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Der Ölpreis klettert ohne Ende
Wer hin und wieder mal zur Tanke muss, kennt es sicher, dieses Kribbeln im Nacken, erzeugt von einem Grusel beim Blick auf die horrenden Preise. In der letzten Woche ist der Preis gleich viermal gestiegen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Aller Orten hört man die Schelte auf Spekulanten, die es sich zum Ziel gemacht haben, den Preis pro Fass (159 Liter) Rohöl auf erst 100 Dollar (USD), und wenn das geschafft ist, auf 120 USD zu treiben, um danach kräftig absahnen zu können. Aber ist das wirklich der einzige Grund? Weit gefehlt, denn hier kommt so einiges zusammen, das den Preis aufquellen lässt.
Krisen
Natürlich sind hier Streitigkeiten und kriegerische Auseinandersetzungen mit den Ölförderländern zu nennen. Das war schon immer so und wird auch so bleiben: Wenn es in Ölförderregionen funkt, steigt der Preis sofort an, weil Ölknappheit befürchtet wird. Ob es tatsächlich auch so ist, macht keinen Unterschied. Allein die Angst, es könnte nicht mehr genug Öl da sein, treibt den Preis nach oben.
Eine solche Situation haben wir jetzt wieder, genauer gesagt: mehrere. Da ist zunächst einmal der Stunk zwischen Busch und dem Iran im Atomkonflikt. Und der Iran steht an vierter Stelle bei den Ölförderländern. Das macht sich nicht gut an der Zapfsäule. Auch der kurdisch-irakische Grenzstreit trägt sein Teil dazu bei. Und dass die Amerikaner im Irak sind, ist für das Portemonnaie von uns Autofahrern auch nicht gerade ein Segen, denn hier ist die Förderung erheblich zurückgegangen.
Auch wetterbedingte Krisen sind Faktoren, wenn sie die Förderung stören. Hier sind aktuell die derzeitigen Überschwemmungen in Mexiko zu nennen.


Nachfrage
Die USA ist der weltweit größte Verbraucher in Sachen Erdöl. China steht mit nur einem Drittel dieses Verbrauchs auf Platz zwei. Aber die Motorisierung, die in Schwellenländern wie China gerade beginnt, treibt den Verbrauch an. Schon 2010, so die Prognosen, könnte China die USA in ihrer Anführerrolle überholen.
Kapazitäten der Raffinerien
Es sind nicht genug Kapazitäten da, um dem steigenden Bedarf an Treibstoff gerecht zu werden. Unerwartete Produktionsausfälle, gepaart mit zu wenigen Investitionen in den USA haben zu einem Engpass geführt, der durch die Hurrikans 2005 noch verstärkt wurde. Dies aufzuholen ist bisher nicht gelungen.
Fördermenge
Die OPEC (Gemeinschaft Erdöl exportierender Länder) hat es seit jeher in der Hand, durch Festlegen der Fördermengen in die Weltwirtschaft einzugreifen. Allein die Ankündigung einer Drosselung der Förderungen wirkt sich auf den Ölpreis aus. Als 2006 der Preis in die Knie ging, wurde gedrosselt, um einen weiteren Preisverfall zu stoppen. Inzwischen wurden die Fördermengen wieder erhöht, jedoch ohne nennenswerte Auswirkungen auf den Ölpreis, da sie immer noch zu gering sind. Ein zu hoher Ölpreis ist allerdings ein Dämpfer für die Wirtschaft und könnte langfristig wiederum sinkende Preise nach sich ziehen, was von der OPEC natürlich nicht gewollt ist. Feingefühl ist hier gefragt.
Spekulationen
Selbstverständlich sind auch Spekulanten am Werk, die auf steigende Preise hoffen, um einen anständigen Reibach zu machen. Wer hier mitmachen möchte: Rein in die Ölfonds, die rasant ansteigen, und mit dem abgesahnten Gewinn billig tanken. Dann passt es wieder.
Der schwache Dollar
Der schwache Dollar stachelt Anleger aus Nicht-Dollar-Ländern an, die den Rohstoff günstig einkaufen und auf Halde legen können. In Deutschland profitieren wir vom starken Euro, sonst würden wir noch mehr für Benzin und Diesel zahlen.
Sinkende Lagerbestände
Auch das ist ein Punkt, der die Amerikaner zum Schwitzen bringt. Die Lagerbestände sinken immer weiter und sind auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren angekommen.
Das alles sind Faktoren, die am Ölpreis drehen. Nicht nur die Pendler trifft es hart, auch die Speditionen klagen über die katastrophale Preissteigerung. Kleine und mittelständische Unternehmen ächzen unter der Kostenlast. Die Treibstoffpreise gehen bei vielen von ihnen mit 25% der Gesamtkosten in die Bücher ein. Angesichts dieser Lage haben Automobil- und Wirtschaftsverbände bei Kanzlerin Merkel um einen "Benzin-Gipfel" nachgefragt. Immerhin sind ein paar nette Steuerpakete auf den Spritpreis gedübelt, und MWSt, Mineralöl- und Ökosteuer machen ordentliche 88 Cent pro Liter aus. Über die Hälfte fließt also unserem Kassenwart in den gierigen Rachen. Dass es auch anders geht, beweisen die umliegenden Staaten, die mit viel weniger Steuern zurecht kommen und den Sprit billiger verkaufen. Leider ist es bei unseren "Staatsdienern" noch nicht angekommen, dass geringere Steuern mehr bringen als hohe. Gerade die Ökosteuer ist in diesen Tagen völlig fehl am Platz. Angeblich soll sie die Autofahrer zum Spritsparen ermuntern, was angesichts der aktuellen Preislage sowieso gegeben ist. Unter dem Strich dürfte der wahre Grund die Raffgier des Staates sein. Dass die den Autofahrern abgezapften Steuern nur zu 20% in den Straßenbau fließen, ist eine weitere unglaubliche Frechheit. Dass Merkel an einem Gipfel nicht interessiert ist und lieber mit Freund George auf seiner Ranch in Texas grillt, zeigt, wie viel ihr an den Nöten der deutschen Motoristen liegt. Von Arbeitslosen wird verlangt, dass sie auch Jobs jenseits der 50-Kilometer-Grenze annehmen. Was aber bei diesen Preisen für eine Arzthelferin mit 950 € netto hängen bleibt, interessiert niemanden. Obendrein wird die Pendlerpauschale gekürzt, und demnächst will die Bundesregierung noch eins draufsetzen. Dann soll nämlich die Beimischung von Biosprit verstärkt werden. Die höheren Produktionskosten werden Sprit und Diesel dann noch einmal "leicht" erhöhen, räumte das Umweltministerium ein. Mit 8-12 Cent pro Liter Diesel oder Benzin werden wir dabei sein.
Wer sagt denn, dass die Regierung handlungsunfähig sei? Beim Erhöhen klappt es doch wunderbar, egal ob Steuern, Spritpreise oder Diäten.
BankingPortal24.de
12.11.2007
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
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 Keywords: Ölpreis, Krisen, Nachfrage, Kapazitäten, Fördermenge, Spekulationen, Lagerbestände
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