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Ein Mythos wird 50 - Herzlichen Glückwunsch, Deutsche Bundesbank
Am 1. August 2007 begeht die Deutsche Bundesbank ihren 50sten Geburtstag. Bankingportal24 nimmt dieses Datum zum Anlass, der Jubilarin zu gratulieren und einen Blick auf ihr Leben zu werfen.
"Nicht alle Deutschen glauben an Gott", philosophierte EU-Präsident Jaques Delors 1992, "aber alle glauben an die Bundesbank".
Ein wahres Wort, denn was haben wir dem Geburtstagskind nicht alles zu verdanken! Als Hüterin unserer Währung stand sie für eine harte D-Mark, der weit über die Hälfte der Deutschen noch nachtrauern, mit steigender Tendenz. Und sie war das Zuhause des Wirtschaftswunders nach dem Krieg. Auch heute noch klingt deshalb das Motto zum Fünfzigsten wie in alten Zeiten: Stabiles Geld für Deutschland - und Europa.
50 Jahre wachte die Bundesbank über das Geld in Deutschland, und seit 1999 zusammen mit den anderen Zentralbanken des Eurosystems auch in Europa. Die Künstlerin in Sachen Geldstabilität bringt als Teilnehmerin im Europäischen System der Zentralbanken ihren Erfahrungsschatz als unabhängige Zentralbank ein, wovon alle gemeinsam profitieren.
Denn schauen wir uns den Euro an, sonnt er sich gerade in vorher nie erreichten Höhen. Auch wenn die starke Währung angeblich unseren Export negativ berührt, so nützt stabiles Geld doch nicht nur der Wirtschaft, sondern vor allem den Bürgerinnen und Bürgern.


Otmar Emminger, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank, formulierte es treffend: "Preisstabilität ist nicht alles, aber ohne Preisstabilität ist alles nichts." Da die Bundesbank spätestens seit 2002 nur noch ein Rad im Verbund der Zentralbanken ist, fragen sich viele, was denn heute noch ihre Aufgaben sind. Und einige meinen zur Bundesbank, dass sie ein unnahbarer, mittlerweile gar anonymer Moloch sei, zu dem man keine Beziehung hat. Immerhin präsentieren andere Banken sich mit Schaltern und Filialen, mit Onlinebanking und Angeboten, mit persönlicher Beratung von Mensch zu Mensch.
Aber was wissen wir von der Bundesbank? Dass sie über 3400 Tonnen Gold hütet! Und was noch? Ist es die fehlende Nähe, die sie uns wie eine ehrwürdige alte Festung vorkommen lässt? Dabei sitzt sie nicht nur auf einem Goldberg, denn sie sie erläutert der deutschen Öffentlichkeit die Geldpolitik des Eurosystems wie auch ihre anderen Kerntätigkeiten.
Sie tut dies in Auftritten ihrer Führungsspitze, in Publikationen sowie in einem notenbankpolitisch orientierten Geldmuseum und ist damit so präsent wie die Sparkasse um die Ecke – fast jedenfalls. Die Kommunikation mit dem Volk ist doppelt bedeutsam: Indem sie über ihr Tun Rechenschaft ablegt, errichtet die Bundesbank für ihre gesetzliche Unabhängigkeit einen zusätzlichen demokratischen Stützpfeiler. Außerdem fördert sie mit ihrer Bildungsarbeit das Stabilitätsbewusstsein der Bevölkerung und schafft einen Gutteil des Vertrauens, das für den Erfolg ihrer Stabilitätspolitik notwendig ist.
Es ist also sinnvoll, die Bundesbank etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, denn sie gibt sich Mühe, dem Volk im Bewusstsein zu bleiben. Machen wir doch mal die Strahler an und setzen die Jubilarin ins rechte Licht.
