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Kommt bald die große Inflation?
Die Größenordnungen, die dem geneigten Beobachter der weltweiten und beispiellosen Finanz- und Bankenkrise derzeit geboten werden, sind schlicht und einfach beängstigend: Die Bundesregierung geht davon aus, dass in den nächsten Jahren fast 300 Milliarden Euro neue Staatsschulden gemacht werden müssen. Vorausgesetzt, die Verpflichtungen durch das Engagement des Bundes bei der angeschlagenen Hypo Real Estate, deren Geschäfte ein Volumen von rund 1000 Milliarden Euro verzeichnen, müssen nicht eingelöst werden. Für die Finanzbranche wurde ein Rettungsschirm über 500 Milliarden Euro aufgelegt, Unternehmen sollen mit weiteren 100 Mrd. Euro gestützt werden. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass Deutschland mit seinen Problemen nicht allein steht. Die Nettoneuverschuldung der USA wird in diesem Jahr bei 1300 Milliarden Dollar liegen. Rund um die Welt werden Konjunkturprogramme aufgelegt, die die Rezession mildern sollen. Die Zinsen wurden in vielen Währungsräumen auf historische Tiefstände gedrückt und die Notenbanken in den USA und Großbritannien drucken seit Neuestem frisches Geld, um die Wirtschaft zu stützen.
Die Aktivitäten in der Geld- und Fiskalpolitik könnten schon bald Einfluss auf die Inflation nehmen und diese massiv nach oben treiben. Das Hamburger Institut für Weltwirtschaftsforschung hält für die Zeit nach 2010 eine jährliche Teuerungsrate von fünf bis zehn Prozent für möglich. Das viele Geld, das in diesen Tagen geschöpft wird, sieht sich einen unverändert großen bzw. – nach den derzeitigen Prognosen – geschrumpften Gütermenge gegenüber. Die logische Konsequenz: Das Austauschverhältnis zwischen Güter- und Geldeinheiten ändert sich. Mit anderen Worten steigen schlicht die Preise für alle Güter und Dienstleistungen in der Volkswirtschaft.
Inflation trifft den Normalbürger. Sie vernichtet Geldvermögen von Anlegern und setzt Konsumenten einem Umfeld steigender Preise aus. Um keinen Kaufkraftverlust von Vermögen und Einkommen zu erleiden, müssen Anleger mit ihren Investments Renditen erzielen, die auch nach Steuern größer ausfallen als die Teuerungsrate. Konsumenten müssen einen Anstieg ihres Einkommens durchsetzen, der die Inflation aufwiegt. Auch hier spielt der Staat eine bedeutende Rolle, da durch die „kalte Progression“ der Bruttozuwachs unrealistisch hoch ausfallen muss, damit die Kaufkraft unter dem Strich zumindest konstant bleibt.
Für Anleger ist das Zinsniveau, das in inflationären Zeiten vorherrscht, von Bedeutung. Im günstigsten Fall werden die Zinsen so stark erhöht, dass sich trotz Geldentwertung noch ein reales Plus erzielen lässt. Wer von einem solchen Szenario ausgeht und sichere Anlagen ohne Kursrisiko schätzt, sollte derzeit Abstand von langfristigen Bindungen bei der Geldanlage nehmen und sich flexibel Positionen.
Tagesgeldkonten und Termingelder mit einer Laufzeit von nicht mehr als 18 Monaten sind das Mittel der Wahl. Wer sich in Sachen Finanzen etwas besser auskennt, kann auch durch geeignete Instrumente der Geldvernichtung vorbeugen: Inflationsindexierte Anleihen etwa, deren Kupon sich am amtlich gemessenen Preisindex ausrichtet, versprechen wirksamen Schutz. Inflationsderivate sind zwar mittlerweile ebenfalls erheblich, aufgrund ihrer Komplexität und den sehr spezifischen Risiken für Privatanleger in der Regel ungeeignet.
In einem Szenario, in dem die Zinsen trotz anhaltend hoher Inflation nicht steigen – etwa weil Staat und Notenbank aufgrund hoher Verschuldung an einer Geldentwertung interessiert sind – hilft nur der Einstieg in Sachwerte. Dies können Aktien, Immobilien oder Rohstoffe gleichermaßen sein. Kursrisiken sind dabei die Regel – aber dennoch sie bessere Alternative als ein Kaufkraftverlust des Vermögens von fünf oder zehn Prozent im Jahr durch Inflation.
Noch ist unklar, ob die große Inflation tatsächlich kommt. Viel wird davon abhängen, ob die Geldmengen, die derzeit geschöpft werden, nach der Krise tatsächlich in Bewegung geraten werden. Derzeit ist Inflation kein Thema – für den Normalbürger bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt.
BankingPortal24.de
25.02.2009
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
Keywords: Finanz- und Bankenkrise, Notenbanken, Finanzbranche, Inflation
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