Hedge Fonds, Teil 1








Hedge Fonds, Teil 1

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Was sind eigentlich Hedge Fonds? Der Sinn dieses Wortes verschließt sich vielen Anlegern, die gerne auf herkömmliche Produkte wie Aktien-, Renten- und Immobilienfonds zurückgreifen, um beim Bekannten zu bleiben. Hedge Fonds hat zwar jeder schon mal gehört, aber weil es sich hierbei um etwas handelt, das möglicherweise neu und – exotisch? – ist, lassen viele lieber die Finger davon. Aus Angst vielleicht, denn alles Unbekannte ist gefährlich (in diesem Fall fürs Ersparte), oder aus dem Verweigern heraus, sich geeignet damit bekannt zu machen. Diese beiden Ursachen werden an dieser Stelle bekämpft, und wetten? Demnächst hat der eine oder andere Hedge Fond Zulauf. Denn er ist alles andere als exotisch oder gefährlich, und schon gar nicht neu. Man muss eben nur wissen, was es damit auf sich hat.




Zunächst einmal: Ein Hedge Fond investiert nicht in Hecken (von engl. hedge), so wie ein Aktienfond in Aktien, ein Rentenfond in Renten, ein Immobilienfond in… Macht ihn das so mysteriös, dass sich am Namen nicht die Anlage erkennen lässt?

Hedge steht aber nicht nur für die Hecke, sondern auch für die Absicherung. Auf diesen Begriff geht der Ursprung des Hedge Fonds zurück. Der erste Fond dieser Art wurde von Alfred Winslow Jones im Jahre 1949 gegründet. Jones verkaufte Aktien leer und kaufte dafür andere mit dem Ziel, auf diese Weise Marktschwankungen abzusichern (hedgen). Damit war die erste Strategie für Hedge-Fonds (Long-Short) geboren. Das Ziel der Fondmanager besteht auch heute noch darin, sowohl bei fallenden, als auch bei steigenden Kursen auf den Finanzmärkten eine so genannte absolute Rendite zu erzielen, also die gemachten Gewinne periodisch an die Investoren zu verteilen und Verluste zu vermeiden. Insofern hat sich an Alfred Winslow Jones’ Strategie nichts geändert.

Damit sind wir, nach den Ahnungslosen, die wir ja nun nicht mehr sind, bei der zweiten Spezies angekommen: Jenen, die zu wissen glauben, was ein Hedge Fond ist und tunlichst die Finger davon lassen, weil sie ihren Vorurteilen treu bleiben, die da lauten:

1. Ein Hedge Fond ist ganz und gar nicht die Anlageform, die sicher ist und von der behauptet wird, dass sie immer nur Gewinne erzielt. Stattdessen sind hier Währungsspekulanten am Werk, oder finanzstarke Nichtsnutze, die nichts anderes zu tun haben, als den Ölpreis in die Höhe zu treiben, um daran zu verdienen.

2. Hedge Fonds üben eine Marktbereinigungsfunktion aus und sind überall dort zu finden, wo ein Marktungleichgewicht herrscht. Das heißt im Klartext, dass diese Anlagestrategie förmlich Verlierer kreiert und also nicht so viele Freunde hat. Daher hält sich bei manchen beharrlich die Ansicht, dass ein Hedge Fond Manager wegen der Vielzahl von Fonds und den wenigen dauerhaft ertragreichen Strategien gerne im Dunkeln operiert. Zu leicht lassen sich Strategien kopieren, was einen Rückgang der Ungleichgewichte im Markt und eine nachlassende Performance zur Folge hat. Im Angesicht wirtschaftlichen Stillstands neigen manche Politiker dazu, ihre eigene Unfähigkeit den Hedge Fonds in die Schuhe zu schieben.

Sollten Hedge Fonds also in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image haben, dann ist es auf solchen Vorurteilen begründet.