Die heutigen Aufgaben der Deutschen Bundesbank
Die Deutsche Bundesbank ist und bleibt die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland und damit die „Bank der Banken“. Seit 1999 ist sie Teil des Eurosystems, in dem sie zusammen mit den anderen nationalen Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank für die gemeinsame Währung verantwortlich ist. Die - bisher acht, ab 2009 sechs - Mitglieder des Vorstands der Bundesbank werden jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung bzw. vom Bundesrat vorgeschlagen und vom Bundespräsidenten ernannt. Doch obwohl die Politik dem Vorstand das Leben einhaucht, ist die Bundesbank von Weisungen der Bundesregierung unabhängig. Ihr Status ist somit vergleichbar mit dem des Bundesverfassungsgerichts. Sie beschäftigt in ihrer Zentrale in Frankfurt am Main, in neun Hauptverwaltungen und bundesweit noch 58 Filialen knapp 11.000 Menschen. Auch wenn sie sich bis 2012 schlank schrumpfen möchte, indem sie auf 11 Filialen versichtet und die Zahl der Mitarbeiter auf 9000 verringert, operiert sie damit in einem flächendeckenden Netz in den Bereichen Refinanzierung, Bargeldversorgung, unbarer Zahlungsverkehr und Bankenaufsicht. Die Verjüngungskur ist als Folge des technischen Fortschritts notwendig, damit die Konsolidierung im deutschen Kreditgewerbe und die Eingliederung der Bank in das Eurosystem funktionieren.
Die Deutsche Bundesbank ist im Jahr ihres 50. Geburtstages nicht mehr in aller Munde, wenn von Sicherung und Gefährdung, von Für und Wider stabilen Geldes die Rede ist. Sie ist nicht mehr die Bank, deren Zinspolitik die anderen europäischen Zentralbanken folgen mussten, wollten sie der Abwertung ihrer Währungen entgehen. Die Bundesbank hat 1999 ihre eigenständige geld- und währungspolitische Kompetenz an das Eurosystem abgegeben. Doch nach wie vor ist die Stabilität unserer Währung oberstes Gebot. Die Teilnahme am Eurosystem, das Zusammenwachsen der internationalen Finanzmärkte und die Innovationen im Zahlungsverkehrs- und Finanzbereich stellen die Bundesbank vor neue Herausforderungen. Um ihnen besser gewachsen zu sein, hat sie daher fünf ihrer Arbeitsbereiche als Kerngeschäftsfelder benannt, deren Profil es in Zukunft zu schärfen gilt.
Stabilität und Sicherheit sind also die Hauptaufgaben, die im Folgenden genauer betrachtet werden.
Stabiles Geld
Das zentrale Geschäftsfeld der Bundesbank ist seit Einführung die Geldpolitik des Eurosystems. Im EG-Vertrag ist festgelegt, die Preisstabilität im Euroraum zu sichern. Stabile Preise sind im Sinne aller und fördern mittelfristig Wachstum und Beschäftigung; Genauso wichtig ist, dass Preisstabilität die Rücklagen der Sparer und das Einkommen der Arbeitnehmer vor Einbußen durch Geldentwertung schützt. Der Präsident der Bundesbank, seit 30.04.2004 ist es der Welteke-Nachfolger Dr. Axel Weber, hat Sitz und Stimme im Europäischen Zentralbankrat (EZB-Rat) und wirkt so an den monatlichen geldpolitischen Entscheidungen mit. Er stützt sich dabei auf die Expertise der Ökonomen, Statistiker und Währungsexperten der Bank.
Geldpolitik wird ausgeübt, indem die Zentralbank über die Leitzinsen die Kosten verändert, zu denen sich die Kreditinstitute bei ihr Bargeld und Guthaben besorgen können. Der Leitzins beeinflusst den Geldumlauf und damit das Preisniveau. Selbst der politische Haushalt ist mit seinen Finanzierungskosten davon abhängig. Aufgabe der Bundesbank ist es, die geldpolitischen Beschlüsse des EZB-Rats in Deutschland umzusetzen. Ihr Anteil an der Menge des Geldes, das sich die Banken im Euroraum insgesamt bei den Zentralbanken kurzfristig beschaffen können, beträgt über 50%.
