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Ein Jahr nach Lehman: Zertifikate sind wieder salonfähig!
Vor einem Jahr ereignete sich der Super-Gau der globalen Finanzwelt: Mit dem US-Investmenthaus Lehman Brothers brach ein Riese der Wall Street zusammen. In der Folge eskalierte die Finanz- und Wirtschaftkrise. Neben globalen Konjunkturprogrammen und einer beispiellosen Lockerung der Geldpolitik rund um den Globus mussten deutsche Anleger ganz konkrete Verluste verkraften. Etwa 40.000 deutsche Investoren hatten Zertifikate von Lehman gekauft, die durch die Insolvenz des Geldhauses wertlos wurden.
Wer nun glaubt, die Zeit von Zertifikaten sei mit diesem Ereignis abgelaufen, sehe sich eines Besseren belehrt: Nur 12 Monate nach dem Kollaps scheinen Zertifikate wieder salonfähig zu sein. Das jedenfalls legen Umfragen unter Vertriebsmitarbeitern der Banken nahe. Auch wenn Kunden heute keine "Zertifikate" mehr angeboten werden, sondern der Berater gerne von einer "Anleihe" spricht: Hinter beiden Produkten verbirgt sich eine Inhaberschuldverschreibung, die bei einer Insolvenz des Emittenten wertlos wird.
Deutsche Anleger halten derzeit rund 85 Mrd. Euro in Anlage- und Hebelzertifikaten. Die auch als strukturierte Produkte bezeichnete Anlagegattung ist für Banken außerordentlich lukrativ: Durch die oft sehr komplexen Strukturen lassen sich hohe Margen leicht verstecken. Sowohl die Banken als auch deren Berater kassieren somit eine kräftige Provision, wenn sie Kunden zum Kauf bewegen.
Die Zertifikate von Lehman konnten prinzipiell über fast jede deutsche Bank erworben werden. Auffällig ist jedoch, dass der Löwenanteil der geschädigten Anleger von vier Banken beraten wurde. Etwa die Hälfte des Volumens, das nun in der Insolvenzmasse von Lehman verschwunden ist, entfällt auf Kunden der Citibank. Rund 20 Prozent gehen auf das Konto der Dresdner Bank und jeweils sechs Prozent der Investments wurden von Kunden der Hamburger bzw. der Frankfurter Sparkasse gezeichnet. Diese Banken haben offenbar mit besonders großem Druck in ihren Vertriebsabteilungen den Verkauf gefördert.
Auch wenn Zertifikate wieder Platz in den Angebotspaletten deutscher Banken finden: Wer das Emittentenrisiko umgehen will, muss von diesen Investments Abstand nehmen. Soll in ein Zertifikat investiert werden, muss dieses einen klaren Mehrwert gegenüber vergleichbaren Anlagen ohne Emittentenrisiko bieten- sonst ist vom Kauf abzuraten.
BankingPortal24.de
16.09.2009
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Keywords: Lehman, 1 Jahr nach Lehman Zusammenbruch, Zertifikate, Zertifikate Vertrieb
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Kommentare:
Will E. schrieb am 21.09.2009 18:21:23
Der deutsche Anleger lässt schön weiter alles mit sich machen. Das muss an dieser Stelle auch einmal gesagt werden, bei all der schlechten und provisionsgierigen Beratung durch Banken sind Anleger dich zum Teil selbst schuld, wenn sie auch nach dieser beispiellosen Krise und den ganzen Skandalen blind ihrem Banker vertrauen. Womit ist dieses Vertrauen gerechtfertigt? Ich kann nur jedem empfehlen: Wer kein Geld hat, sollte sich auf Tagesgeld bei großen deutschen Banken beschränken, weil da nichts schief gehen kann. Wer Geld hat, sich aber nicht damit auskennt, lässt sich am besten von einem Honorarberater beraten. Der kostet zwar erst etwas Geld- dafür berät er aber und verkauft nicht nur. Die Provisionen, die ein Honorarberater von Banken bekommt, zahlt er an seine Kunden aus. Das Modell sehe ich als die einzig ernst zu nehmende Beratung in der Zukunft an!


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