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Ja, was ist denn an der Börse los?
Nachdem der DAX im vergangenen Juli das Gipfelkreuz vom März 2000 passiert hat, geht es jetzt wieder in die Senke. Damals herrschte Euphorie, als der DAX in Frankfurt 8.136 Punkte auf die Tafel brachte.
Und erst der Neue Markt (Gott hab ihn selig). Das war doch glatt eine Gelddruckmaschine. Wer da sein Geld investierte, konnte mitunter zwischen 1996 und 2000 10.000% (!!!) machen und mit ein paar investierten Groschen Millionär werden, vorausgesetzt, der rechtzeitige Ausstieg fand statt. Andere, die zum Beispiel den kriminellen Machenschaften des TV-Senders EM.TV und deren frech grinsenden Vorstandbrüdern Haffa auf den Leim gegangen und drin geblieben waren, dürften das aus einer anderen Perspektive betrachten. Der überschäumende Optimismus war also ein schlechter Ratgeber.
Aber die Bibel sagt ja: Auf sieben fette Jahre folgen sieben magere Jahre. Und tatsächlich, so lange sollte es dauern, bis dato die alten Rekorde wieder eingestellt wurden. Der mühselige Weg dahin war mit drei Baisse- und vier Haussejahren bestückt. Dass die Anleger aber jetzt entzückt und aus dem Häuschen wären, kann nicht bestätigt werden, denn die Stimmung ist gedrückt. Die schlimmen Erfahrungen der letzten schweren Baisse hat die Aktienanleger regelrecht traumatisiert. Keiner, der seinen Geldberg ins Loch rutschen sah, will das noch einmal durchmachen. Selbst die vier Jahre Hausse mahnen zur Vorsicht: Wenn die Aktienkurse solange gestiegen sind, sagen sich viele, muss die Zeit für einen Trendwechsel ja bald in Sicht sein, oder nicht? Schon schallen die Unkenrufe: Es geht wieder bergab.


Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Oder war gar nicht die Angst dafür verantwortlich, dass die Kurserholung seit 2003 von den meisten Anlegern schlecht genutzt wurde? Skeptiker, Übervorsichtige und Zurückhaltende waren am Werk und sind es immer noch. Als der DAX an der 8100er Glocke klingelte, wurden böse Erinnerungen an das Jahr 2000 wach. Das Kursniveau wird als hoch empfunden, und mit dem Wissen von heute ist klar: Damals war es der richtige Moment, um zu verkaufen, und der schlechteste, um die Depots zu stopfen. Das soll auf keinen Fall mehr passieren, denken sich die Geprellten. Also raus aus den Aktien und warten, dass die Kurse endlich fallen. Ein Teil der Pessimisten ist sogar so von einem Rückschlag überzeugt, dass sie auf fallende Kurse wetten. Dabei wissen wir doch inzwischen, dass Aktien und Aktienfonds sich hervorragend als Langzeitanlage anbieten.
Ach, wie lacht das Herz, wenn ich monatlich solche Werte kaufe, und die Kurse sinken. Dann bekomme ich doch endlich wieder mehr Anteile für mein Geld, und diese werden beim nächsten Anstieg mit nach oben genommen. Diese Phänomen ist bekannt unter dem Namen „Cost Average Effect“. Gibt es noch mehr Menschen unter den Lesern, die sich ein breites Grinsen nicht verkneifen können, wenn die Kurse mal wieder abschmieren? Das können dann doch nur Langzeitanleger und monatliche Sparer sein. Und für diese Gattung Mensch haben wir hier ein paar Nachdenkmomente, warum die Aktienkurse bröckeln KÖNNTEN. Wohl gemerkt, es ist keine Prophezeiung. Geht man nämlich nach den Prognosen der zahllosen Analysten auf dem Markt, dann gibt es für alle Gründe auch alle Erklärungen. Der beste Analyst ist man immer noch für sich selbst. Fühlen Sie sich wohl bei Ihrer Entscheidung. Das ist wichtig.
Die Gründe also, die die Aktienkurse drücken könnten und nach denen sich die Pessimisten alle Finger lecken:
1. Die Weltwirtschaft wird gerüttelt
Der erneut steigende Ölpreis ist nicht gerade mit Freude zu betrachten, es sei denn, die eigenen Gelder liegen in einem Ölfond, der davon profitiert. Aber selbst dann lassen die steigenden Preise an den Tankstellen und beim Heizölhändler wenig Platz für Jubel. Und wenn uns dann noch einfällt, dass der Fiskus die ersten 20 Kilometer zur Arbeit nicht mehr sponsern will, kommt uns glatt der Kümmel.
Aber der Ölpreis ist nicht alles. Wir haben es letztens in den redaktionellen Beiträgen gelesen: In den USA schwelen nicht nur die Wälder nach den Bränden, sondern auch der Hypothekenmarkt tut es, und das nicht, weil die Immobilien brannten. Die Krise, in die auch die Mittelstandsbank IKB und der Förderklub KfW involviert sind, könnte eskalieren.
Zudem müsste der schwache US-Dollar den europäischen Exportunternehmen eigentlich die Geschäfte vermiesen. Nicht zu unterschätzen: Inflationsgefahren dürften weiter steigende Zinsen nach sich ziehen. Schauen Sie doch nur, was Aldi, Lidl und Co., denen von den Länderregierungen Preisabsprachen vorgeworfen werden, mit unserer guten deutschen Butter machen. 50% Preiserhöhung, das klingt ja schon fast nach den 1920ern.
