Pleite-Welle rollt: Versinkt Europa in den Staatsschulden?






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Nach Staatsbankrott in Griechenland rücken andere Länder in den Blickpunkt

Pleite-Welle rollt: Versinkt Europa in den Staatsschulden?

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In Griechenland wird trotz Staatsbankrott gegen Konsolidierungsmaßnahmen gestreikt, Portugal gerät wegen ausufernder Staatsschulden zunehmen unter Druck und die Rating-Agenturen überbieten sich gegenseitig mit Herabstufungen von Staatsanleihen. Europa steht im Zeichen der Schuldenlast.

Der griechische Staat ist seit dem Ende der vergangenen Woche bankrott. Griechenland gestand ein, seinen Verbindlichkeiten ohne die Hilfe von EU und IWF nicht mehr nachkommen zu können. Die Bewertung griechischer Staatsanleihen durch den Markt und durch Rating-Agenturen hat sich seitdem abermals verschlechtert.

Die Rating-Agentur S&P senkte das Rating von BBB+ auf BB+. Sollte eine weitere Rating-Agentur diese Einschätzung teilen, könnte die Europäische Zentralbank griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. Allein das könnte einen - im Wesentlichen auf Griechenland beschränkten - Kollaps des Finanzsystems mit sich bringen.

Die griechischen Staatsbediensteten scheint die Situation ihres Landes wenig zu stören. Sie demonstrierten am Dienst mit einem groß angelegten Streik, der unter anderem den Fährverkehr in Griechenland lahmlegte, gegen die Sparprogramme der griechischen Regierung.

Unmittelbar nach dem definitiven Bankrott Griechenlands gerät auch Portugal zunehmend unter Druck. Das Land ähnelt Griechenland in wichtigen Punkten: Die Staatsverschuldung ist zum einen recht hoch (2014 voraussichtlich 90 Prozent des BIP), zum anderen ist auch die Neuverschuldung in diesem Jahr mit 9,7 Mrd. Euro sehr hoch. Portugal weist zudem genau wie Griechenland ein hohes Leistungsbilanzdefizit aus. Wie Griechenland leidet das Land zudem unter der schwachen Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft.

S&P senkte deshalb das Rating für portugiesische Anleihen um gleich zwei Stufen von A+ auf A-. Grund sind die nach Angaben der Rating-Agentur deutlich gewachsenen Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Portugals. An den Finanzmärkten zeigte due Nachricht von einer Herabstufung Portugals Wirkung: Sowohl in Europa als auch in den USA brachen die Aktienkurse deutlich ein. Auch der Euro gab gegenüber dem US-Dollar nach. Der in Euro gerechnete Preis für Gold hingegen erreichte ein Rekord-Niveau.

Portugal kann sich allerdings derzeit noch problemlos refinanzieren, auch wenn die Risikoaufschläge für portugiesische Anleihen steigen. Griechenland hingegen ist zwingend auf rasche Hilfe angewiesen: Noch bis Mitte Mai wird Geld benötigt, um fällige Anleihen zu tilgen und das laufende Haushaltsdefizit zu decken. In diesem Jahr benötigt Griechenland 45 Mrd. Euro. 30 Mrd. Euro sollen von den EU-Mitgliedstaaten und 15 Mrd. Euro vom IWF kommen.
Deutschland wird den Griechen aller Voraussicht nach zur Seite stehen. Alle Fraktionen im Bundestag signalisierten grundsätzliche Zustimmung zu Hilfsmaßnahmen. Für den weiteren Verlauf der Hilfen ist das Ergebnis der Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds sehr wichtig: Bis zum Ende der Woche sondiert dieser die Haushaltslage Griechenlands.

Beschlossen sind deutsche Gelder für die Griechen noch nicht. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble zeigten sich in den letzten Tagen bremsend und stellten die Forderung nach weiteren Bemühungen Griechenlands in den Vordergrund. Die Bundesregierung wird sich dem wachsenden Druck der anderen EU-Mitgliedstaaten allerdings kaum mehr lange beugen können.

Eine wachsende Zahl von Beobachtern geht davon aus, dass Griechenland nur durch eine Umschuldung – die auch in einer anderen Währung stattfinden könnte – wieder festen Boden unter den Füßen findet. Die Kombination aus sehr hohem Schuldenstand, immensem Haushaltsdefizit und einer konjunkturell wie strukturelle schwächelnden Wirtschaft macht es in den Augen der meisten Volkswirte unwahrscheinlich, dass die Griechen durch Konsolidierung allein wieder ins richtige Fahrwasser finden.

Auf den deutschen Steuerzahler könnten deshalb neuerliche Belastungen zukommen. Auch deutsche Banken und Versicherungen zählen zu den Gläubigern Griechenlands. Die Politik wird weiteren Abschreibungen in großem Umfang zuvorkommen, um eine neuerliche Eskalation der Finanzkrise zu verhindern. Der griechische Staatsbankrott ist damit die Ansage für den zweiten Teil der Finanzmarktrettung. Mit Portugal deutet sich schon der dritte Teil an.



BankingPortal24.de
28.04.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Griechenland, Euroländer, Staatsschulden, Staatsbankrott, Rating-Agenturen

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Kommentare:
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Olaf Vissers schrieb am 18.10.2010 23:28:39

Ich glaube nicht das die Staaten in Europa und die USA ihre Schulden zurückbezahlen können, das ist rechnerisch nahezu unmöglich. Also, was wird kommen? Allgemeine Pleite mit Hyperinflation? Bürgerkriegsähnliche Zustände? Oder setzen sich die Staatschefs doch noch rechtzeitig zusammen und beschliessen eine Währungsreform mit Schuldenerlass und Neubewertung aller Güter, um das Chaos zu verhindern?

tommy schrieb am 04.05.2010 14:56:16

Die in Großbritannien haben ja noch das Pfund und keinen Euro. Müssen die jetzt eigentlich auch für Griechenland (in Pfund) bezahlen?

Bankrotteur schrieb am 28.04.2010 13:27:02

Der Euro war das Überflüssigste aller Zeiten: Wir hatten doch eine stabile Währung und waren auf so einen Mist nicht angewiesen. Aber Deutschland muss ja für alles zahlen, was unter der Mittelmeer-Sonne nicht möglich ist. Glaubt es mir: Mit Griechenland ist es nicht getan. Deutschland muss auch bei Portugal helfen und wenn es ganz dick kommt auch bei Italien und Spanien. Wie lange es dann dauert, bis auch Deutschland bankrott ist, kann sich jeder ausrechnen…aber hey: Wir sind Europa und das ist ja alles so toll…

Michel schrieb am 28.04.2010 13:01:22

Ich bin Deutschland!!!, das war mal vor dem Euro! Holt euer Geld von der Bank und genießt noch ein paar Tage bevor die Südländer alles verplempern. Euro, das bedeutet auch Verpflichtung und Spielregeln einhalten!, doch das haben die nie gelernt.




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