ganze Euphorie nicht. Deutschland lebt vom Export und wenn Europa und die USA, auf die fast 80 Prozent der Ausfuhren entfallen, schrumpfen, dann kann auch China das nicht wettmachen. Wir sind da noch lange nicht über den Berg. Wenn die Konjunkturprogramme auslaufen und der Staat zumindest etwas versucht, die ausufernde Verschuldung zu verringern bzw. zu verlangsamen, dann werden wir hier auch in die Rezession fallen oder zumindest für Jahre ohne Wachstum auskommen müssen. Woher kam das vermeintliche Wachstum in den letzten Jahren? Zu großen Teilen doch aus Blasen-Märkten wie den USA oder UK.




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