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Finanzkrise und kein Ende
Die Finanz- und Wirtschaftskrise will offenbar kein Ende nehmen – eine Talsohle jedenfalls ist nicht in Sicht. Die deutschen Exporte sind im Januar um 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden handelt es sich dabei um den stärksten Rückgang seit dem Jahr 1993, als die Ausfuhren um etwas mehr als 21 Prozent sanken. Der Export ist für die deutsche Wirtschaft von enormer Bedeutung: Er macht mit über einer Billion Euro im Jahr einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsproduktes aus. Bereits im November und Dezember waren die Ausfuhren massiv zurückgegangen. Deutschland trifft es allerdings nicht so stark wie Japan: Dort brachen die Exporte um sage und schreibe 50 Prozent ein.
Ein Ende der Abwärtsdynamik scheint zunächst noch nicht in Sicht. Analysten rechnen deshalb damit, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal noch deutlich stärker schrumpft als im vierten Quartal 2008, als das BIP um 2,1 Prozent zurückging. Die Auswirkungen der Finanzkrise sind längst bei den Bürgern angekommen. Kurzarbeit und Entlassungen nehmen dramatisch zu, auch wenn ein Kollaps des Arbeitsmarktes bislang nicht abzusehen ist.
Wie stark die Arbeitslosigkeit zunehmen wird, hängt nach Einschätzung von Volkswirten maßgeblich davon ab, wie lange der Abschwung noch dauert. Die von der Bundesregierung im Rahmen des ersten Konjunkturpaketes vom Oktober verlängerte Kurzarbeiter-Regelung federt die Auswirkungen der Finanzkrise noch ab, weil Unternehmen damit rechnen, dass sich ihre Auftragslage zum Ende des Jahres hin bessert und deshalb keine Entlassungen tätigen.
50 Billionen Dollar haben sich in Luft aufgelöst
Wer die Entwicklungen rund um die Finanzkrise verfolgt, sieht sich seit geraumer Zeit mit unvorstellbaren Größenordnungen konfrontiert. Eine ganz neue Dimension haben die Untersuchungen der Asiatischen Entwicklungsbank ergeben: Das Institut rechnet in einer Studie vor, dass die Finanzkrise weltweit Anlagevermögen im Gegenwert von 50 Billionen US-Dollar vernichtet hat. Das entspricht in etwa dem weltweiten Bruttoinlandsprodukt von einem ganzen Jahr. Die Untersuchung zeigt, welch dramatische Ausmaße die Finanzkrise angenommen hat. Die Weltbank schlägt in die gleiche Kerbe: Sie rechnet damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Ende des zweiten Weltkrieges schrumpfen wird.
Hoffnung setzen viele Volkswirte derzeit in die Konjunkturprogramme, die Regierungen weltweit zur Stützung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage aufgelegt haben. Ob und wann diese wirken, ist Kritikern zufolge jedoch unklar. Bislang jedenfalls ist – von einigen Sonderfällen wie der gesteigerten Nachfrage nach bestimmten Kleinwagen im Zuge der staatlichen Abwrackprämie – von einer Stabilisierung nichts zu spüren. Auch die geldpolitischen Anstrengungen der Notenbanken, die die Leitzinsen im Euroraum, in den USA und im Vereinigten Königreich auf Rekord-Tiefs gesenkt haben, verpufften bislang wirkungslos.
In Europa drohen Staatspleiten
Die Finanzkrise bringt nicht nur Weltkonzerne zu Fall, sondern bedroht auch Staaten in ihrer Zahlungsfähigkeit, In Ungarn musste der Internationale Währungsfonds bereits mit einer Milliarden-Spritze einspringen, um den Staatsbankrott zu verhindern. Nahezu alle Staaten in Osteuropa sehen sich ernst zu nehmenden Schwierigkeiten gegenüber – mit Rumänien hat am heutigen Tage ein weiterer Staat die Europäische Gemeinschaft um Hilfe gebeten.
Selbst das als sehr guter Schuldner geltende Österreich muss mittlerweile deutliche Risikoaufschläge für Staatsanleihen zahlen. Irland, Griechenland, Spanien und Portugal sehen sich ebenfalls wachsenden Problemen gegenüber. Wo all diese negativen Entwicklungen enden werden, weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemand. Es bleibt zu hoffen, dass die Abwärtsspirale irgendwann endet und sich Licht am Ende des Tunnels zeigt, das nicht das des entgegenkommenden Zuges ist.
BankingPortal24.de
10.03.2009
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Keywords: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Wirtschaft, Einbruch, Analysten, Abwärtsdynamik
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