Schuldenberg: Wer gibt dem Staat Kredit?








Europa steht mit 8.000 Mrd. Euro in der Kreide

Schuldenberg: Wer gibt dem Staat Kredit?

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Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte in Europa hat neue Dimensionen erreicht. Die Staaten unseres Kontinents schieben insgesamt 8.000 Mrd. Euro Verbindlichkeiten vor sich her – Tendenz nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch steigend. Dem Beobachter stellt sich zunehmend eine Frage großer Tragweite: Wer soll dem Staat eigentlich noch Geld leihen?

Die Finanzmisere Griechenlands ist derzeit in den Medien sehr präsent. Die Politiker anderer Staaten könnten allerdings zunächst vor der eigenen Haustür kehren, bevor sie den Hellenen ihr Leben über die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse hinaus zum Vorwurf machen. Die Staatsschulden Deutschlands etwa sind auf 1.700 Mrd. Euro angewachsen. Das entspricht rund 21.000 Euro pro Bürger – ganz egal ob 1 Jahr oder 100 Jahre alt, egal auch ob erwerbstätig oder nicht.

Staaten leihen sich Geld, indem sie Wertpapiere ausgeben. Die Bundesrepublik emittiert Schatzbriefe und Bundesanleihen und bietet ihren Gläubigern im Gegenzug für die Geldleihe eine magere Verzinsung. Zu den Gläubigern zählen neben Banken und Fondsgesellschaften auch Privathaushalte. Damit aber ist es schon lange nicht mehr getan. Eine immer größere Rolle bei der Defizitfinanzierung spielen Zentralbanken. Diese können Geld auf Knopfdruck schöpfen und haben deshalb - zumindest theoretisch - unbegrenzt viel davon zur Verfügung.

Die Europäische Zentralbank etwa hält sehr viele Staatsanleihen. Es ist ihr zwar verboten, diese direkt am Markt aufzukaufen. Banken können sie aber bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen und erhalten dafür Liquidität. Emittiert die Bundesrepublik nun beispielsweise Bundesanleihen im Wert von 10 Mrd. Euro, kann sie diese nicht direkt an die Zentralbank verkaufen. Zeichnet aber die – zum Teil im Besitz des Bundes befindliche – Commerzbank die Titel und hinterlegt sie im Anschluss bei der EZB, ist das legal.

Deutsche Anleiheemissionen werden darüber hinaus etwa zur Hälfte von Zentralbanken außerhalb Europas (direkt) aufgekauft. Diese unterliegen nicht so strengen Regeln wie die EZB. Die Notenbanken in den USA, Japan und Großbritannien etwa kaufen Staatsanleihen ihrer eigenen Staaten ebenso auf wie solche aus Europa. Prinzipiell bedeutet das nichts anderes, als dass die Staatsschulden durch Geldschöpfung finanziert werden.

In Deutschland ist läuft die Finanzierung der öffentlichen Haushalte noch in vergleichsweise nationalen Bahnen ab. Deutschland ist im Ausland netto nicht verschuldet, weil es mehr Güter und Dienstleistungen in den Rest der Welt exportiert als umgekehrt Waren eingekauft werden. Ganz anders ist dies in den USA:

Die Amerikaner leben seit langem über ihre Verhältnisse und importieren im Gegenzug Kapital. Kapitalimport ist eine andere Bezeichnung für Verschuldung im Ausland. Ein erheblicher Teil der Schulden des amerikanischen Staates ist deshalb – in Gestalt von US-Staatsanleihen –in der Hand der chinesischen Zentralbank.



BankingPortal24.de
18.03.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Kommentare:
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Schulden-Willi schrieb am 19.03.2010 21:37:56

Eins müssen wir doch gelernt haben in den letzten Monaten: Wann ein hochverschuldeter Staat in ernst zu nehmende Bedrängnis kommt, lässt sich nicht genau vorhersagen. Dass in Deutschland und so vielen anderen Ländern die Schuldenberge seit so langer Zeit stetig wachsen, bedeutet nicht, dass das weiter so gut geht. Schon bald können ernsthafte –berechtigte –Zweifel an der Finanzierbarkeit auch der deutschen Schulden aufkommen. Ich frage mich ohnehin schon lange, warum Deutschland als einer der besten Schuldner der Welt gilt. Es ist seit Gründung der BRD noch nie gelungen, den Schuldenstand zurückzuführen. Es wurden immer nur neue Schulden gemacht. In den fiskalpolitisch besten Jahren wurde gerade einmal die Neuverschuldung nahe Null gebracht. Daran wird sich nichts ändern: Die „Schuldenbremse“, die Herr Schäuble nun anführt, ist Makulatur. Der Begriff des „strukturellen“ Defizits sagt dazu alles - am Ende ist alles nicht strukturell, was gerade auf Pump finanziert werden muss.



Keywords: Verschuldung öffentlicher Haushalte, Staatsschulden, Schuldenberg, Europa

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