Stabiles Finanz- und Währungssystem
Auf dem Kerngeschäftsfeld Finanz- und Währungssystem arbeitet die Bundesbank daran mit, nationalen und internationalen Finanzkrisen vorzubeugen - internationalen Krisen auch deswegen, weil sie sich auf Deutschland übertragen können. Finanzkrisen, z. B. die Zahlungs- oder Kreditunfähigkeit großen Stils in der Kreditwirtschaft, lassen Wachstum und Beschäftigung einbrechen. Sie behindern überdies die Geldpolitik, da den Banken dann die Durchleitung zinspolitischer Maßnahmen nicht mehr möglich sein dürfte, und sie erschüttern am Ende das Vertrauen in die Preisstabilität. Finanzkrisen drohen bei zu großer Anhäufung risikoreicher und unzureichend abgesicherter Kredite an den verschiedensten Stellen. Die Bundesbank trägt mit diversen Analysen und ihrer Beobachtung der Finanzmärkte dazu bei, solche Gefahrenherde frühzeitig zu erkennen. Vorrangiges Ziel der Geldpolitik für die Euro-Länder ist daher die Sicherung der Preisstabilität; die Wirtschaftspolitik darf nur unterstützt werden, wenn die Preisstabilität dabei nicht gefährdet wird.
Bei den Zinsentscheidungen wird die Geldmengenentwicklung berücksichtigt; denn für stabile Preise müssen sich Geldmenge und Produktionsmöglichkeiten längerfristig parallel entwickeln. Diese für die D-Mark gut funktionierenden Prinzipien wurden auf die Europäische Währungsunion übertragen, weil man in ihnen die Quellen des Stabilitätserfolges der Bundesbank sah.
Stabiles Bankensystem
Die Bankenaufsicht beschreibt ein weiteres Kerngeschäftsfeld der Bundesbank. Diese Bankenaufsicht dient der Sicherung einer finanziell soliden Kreditwirtschaft und damit letztlich der Finanzsystemstabilität. Die Aufsichtstätigkeit in Verbindung mit den anderen Notenbankfunktionen gewährleistet die Stabilität der Finanzmärkte. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist sie für die laufende Überprüfung der ca. 2.300 Kreditinstitute in Deutschland auf deren Solvenz, Liquidität und Risikosteuerungssysteme zuständig, was unter anderem bankgeschäftliche Prüfungen, Aufsichtsgespräche und die laufende Auswertung von Meldungen und Prüfberichten umfasst. Außerdem arbeitet sie national und international an der Weiterentwicklung bankaufsichtlicher Vorschriften mit. So hat sie bei der 2004 verabschiedeten internationalen Rahmenvereinbarung des Baseler Ausschusses („Basel II“) tatkräftig mitgewirkt. Basel II verlangt, dass u. a. die Eigenmittel, mit welchen die Banken ihre ausgelegten Kredite unterlegen müssen, genauer als vorher an die tatsächlichen, individuellen Risiken angepasst werden.
Sicherer Zahlungsverkehr
Beim unbaren Zahlungsverkehr folgt die Bundesbank ihrem gesetzlichen Auftrag, für die reibungslose Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland und mit dem Ausland zu sorgen. Dazu betreibt sie auch eigene Zahlungssysteme. Eilbedürftige Individualzahlungen zwischen Banken und die geldpolitischen Operationen der Zentralbanken benötigen schnelle und sichere Zahlungssysteme. Die Bundesbank hat hier mit ihrem RTGS-System Maßstäbe gesetzt. Dieses System ermöglicht den Banken Zahlungen in Echtzeit und hilft ihnen, Liquidität zu sparen. So können Banken z. B. gegenläufige Zahlungen als zusätzliche Deckungsmittel nutzen. Zusammen mit anderen Zentralbanken hat die Bundesbank dieses System europaweit fortentwickelt. An die Stelle des europäischen Verbundes von unterschiedlichen Echtzeit-Zahlungssystemen der Zentralbanken (Target 1), an dem RTGSplus seit 1999 teilnimmt, tritt ab 19. November 2007 Target 2. Dies ist ein Gemeinschaftssystem mit Leistungsmerkmalen, in dem Zahlungen über eine einheitliche technische Plattform abgewickelt werden.