2. Der US-Dollar schmiert weiter ab.
Ja, er hatte sich zwischendurch mal erholt. Aber die Genesungsphase dauerte nur von Anfang Mai bis Mitte Juni, als der Dollar bei 1,326 pro Euro lag, was magere 0,754 Euro für einen Dollar entspricht. Jetzt schwächelt die amerikanische Während wieder und sackte zuletzt und zum ersten Mal unter 0,73 Euro. Was waren das noch für Zeiten, als für einen Dollar 5 Mark hingelegt wurden. Heute bekommen wir für einen Euro 1,38 Dollar im Sonderangebot. Hauptgrund für
die Schwäche der US-Währung sind insbesondere die hohe Verschuldung der Amerikaner und ihr Leistungsbilanzdefizit. Oder ist es unsere gute alte Deutsche Bundesbank, die mit ihren Know How die Europäische Zentralbank (EZB) unterstützt? Wer weiß…
Wo wir gerade bei der EZB sind: Der Zinsvorsprung des Dollars gegenüber dem Euro schmilzt ebenso dahin. Ben Bernanke, besser bekannt als US-Notenbank Nachfolger von Alan Greenspan, hat schon längere Zeit keine Notwendigkeit mehr für Leitzinserhöhungen gesehen. Überhaupt verhält er sich ziemlich still. Oder kannten Sie den Namen?
3. Der Yen bröckelt
Auf der anderen Seite der Welt ist es noch kribbeliger, denn wenn der Dollar schon schwächelt, dann ist der japanische Yen nur noch so weich wie ein Schokotaler. Nach einer Seitwärtsbewegung zwischen 2003 bis Ende 2005 geriet die japanische Währung in einen Abwärtstrend. Zuletzt waren 170 Yen für einen Euro gefragt – mehr als je zuvor. Sogar gegen den US-Dollar verlor der Yen von März bis Juni 7 % an Wert. Aber im Land der aufgehenden Sonne ist es nicht die kranke Wirtschaft, die dem Geld den Saft abdreht. Hier sind allein die niedrigen Zinsen für das Überangebot an Yen verantwortlich. Dieses zieht clevere Anleger an, die sich für weniger als 3 % Jahreszinsen in Japan "billiges Geld" holen und es in lukrative Anlagen stecken. Dazu werden die geliehenen Yen auf den Devisenmärkten in andere Währungen getauscht. Das hohe Yen-Angebot drückt den Devisenkurs richtig schön tief runter.
Was da passiert, wird "Carry Trades" genannt. Diese Carry Trades sind für die Manager von Hedgefonds sehr interessant. Aber „was die können, kann ich auch“, dachten sich wohl über 600.000 Japaner, die auf der gleichen Welle mit reiten wollen und entsprechende Konten geöffnet haben. Wie beim Shorting (Redaktioneller Beitrag folgt) kann der Schuss aber auch schön nach hinten losgehen, denn diese„Carry Trades“ sind keineswegs risikofrei: Wenn der Yen steigt, wandeln sich die Gewinne ruck-zuck in Verluste um, denn die Kredite müssen ja irgendwann in Yen zurückgezahlt werden. Das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage bekommt dann andere Vorzeichen. Diese Sorge hatte schon im vergangenen März die Devisenmärkte bewegt, trat aber später wieder in den Hintergrund.
Wem immer wir auch den festen Euro zu verdanken haben: Für uns Europäer legt er einen Deckel auf den Ölpreis und andere Rohstoffe. Da nutzen auch keine Unruhen in Nigeria und keine gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt, um uns mit einem Ölpreis von zuletzt 75 Dollar pro Barrel zu zermürben. Außerdem, wie oben bereits erwähnt, gibt es ja Energiefonds, also Branchenfonds für Öl- und Gaskonzerne, die davon profitieren.
4. Begriffe wie Unternehmenssteuerreform und Abgeltungssteuer schwängern die Luft. Kaum ist die Abgeltungssteuer beschlossene Sache (und uns einen redaktionellen Beitrag wert – in Kürze) da kursieren schon erste Gerüchte über mögliche Nachbesserungen im Herbst. Ob und wann sie kommen und was sie regeln könnten, bleibt Spekulation. Da müssen wohl die nächsten Monate abgewartet werden. Es stellt sich auf jeden Fall die Frage, was der Gesetzgeber wohl vorhaben wird. Vielleicht sind ihm bei neuerlicher Durchsicht kreative Gestaltungsspielräume aufgefallen und nun ein Dorn im Auge? Vielleicht liegen auch Klagen in der Luft, wegen möglicher Verfassungsverstöße :o)) Lassen wir uns überraschen.
Lesen Sie auch den zweiten Teil unseres Berichts „Ja, was ist den an der Börse los? Und die Panik geht weiter“
Betätigen Sie diesen Link: Ja, was ist den an der Börse los? Und die Panik geht weiter
BankingPortal24.de
08.08.2007
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
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 Keywords: Börse, Aktien, Aktionäre, Dax, Yen, US-Dollar, Weltwirtschaft, Aktienkurse, Neue Markt
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