Wir wissen nun, wozu der Hedge Fond gedacht ist, denn Hedge steht für die Risikoabsicherung von Wertpapiergeschäften über den Terminmarkt. Das bedeutet NICHT, dass er ein Depot dermaßen absichert, dass keine Verluste entstehen können. Es wäre zu schön, um wahr zu sein.

Auch wenn wir nun die Bedeutung des Begriffs Hedge Fond eingehend untersucht haben, verschließt sich uns noch immer die Anlage, in die investiert wird. Ein Hedge Fond erwirbt in erster Linie Wertpapiere aus unterschiedlichen Anlagebereichen. Hedge Fond ist daher auch nicht gleich Hedge Fond. Jedes Produkt ist so individuell wie die Leute, die es managen.

Jeder Hedge Fond charakterisiert sich durch ein eigenes Chancen-Risiko-Profil. Aus diesem Grund lassen sich die Angebote wie folgt kategorisieren, womit sicher für jedes Anlageziel das passende Produkt zur Verfügung steht:

Konservative und ausgewogene Hedge Fonds
Sie eignen sich besonders für Anleger, die eine konstante Wertentwicklung mit geringen Wertschwankungen wünschen. Es wird in eine Vielzahl von Produkten unterschiedlicher Paletten investiert und so ein ausgewogenes Verhältnis hergestellt. Das können Anleihen, Aktien und Devisen sein, aber auch Öl, Weizen, Kaffee, Baumwolle usw. Es gibt keine Vorschrift, die ein bestimmtes Produkt verbietet. Die einzelnen Kontrakte sind wenig voneinander abhängig und gestatten dem Fond ein risikoarmes Verhalten, frei nach dem Motto: Lege nie alle Eier in einen Korb. Dies ist natürlich das Ziel aller Hedge Fonds.

Vom Anleger wird oft eine Mindesteinlage erwartet. Die Ertragserwartungen pro Jahr liegen bei 10-15%. Es gibt Produkte, die seit ihrer Auflage noch keine negative Entwicklung hinnehmen mussten und sogar das Desaster von 2001 ohne Blessuren überstanden. Daraus lässt sich jedoch kein Anspruch auf andere Hedge Fonds oder gar die Zukunft ableiten.

Dynamische Hedge Fonds
Diese Hedgefonds eignen sich besonders für Anleger, die bereit sind, für die Möglichkeit überdurchschnittlicher Renditen hohe Wertschwankungen in Kauf zu nehmen. Das wird durch die erhöhte Beimischung volatiler Kontrakte wie Aktien, Öl etc. erreicht. Dafür bestechen Gewinnmöglichkeiten von 20-25% per Anno.

Hedge Fonds mit Garantie
Das hören wir doch gerne: Das investierte Geld kommt garantiert zurück. Erreicht wird diese Garantie durch Kapitalschutz in Form von Anleihen mit fixer Rendite, z.B. Nullkuponanleihen, die am Ende der Laufzeit die Rückzahlung der Investition plus fester Zinsen garantieren. Die Gewinnerwartung ist (natürlich) niedriger als bei dynamischen Anlagen und liegt bei etwa 10% pro Jahr. Da es sich bei den Kontrakten oft um Anleihen mit fester Laufzeit handelt, darf bei Hedge Fonds mit Garantie auch ebenfalls von festen Laufzeiten ausgegangen werden. Weil der Anteil des gesicherten Kapitals aber nicht immer 100% beträgt, bezieht sich der Zusatz „mit Garantie“ oft nur auf einen Teil des eingesetzten Vermögens. Verluste sind also immer noch möglich. Wer sich für Garantiefonds interessiert, sollte also genau hinsehen, wie groß der Anteil des geschützten Kapitals ist.