Nicht zeitkritische Zahlungen ihrer Kunden an andere Institute wickeln die Banken großenteils bilateral oder über bankgruppeneigene Systeme ab. Ab dem 1. Januar 2008 entsteht in Europa der Einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA), in dem alle Euro-Zahlungen genauso einfach, effizient und sicher abgewickelt werden sollen wie heute im Inland. Die Bundesbank unterstützt SEPA, fungiert als Bindeglied zwischen dem deutschen Kreditgewerbe und dem Eurosystem und wird auch ihre eigenen Zahlungssysteme an die Erfordernisse des SEPA anpassen.
Sicheres Bargeld
Um das Vertrauen in den Euro zu erhalten, ist es wichtig, dass das Bargeld stets ausreichend und in guter Qualität zur Verfügung steht. Hierzu muss Falschgeld ebenso ausgesondert werden wie jene Münzen und Banknoten, die beschädigt oder abgenutzt sind. Dies sind die hoheitlichen Aufgaben der Bundesbank auf dem Kerngeschäftsfeld Bargeld. Zwar will die Bank zunehmend eine private Bargeldbearbeitung ermöglichen. Um langfristig Qualität und Sicherheit der Versorgung in Notfall- und Krisensituationen, z. B. bei streik- oder insolvenzbedingtem Ausfall größerer Gelddienstleister, gewährleisten zu können, muss die Bundesbank aber auch weiterhin angemessen am Bargeldkreislauf und an der Banknotenbearbeitung beteiligt bleiben.
Zu diesen Kerngeschäftsfeldern kommen die Verwaltung der Währungsreserven und Aufgaben der Bundesbank in der Statistik und als Hausbank des Staates. Hinzu tritt schließlich die Beratung der Bundesregierung in Fragen von währungspolitischer Bedeutung.
Gemeinsam ist den Kerngeschäftsfeldern die aktive Mitarbeit in internationalen Organisationen und in der Forschung. Auf all ihren Geschäftsfeldern ist die Bundesbank in den entsprechenden europäischen oder weltweiten internationalen Organisationen vertreten. Sie wirkt damit an den meisten Beratungen und Abmachungen zu Fragen des Währungs- und Finanzsystems mit. Die Internationalität der Diskussion hat mit dem Zusammenwachsen Europas und den wachsenden globalen Finanzströmen zugenommen. Vor allem sie ist auch der Grund dafür, dass die Bank in allen Kerngeschäftsfeldern die Forschung ausbaut. In der geldpolitischen Entscheidungsfindung des Eurosystems und in der internationalen Debatte über die Stabilität des Finanzsystems kann die Bundesbank nur bestehen, wenn sie im Wettbewerb der Ideen Kompetenz zeigt. Und diese kann sie nur durch Forschung und Analysen gewinnen. Ihr 2002 errichtetes Forschungszentrum treibt vor allem die Erforschung der Wirkungsmöglichkeiten der Geldpolitik und der Bedingungen und Wirkungen von Finanzsystemstabilität voran.
Das sind eine Menge wichtiger Aufgaben. Da die Bundesbank diese Aufgaben in ihrem 50-jährigen Leben hervorragend gemeistert hat, vertrauen wir Bürger ihr weiterhin – und gratulieren:
Herzlichen Glückwunsch, Deutsche Bundesbank
BankingPortal24.de
30.07.2007
Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.
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