Kosmetik für die Staatsfinanzen: So hat Griechenland die EU getäuscht






   Empfehlung der Redaktion:





Komplexe Strukturen und viel Cash für Banken

Kosmetik für die Staatsfinanzen: So hat Griechenland die EU getäuscht

 Ähnliche Beiträge:

Griechenland ist der erste echte Härtetest für die Europäische Währungsunion. Das Land steht unter enormem Druck, weil die Staatsfinanzen beispiellos schlecht dastehen. Allein in diesem Jahr wird die Neuverschuldung 13 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen.

Insgesamt stehen die Griechen bald mit 130 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes in der Kreide. Der Beitritt zur Währungsunion war nur möglich, weil Banken mit komplexen Finanz-Gebilden bei der Verschleierung der Misere halfen.

Griechenland hatte unter anderem einen Deal mit der US-Investmentbank Goldman Sachs abgeschlossen. Das Prinzip: Schulden, die auf Dollar und Yen lauteten, wurden temporär in Euro umgetauscht. Der Tausch fand allerdings zu fiktiven Wechselkursen statt. Dadurch erhielt Griechenland eine sehr viel höhere Summe als den eigentlichen Gegenwert.

Im Gegenzug musste beim Umtausch zurück in die Ausgangwährungen erheblich mehr bezahlt werden. Möglich ist ein solcher "Bilanztrick" nur, weil Staaten keiner Bilanzierungspflicht unterliegen. Würde ein Unternehmen einen solchen Vertrag abschließen, müsste es die künftigen Zahlungsverpflichtungen in der Bilanz berücksichtigen und stünde nicht besser da.

Anders beim griechischen Buchungstrick: Da Staaten ihre Finanzen nach dem System der Kameralistik darlegen, zählen nur aktuelle Zahlungsströme. Fließt dem Staat in einem Jahr mehr Geld zu, verringert sich dadurch das ausgewiesene Defizit. Die dadurch entstehenden künftigen zusätzlichen Verpflichtungen werden nicht berücksichtigt.

Griechenland bediente sich auch weiterer Instrumente, um die Staatsfinanzen zu kaschieren und sich so den Zutritt zur Eurozone zu erschleichen. So wurden über mehrere eigens zu diesem Zweck gegründete Unternehmen Staatseinnahmen der Zukunft verpfändet und als Verkauf deklariert. Die Griechen ließen sich so etwa Kredit gewähren und deckten diesen durch die Einnahmen der staatlichen Lotterie oder Flughafengebühren.

Möglich waren die Tricksereien, weil die europäische Statistikbehörde erst seit einigen Jahren in der Lage ist, Kreditderivate treffend zu bewerten und derlei Kosmetik zu erkennen. Griechenland beruft sich gar darauf, dass die Gesetzeslage zum Zeitpunkt des Beitritts zum Euroraum derlei Transaktionen zugelassen habe.



BankingPortal24.de
22.02.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Kommentare:
Um selbst einen Kommentar zu schreiben klicken Sie hier

Sparfuchs schrieb am 23.02.2010 14:53:56

Unglaublich das sowas legal sein soll. Künftige Einnahmen verpfänden – wo wenn nicht in den Bankrott soll das den hinführen? Dass Griechenland scheinbar jedes Mittel willkommen war, um dem Euroraum beizutreten, zeigt doch, dass da an dem Konzept was nicht stimmt. Die Griechen konnten jahrelang nur wegen des Euros über ihre Verhältnisse leben, weil eine eigene Währung bei so einer Politik Importe drastisch verteuert hat. Aber die Nachfrage, die aus Griechenland kam, war es den anderen Staaten wohl wert. Dumm nur, dass diese die Nachfrage nun in Form von Ausfällen der Auslandsverschuldung Griechenlands auf die eine oder andere Art doch selbst bezahlen müssen. Aber was macht das schon noch aus?



Keywords: Griechenland EU getäuscht, Staatsfinanzen, Komplexe Strukturen, viel Cash für Banken

Abrufe: 483

RSS-Feed: RSS-Feed hier abonnierenabonnieren

Twitter: Folgen Sie bankingportal24 auf Twitterbankingportal24 folgen  |  Facebook: 

Schreiben Sie einen neuen Kommentar zu diesem redaktionellen Beitrag oder diskutieren Sie über dieses Thema oder andere Finanzthemen im Finanzforum. Tauschen Sie sich dort mit anderen Mitgliedern z.B. über Probleme mit Banken, Anbietern oder bestimmte Produkte aus und diskutieren Sie Ihre Meinung.

Name:
Kommentar:

Wenn Sie per eMail informiert werden möchten, wenn jemand auf Ihren Kommentar antwortet, geben Sie bitte Ihre eMail-Adresse an. Sie erhalten eine Nachricht, sobald ein neuer Kommentar geschrieben wird.

eMail-Adresse:   


Ihre IP [38.107.191.99] wird protokolliert.


Bitte tippen Sie die Zahl in das folgende Feld ein:



Zurück zur Finanz Redaktion


Affiliate Software
Als StartseiteZu den FavoritenAktuelle Seite drucken Über bankingportal24
Newsletter
Hilfe / FAQ
Kontakt
AGB
Impressum