Sparpläne mit Hedge Fonds
Um ein Vermögen aufzubauen, lohnt sich langfristig das monatliche Sparen in einen mehr oder weniger volatilen, also dynamischen Fond (Siehe unseren redaktionellen Beitrag: Geld anlegen – aber richtig). Diese Sorte findet man auch bei den Hedge Fonds. Ein Hedge Fond-Sparplan erlaubt also, außer einer Einmalanlage auch sehr kleine Wertpapierportfolios professionell gegen Verlustrisiken abzusichern und bietet so eine clevere Möglichkeit, nach und nach ein großes Vermögen aufzubauen. Achtung: Langfristige Anlageform! Dafür kann mit jährlich 15% Rendite gerechnet werden.

Hedge Fonds-Policen
Hedge Fonds finden auch Anwendung bei fondgebundenen Lebensversicherung und ähneln damit den Sparplänen, da auch hier monatlich eingezahlt wird.

Wir sehen also, dass Hedge Fonds sehr flexibel sind und im Gegensatz zu Aktien- oder Rentenfonds die gesamten Möglichkeiten nutzen können, die der Markt bietet. Die Anlagestrategie wird vom Fondsmanager im Rahmen der Grenzen gewählt, die die Kapitalanlagegesellschaft dem Fond bei Auflegung gesetzt hat. Für diesen Anlagerahmen gibt es international praktisch keine zwingenden Regeln. Das Ziel besteht darin, konstante positive Erträge zu erwirtschaften, unabhängig von den Entwicklungen am Aktienmarkt. Selbst in Situationen, wie sie 2000 – 2002 an der Börse herrschten, sind positive Erträge möglich, indem auf fallende Kurse spekuliert wird. Da solche Spekulationen etwas mit einer Wette gemeinsam haben, bei der das Geld der Anleger auf dem Spiel steht, darf es nicht wie in der Politik zugehen, wo jemand, der einen Karren in den Dreck gefahren hat, einfach den Rücktritt einreicht und dafür eine hohe Abfindung kassiert. Von Fonds-Managern wird daher erwartet, dass sie sich an dem Fond beteiligen und gegebenenfalls persönlich haften. Im Gegenzug werden sie bei Erfolg sehr gut bezahlt.

Wir haben gesagt, dass die Fonds-Manager sehr frei verfügen können, wenn es um die geeigneten Investitionen und um die Wahl der Strategie geht. Es gibt also nicht nur die Strategie des Alfred Winslow Jones. Grundsätzlich stellen sich den Managern die folgenden 5 Möglichkeiten zur Auswahl:

Long Short Equity
Dies ist die typischste aller Hedge Fond Strategien und jene von Herrn Jones ins Leben gerufene. In Erwartung einer positiven Entwicklung werden Aktien gekauft, auf negative Erwartungen folgen Aktienleerverkäufe. Für einen Leerverkauf leiht sich der Fond die entsprechenden Wertpapiere von einem Investor und verkauft sie an der Börse zum aktuellen Kurs. Später kauft der Investor seine Aktien preisgünstiger zurück und stellt sie ins Depot des Eigentümers. Bei wie erwartet gefallenen Kursen legt der Hedge Fond zu, da er die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederbeschaffungskurs für sich verbuchen kann (siehe auch unseren redaktionellen Beitrag über Short Selling). Diese Strategie kann überall dort angewendet werden, wo es mit den Kursen auf und ab geht. Stetig steigende Kurse, wie sie zum Beispiel von Immobilienfonds her bekannt sind, eignen sich dazu nicht.

Arbitrage-Geschäfte / Market Neutral / Relativ Value
Die Manager solcher Hedge Fonds machen Gewinne durch Investitionen in Wertpapiere, von denen sie eine gewisse Balance erwarten. Diese Balance soll das Portfolio gegen Schwierigkeiten auf dem Markt puffern. Dazu müssen (oder sollen zumindest) die Long und Short Investitionen „beta neutral“ sein. Beta ist der Maßstab für die Volatilität einer Aktie relativ zum Markt. Eine Aktie mit dem Wert Beta = 1 bewegt sich synchron mit dem Markt. Ein höheres Beta zeigt mehr Volatilität als der Markt, während von einer Aktie mit geringerem Beta erwartet werden kann, dass sie verhaltener reagiert. Durch das Bestreben, beta neutral zu sein, versuchen Fondmanager, ihre Portfolios sicherer zu machen, indem sie alle systematischen oder marktbedingten Risiken ausschalten.

