Sarrazin: War alles eine Intrige der Bundesbank?






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Sarrazin: War alles eine Intrige der Bundesbank?

Das umstrittene Interview des mittlerweile entmachteten Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin war der Bundesbank offenbar bekannt, bevor es veröffentlicht wurde. Der Protest, der schließlich zu einer weitgehenden Einschränkung der Kompetenzen von Sarrazin im Bundesbank-Vorstand führte, ist aber offensichtlich erst geäußert worden, als die Drucklegung und Publizierung nicht mehr aufzuhalten war. Damit nicht genug: Die Bundesbank hat den ehemaligen Berliner Finanzsenator offenbar sogar zu dem Interview ermutigt. Nun werden Stimmen laut, die von einer Intrige gegen Sarrazin sprechen.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, dass das Interview mit der Zeitschrift "Lettre International", das für die großen Proteste und die hitzigen Diskussionen um den Senator und seine Aussagen geführt hat, durch die Pressestelle der Bundesbank initiiert wurde. „Das Magazin ist hochseriös und am Markt gut etabliert, so dass ich Ihnen – trotz des weitschweifigen Anschreibens – zu dem Gespräch raten möchte“. So zitiert die FAS einen Mitarbeiter der Bundesbank-Pressestelle. Der FAS liegt ein Schreiben des Mitarbeiters an Sarrazin vor. Das Interview selbst wurde dann – ohne Beisein eines weiteren Bundesbank-Vertreters - in Berlin geführt.

Sarrazin hatte in dem Interview die mangelnde Integration besonders türkischer und arabischer Teile der Bevölkerung mit scharfen Worten kritisiert. So sagte er, dass die Türken in Berlin "keine wirtschaftliche Funktion, außer den Obst- und Gemüsehandel" hätten. Darüber hinaus vertrat er die Ansicht, dass "die Türken Deutschland genauso erobern, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate." Sarrazin forderte weiter: "Generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer." Diese und andere Passagen des Interviews hatten die Debatten nicht nur um den Ex-Senator, sondern auch um die Integration von Ausländern in Deutschland und den öffentlichen Umgang damit angeheizt.

Unklar ist derzeit, wann das Interview in welcher Fassung bei welchem Verantwortlichen auf dem Tisch gelegen hat. Sarrazin hatte das Interview in der Erstfassung – wie bei der Bundesbank üblich – dem Pressesprecher Benedikt Fehr vorgelegt. Dieser soll daraufhin vor Protest von muslimischen Instanzen gewarnt haben. Sarrazin änderte das Interview daraufhin an einigen Passagen ab und legte es erneut vor. Fehr soll die neue Fassung als zwar "höchst provokant, aber nicht diskriminierend" bezeichnet haben.

Bundesbank-Chef Axel Weber, der in einer für Zentralbank sehr unüblichen Art und Weise auf die Entmachtung Sarrazins hingewirkt hatte, soll seinen Protest erst mitgeteilt haben, als das Interview bereits im Druck war. Das berichten übereinstimmend die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Magazin "Der Spiegel". Die Bundesbank weist diese Vorwürfe zurück und behauptet, das Sarrazin noch rechtzeitig über die ablehnende Haltung informiert worden sei.

Die unklaren Ereignisse und die sich widersprechenden Darstellungen haben zu Spekulationen um eine mögliche Intrige geführt. Insbesondere mutet es seltsam an, dass die Bundesbank-Pressestelle Sarrazin zu einem solchen Interview –der Titel lautete "Berlin auf der Couch" ermuntert hat. Sarrazin war bereits in der Vergangenheit durch provokante Äußerungen aufgefallen.

Nun wird spekuliert, dass die Initiative von Bundesbank-Chef Axel Weber ausgegangen sein könnte, auch wenn es dafür bislang keine triftigen Hinweise gibt. Weber hat seit der Ernennung Sarrazins zum Bundesbank-Vorstandsmitglied keinen Hehl daraus gemacht, dass er dem SPD-Politiker nicht positiv gegenübersteht.



BankingPortal24.de
21.10.2009

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Keywords: Sarrazin, Finanzsenator Thilo Sarrazin, Bundesbank-Vorstand Sarrazin, Interview, Intrige Bundesbank

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Kommentare:
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Peter C. schrieb am 21.10.2009 22:08:18

Na das wärs ja noch -die Bundesbank leiert das Interview an, um ein Vorstandsmitglied rauszukegeln. Ganz egal, was jetzt mit Sarrazin wird: Es ist positiv zu sehen, dass eine Mehrheit in d er Bevölkerung keinen Bock mehr auf Tabu-Themen hat, bei denen offensichtlich ist, dass nur der verbliebene Teil der produktiven Kräfte im Land draufzahlt. Der Sarrazin hat eines im Interview sehr gut gesagt: Wir stehen vor genug großen Problemen, als dass wir uns noch ein importierte zweite Underclass halten könnten, die viel Geld kostet und auf lange Sicht auch destabilisierend wirkt!




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