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Gesetze werden missachtet und Kunden schlecht beratenStiftung Warentest: Bankberatung schlechter als je zuvor
Die Bankberatung in Deutschland ist so schlecht wie nie zuvor. Das geht aus einer neuen Untersuchung der Stiftung Warentest hervor. Die Belange der Kunden werden nach wie vor zu wenig berücksichtigt. Zudem werden geltende Gesetze einfach missachtet.
Die Stiftung Warentest hatte bereits im vergangenen Jahr einen umfangreichen Test der Bankberatung in Deutschland durchgeführt. Das Ergebnis was schon damals blamabel: Von den 21 untersuchten Banken schnitt keine einzige mit "Gut" ab. Zwei erhielten sogar das Urteil "Mangelhaft". In der neuerlichen Untersuchung wurden dieselben Institute noch einmal unter die Lupe genommen. Einzige Ausnahme: Die Dresdner Bank wurde nicht mehr separat untersucht, weil sie mittlerweile in die Commerzbank integriert wurde.
Das Ergebnis fiel diesmal noch schlechter aus: Von den 20 Banken erhielt abermals keine einzige das Urteil "Gut". Dafür vergab die Stiftung Warentest sechsmal die Note "Mangelhaft". Mit der Postbank, der HypoVereinsbank und der Targobank (ehemals Citibank) finden sich denn auch drei große Namen unter den schlechtesten Anbietern. Eine mangelhafte Beratungsqualität wurde auch der BW-Bank, der Nassauischen Sparkasse und der Volksbank Mittelhessen attestiert.
Die Tester führten 146 Beratungsgespräche und gaben dabei vor, 35.000 Euro anlegen zu wollen. Die Banken ignorierten dabei regelmäßig geltendes Gesetz: Eigentlich müssen Kunden vor der Empfehlung einer Anlage zu ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen sowie zu ihren Zielen und Erfahrungen mit der Geldanlage befragen. Umgesetzt wird dies bei Weitem nicht immer: In 30 Prozent der Gespräche wurden die Testkunden nicht nach sonstigem Vermögen und in 35 Prozent nicht nach ihrem Einkommen befragt. Nach der Ausbildung wurde in 66 und nach dem ausgeübten Beruf und 30 Prozent der Fälle nicht gefragt.
Damit schnitten die Banken in diesen Punkten zwar signifikant besser ab als bei der letzten Untersuchung der Stiftung Warentest im Jahr 2009. Da die Banken damals jedoch einhellig Besserung gelobt haben, ist das neue Ergebnis aus Sicht von Bankkunden und Verbraucherschützern enttäuschend. Auch im Hinblick auf das vom Gesetzgeber geforderte Beratungsprotokoll erfüllen die Banken nicht die Vorgaben. In den 146 Testgesprächen wurden 126 Mal Wertpapiere angesprochen. Dann hätte eigentlich ein Protokoll zum Einsatz kommen müssen, in dem dokumentiert wird, welche Produkte der Berater angesprochen hat und inwiefern der Kunde über die Risiken einer bestimmten Anlage informiert wurde. In nicht einmal jedem zweiten Gespräch kamen die Berater ihrer Pflicht nach.
Die drei besten Banken im Test (drei Sparkassen) erhielten gerade einmal die Note "Befriedigend". Die Untersuchung verdeutlicht abermals, dass Bankkunden sich keinesfalls blind auf die Empfehlungen ihres Bankberaters verlassen sollten.
BankingPortal24.de
23.07.2010
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Keywords: bankberatung, stiftung warentest, kundenberatung, geldanlage
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Kommentare:
tester-tester schrieb am 29.07.2010 00:49:23
Mal ganz abgesehen davon dass ich die Banken hier keinesfalls in Schutz nehmen möchte: Die Leute bei Finanztest scheinen mir auch nicht viel Ahnung zu haben. Als „Sehr Gut“ wurden z.B. Anlagevorschläge erachtet, bei denen zwei Drittel der Gelder auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern untergebracht wurden - bei 10 Jahren Ablagehorizont und durchaus vorhandener Risikobereitschaft der Testkunden. Das geht schon so in die Richtung: „Ich hab zwar keine Erträge erzielt und durch Inflation den Großteil meines Vermögens verloren, aber immerhin haben die Banken mit keine versteckten Kosten und Risiken untergeschoben“. Liebe Leute von Finanztest, da hätte ich mir mehr erwartet.
bankfuzzi schrieb am 29.07.2010 00:41:59
Ich habe ehrlich gesagt nichts anderes erwartet – wo soll Beratungsqualität denn herkommen, wenn Banken ihr Personal nur noch aufs Verkaufen um jeden Preis trimmen und die Berater (die gar nichts anderes sein können als Verkäufer) unter Druck setzen? Die Sache mit den Beratungsprotokollen sehe ich dabei als weniger tragisch an, weil das ohnehin nur wieder so ein staatlicher Unfug ist. Eine gute Beratung setzt da deutlich mehr voraus. Jeder Bürger sollte mittlerweile bemerkt haben, dass Banken in wichtigen finanziellen Angelegenheiten der falsche Ansprechpartner sind. Deshalb: An zum Honorarberater!


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