Der Handel auf dem Börsenparkett kann bei dieser Strategie mitunter sehr schnell vonstatten gehen. So wird ein und dieselbe Anleihe an einzelnen regionalen oder überregionalen Märkten zu unterschiedlichen Preisen gehandelt. Durch schnelle Arbitragegeschäfte versuchen die Hedge Fonds einen Vorteil aus den regionalen Abweichungen zu erzielen. So kann ein Manager zum Beispiel in New York ein Papier für einen Dollar einkaufen, das ihm beim Wiederverkauf in Frankfurt Sekunden später $1,12 bringt. Dieses Schnäppchen nennt er Relativ Value.

Event Driven
Hier nehmen die Manager Unternehmen unter die Lupe und warten darauf, dass durch Fusionsgerüchte und Übernahmespekulationen die Kurse in Wallung geraten, um daraus Profit zu schlagen.

Systematic Trend Followers
Bei Verwendung dieser Strategie wird den Trends gefolgt, denen der Markt gehorcht. Wird erkannt, dass ein Trend nach unten oder oben in Bewegung gerät, werden sofort Kauf- und Verkaufssignale gesetzt. Dabei ist es nahezu unerheblich, auf welchem Markt dies geschieht, denn das Engagement reicht von Rohwarenmärkten wie etwa Lebensmitteln über Währungen und Edelmetalle, bis hin zu Aktienindizes und Zinsprodukten. Größere Verluste sollen durch ein spezielles System des Risikomanagements vermieden werden. Der Erfolg dieser Strategie hängt maßgeblich von den verwendeten, oft komplexen Systemen ab. Zur erfolgreichen Anwendung dieser Strategie müssen natürlich auch Trends vorhanden sein, was nicht immer in allen Märkten und zu jedem Zeitpunkt der Fall ist.

Global Macro
Dabei handelt es sich um eine der ältesten Hedge Fonds-Strategien, mit der auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verschiedener Märkte und Branchen gesetzt wird. Derzeit stecken rund 15 % des Anlagevolumens von Hedge Fonds in der Global-Macro-Strategie.
Da es sich um eine Strategie mit sehr hoher Volatilität handelt, sind hohe Erträge charakteristisch. Wir wissen, dass dazu auch ein vergleichsweise hohes Risiko gehört.

Global-Macro-Strategien erzielen Gewinne bei Veränderung der globalen Wirtschaft. Unter Verwendung von Analysen und Prognosen makroökonomischer Daten wird versucht, Käufe und Verkäufe gewinnbringend zu tätigen. Dazu beobachten Manager weltweit die Entwicklung der Märkte und untersuchen und bewerten verschiedene Branchen, Regionen und Länder. Entwicklungen in Politik und Wirtschaft, die große Veränderungen im Zins-, Währungs-, Aktien-, oder Obligationenbereich versprechen, sind höchst willkommene Ereignisse.

Nun, da wir wissen, was ein Hedge Fond in all seinen Variationen ist, stellt sich uns die nächste Frage: Was mache ich damit? Diese Frage beantworten wir demnächst an dieser Stelle.

Dieser Text wird fortgesetzt! Lesen Sie den 2. Teil von „Hedge Fonds“
Betätigen Sie diesen Link: Hedge Fonds, Teil2


BankingPortal24.de
24.07.2007

Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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Keywords: Hedge Fonds, Fonds, Fondsanlagen, Anleger, Investoren, Finanzmärkte, Gewinne

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