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Sarrazin erhitzt die Gemüter
Der Bundesbank-Vorstand und ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) erhitzt die Gemüter. Das Interview von Sarrazin mit dem "Lettre International" in der vergangenen Woche hat eine Welle der Empörung in Gang gebracht. Bundesbank-Chef Axel Weber legte Sarrazin indirekt den Rücktritt nahe und in der SPD wurden bereits Stimmen laut, die den Parteiausschluss Sarrazins fordern. Auch die Türkischen Gemeinde in Deutschland übte harsche Kritik an den Äußerungen des Bundesbank-Vorstands.
Sarrazin hatte in dem Interview mit markigen Worten die Integrationspolitik kritisiert und dabei speziell die Situation in der Hauptstadt Berlin aufs Korn genommen. In dem Interview äußerte er die Ansicht, dass erhebliche Teile der arabisch- und türkischstämmigen Bevölkerung Berlins weder willens noch in der Lage seien, sich zu integrieren. Er äußerte weiterhin die Ansicht, dass 20 Prozent der Bevölkerung Berlins keine ökonomische Funktion hätten. Sarrazin sagte, es gebe eine große Zahl von Türken und Arabern in Berlin, die keine produktive Funktion hätten, "außer für den Obst- und Gemüsehandel". Die Größe dieser Personengruppe habe durch falsche Politik zugenommen.
Sarrazin führte weiterhin an, dass 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Deutschland "den Staat ablehnen" und zudem nicht für eine vernünftige Ausbildung ihrer Kinder sorgten. Er sieht die Lösung des Problems in einem Stopp des Zuzugs. Zudem solle gelten, dass "wer heiraten will", dies „im Ausland tun“ solle. Sarrazin sprach zudem von "türkischen Wärmestuben", die Berlin nicht voranbrächten. Nichtleistungsträgern müsse vermittelt werden, dass sie „ebenso gut woanders nichts leisten können“.
Die Äußerungen Sarrazins haben in SPD und CDU zu distanzierenden Statements geführt. Die ehemalige Ausländerbeauftragte in Berlin, Barbara John, sagte dazu: "In vielen Formulierungen und in den dahinter liegenden Gedanken offenbart er sich nicht nur als bornierter Ignorant, was zum Beispiel Integrationsverläufe angeht, sondern vor allem als ein unmenschlicher Verurteiler, und das erschreckt und verstört tief."
Nicht alle Beobachter aber gehen so weit. Berlin-Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der ebenfalls Mitglied in der SPD ist, äußerte sich enttäuscht darüber, dass Sarrazin die Diskussion "ethnisiert" habe. Nun sei ein sachlicher Umgang mit den Äußerungen nicht möglich. Buschkowsky wies darauf hin, dass das Interview im "Lettre National" sehr lang und ausführlich gewesen sei und dass viele Stellen zum Nachdenken anregen sollten. Er gehe davon aus, dass die meisten Menschen das gesamte Interview überhaupt nicht gelesen hätten, so dass sich die Diskussion nun auf einige wenige Aussagen beziehe.
Dass die Äußerungen des Bundesbankvorstands in der Bevölkerung nicht nur Kritik, sondern auch Zustimmung – zumindest in der Sache- hervorrufen, zeigt sich an den vielen Kommentaren und Diskussionen, die im Internet zu finden sind. Kernaussage vieler Statements hier: Sarrazin sagt die Wahrheit und das erscheint vielen in der Politik unbequem.
Berlin ist unzweifelhaft eine der ärmsten Hauptstädte Westeuropas. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch und es haben sich Nischen- und Parallelgesellschaften gebildet. In einigen Bezirken ist zudem die Kriminalität sehr hoch.
Sarrazin selbst will offenbar nicht aus dem Vorstand der Bundesbank zurücktreten. Zwingen kann ihn sein Vorgesetzter Axel Weber dazu nicht. Auch ein Parteiausschluss wird nicht von allen in der SPD befürwortet: Neukölln-Bezirkschef Buschkowsky etwa sagte, die SPD würde "monoton und gesichtslos", wenn alle Querdenker ausgeschlossen würden.
BankingPortal24.de
08.10.2009
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Keywords: Sarrazin, Finanzsenator Thilo Sarrazin, Bundesbank-Vorstand Sarrazin, Interview, erhitzte Gemüter
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Kommentare:
Drückerplatte schrieb am 09.10.2009 22:45:54
@Kathi: komisch nur, dass die ablehnende haltung deutschland gegenüber immer nicht für den wohlwollenden empfang unserer sozialen leistungen gilt...
Kathi schrieb am 09.10.2009 21:27:57
Ich sehe das genauso: Im Kern hat der Mann doch Recht! Aber das Thema Integration bzw. deren Missglücken darf in Deutschland ja nicht zur Sprache kommen. Wer Berlin besucht und sich auch nur kurz abseits der Touristen-Ziele aufhält, sieht doch schnell dass es die ärmste Hauptstadt Westeuropas ist. Und die Parallelgesellschaften sind doch auch nichts neues, ebenso wenig die ablehnende Haltung vieler Immigranten gegen Deutschland. Ich hoffe, dass die Polemik, die Sarrazin möglicherweis ja bewusst gewählt hat, dazu beiträgt, dass die Debatte einmal richtig aufgenommen wird und nicht immer alle aus falschverstandenem Anstand gute Miene zum bösen Spiel machen.
Drückerplatte schrieb am 08.10.2009 16:03:05
eins vornweg: thilo sarrazin hat - wenn man das interview als ganzes liest und nicht nur fragmente - vollkommen recht.
das problem: ebenso wie die rechten sind solche äusserungen, bei denen gleich erstmal fremdenfeindlichkeit unterstellt wird, mal wieder ein schöner kauknochen für die demokratie. hier können sich hinz und kuntz mal wieder fürstlich eschoffieren und meinen einen dummen gefunden zu haben auf den sie draufhauen können. und die politiker? die lachen sich ins fäustchen, weil mal wieder keine sau über die wahren probleme redet.
was nehme ich für mein nächstes leben - dann als politiker - mit? ein bisschen npd, ein wenig sex, etwas fussball und eine menge sarazins, dann kann ich machen (oder besser) lassen was ich will und "vox populi xox rindvieh" zerreist sich über erstgenanntes das maul...
super!
tsch47 schrieb am 08.10.2009 14:01:01
Mag sein, dass Sarrazin sich ein wenig im Ton vergriffen hat... Aber: Recht hat er!


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